Die Stadt Esch baut ihr Betreuungsangebot für Schulkinder aus. Zwei neue „Maisons relais“ im ehemaligen „Sprëtzenhaus“ und in der Waldschule sowie ein weiteres Projekt namens „Kannerkaschtplus“ (KK+) stellte die grüne Schulschöffin Mandy Ragni am Freitag in der Gemeinderatssitzung vor. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die lange Warteliste für einen Betreuungsplatz zu reduzieren. Die Opposition war von zwei dieser drei Maßnahmen nicht überzeugt.

„Kannerkaschtplus“ (KK+) umfasst zwei Ebenen. Beim „Kannerkascht“ soll jede „Maison relais“ in Esch eine Erweiterung erhalten, um zusätzliche Kinder während der Mittagsstunde verköstigen und betreuen zu können. Um diese Tageszeit bestehe die größte Nachfrage, erläuterte Schulschöffin Mandy Ragni („déi gréng“).

Das Plus hinter „Kannerkascht“ steht für kreative Aktivitäten, die die Stadt Esch zusammen mit der „Up Foundation“ veranstaltet. „Up Foundation“ ist eine private Bildungsstiftung, die von Wirtschaftsvertretern wie Raymond Schadeck (früherer CEO von Ernst&Young), Christianne Wickler (Pall Center) oder Philippe Depoorter (Banque de Luxembourg) mitgegründet wurde. In Zusammenarbeit mit rund 30 Vereinen und Institutionen will die Stiftung Kreativateliers für Kinder zwischen 4 und 19 Jahren anbieten, wie die Stiftungsdirektorin Liz Kremer-Rauchs am Freitag darlegte. Seit Januar 2019 funktioniert KK+ bereits in vier „Maisions relais“ in Esch. Künftig soll das Angebot noch weiter ausgebaut werden.

Wirtschaftsliberale Verflechtungen

Neben Escher Einrichtungen wie dem CIGL, den Pfadfindern, der Kulturfabrik oder dem Stadttheater bieten auch nationale Akteure wie „natur&ëmwelt“, „Zentrum fir politesch Bildung“ und „Amis des musées“ sogenannte „Weltateliers“ an. Die Stiftung verfolge ein breiteres Bildungsverständnis, demzufolge die Schule nur einen geringen Teil zur Allgemeinbildung leiste. Die Bildungsaufgabe dürfe nicht alleine der öffentlichen Hand überlassen werden, sondern müsse auch von der „Gesellschaft“ erfüllt werden, erklärte Kremer-Rauchs. Orientiert hat sich die „Up Foundation“ an der Jacobs-Stiftung, die ein solches Konzept bereits in der Schweiz umgesetzt hat. Die Schweizer Jacobs-Stiftung wurde von dem deutsch-schweizerischen Unternehmer Klaus J. Jacobs gegründet, der mit Kaffee und Schokolade (Jacobs Suchard) reich geworden ist und lange Zeit Hauptaktionär des weltgrößten Zeitarbeitsunternehmens Adecco war.

Der linken Opposition in Esch gefallen diese Verflechtungen gar nicht. Während sie das „Kannerkascht“-Projekt am Freitag grundsätzlich unterstützte, hagelte es am „Plus“ Kritik. Rätin Vera Spautz (LSAP) bezeichnete die „Up Foundation“ als „mehr als dubios“ und stellte die Frage, wieso die Gemeinde diese Weltateliers nicht in Eigenregie veranstalten könne. Auch die Verbindung zu den Vereinen und Institutionen könnte die Stadt selbst herstellen. Dafür brauche es keine Stiftung, so Spautz.

Rätin Line Wies („déi Lénk“) beobachtete eine gefährliche Entwicklung der Privatisierung der Bildung und bezeichnete die Maßnahme als „Augenwischerei“, weil sie darüber hinwegtäusche, dass eigentlich keine zusätzlichen Betreuungsplätze geschaffen würden.

Verwirrung um Umwelterziehung

Rat Mike Hansen (LSAP) wurde hellhörig, weil Stiftungen häufig aus Gründen der Steueroptimierung gegründet und zum Weißwaschen von Geldern benutzt würden. Statt mit einer Stiftung zusammenzuarbeiten, solle die Gemeinde lieber ihre öffentlichen Dienste verstärken, damit sie diese Aufgaben übernehmen könnten, so Hansen. Der unabhängige Rat Dan Codello zeigte sich überrascht, dass ein solches liberales Bildungsangebot nicht von der DP, sondern ausgerechnet von den Grünen eingeführt würde.

Schöffin Mandy Ragni versicherte, dass dank „Kannerkaschtplus“ in drei Jahren 150 Kinder weniger auf der zurzeit 800 Schüler umfassenden Warteliste stehen würden. Sie verteidigte die Stiftung, die beim Aufbau des Netzwerks der Vereine und Institutionen sowie bei der Kommunikation geholfen habe.

Kritik hagelte es auch an den Plänen des Schöffenrats, eine „Maison relais“ in der Waldschule einzurichten. Die Zuständigkeit für die Umwelterziehung, die vor Jahrzehnten in Esch eingeführt wurde, soll zum Unmut der Opposition vom Bildungs- in das Umweltministerium wechseln. Rätin Line Wies befürchtete, dass damit Schüler aus dem ganzen Land an der Umwelterziehung teilnehmen könnten und die Escher Kinder zu kurz kämen. Im vergangenen Jahre hätten 4.200 Kinder an den 48 Aktivitäten der Escher Umwelterziehung teilgenommen. Das neue Konzept setze nun all das aufs Spiel, bedauerte Line Wies.

Kürzere Warteliste

Von allen positiv aufgenommen wurde hingegen die neue „Maison relais“, die im ehemaligen „Sprëtzenhaus“ neben der Josephskirche eingerichtet werden soll. Der Parkplatz hinter dem Gebäude soll mit einem Anbau ausgefüllt werden. Der Parkplatz an der rue de l’Eglise soll künftig ein Schulhof werden. 134 bis 144 Betreuungsplätze auf 1.000 Quadratmetern Gesamtfläche sollen im „Sprëtzenhaus“ künftig zur Verfügung stehen, erklärte der grüne Bautenschöffe Martin Kox. Im September 2022 soll die „Maison relais“ ihren Betrieb aufnehmen. Die Kosten für den Um- und Ausbau des geschützten Gebäudes liegen bei 7,8 Millionen Euro.

Die „Amis de l’accordéon“ und die Big-Band des OGBL, die zurzeit noch im „Sprëtzenhaus“ proben, sollen zusammen mit der „Chorale municipale Uelzecht“ in einen neuen Proberaum ziehen, betonte Kulturschöffe Pim Knaff (DP). Der Pachtvertrag für den Saal der Chorale an der Kontrollstation laufe bald aus. Wo dieses neue Lokal sein soll, steht aber noch aus. Auch für den Billardklub, der im „Sprëtzenhaus“ trainiert, soll ein neuer „Keller“ gefunden werden, so Knaff.

3 Kommentare

  1. Rätin Vera Spautz (LSAP) bezeichnete die „Up Foundation“ als „mehr als dubios“ und stellte die Frage, wieso die Gemeinde diese Weltateliers nicht in Eigenregie veranstalten könne.
    Während ihrer Amtszeit hatte V. Spautz doch genug Gelegenheit so etwas auf die Beine zu stellen, aber als nicht Bürgernahe Bürgermeisterin konnte oder wollte sie nicht an solche Maßnahmen denken, jetzt wo andere mit dieser Idee kommen fängt sie an zu kritisieren.
    Auch die Verbindung zu den Vereinen und Institutionen könnte die Stadt selbst herstellen. Dafür brauche es keine Stiftung, so Spautz, Frau Spautz sie haben während ihres Aufenthaltes an der Spitze der Gemeinde nicht viel geleistet, alles das was sie jetzt versuchen in den Dreck zu ziehen hätten sie damals auch machen können, das zeigt doch nur das sie mit diesem Job damals total überfordert waren, das einzige was ich bemängele ist die Waldschule, die liegt zu weit außerhalb sie hat zwar einen idyllischen Charakter aber da kommt das Transportproblem um die Kinder hinzubringen und wieder abzuholen und natürlich die Personalfrage der Aufsichtspersonen damit den kleinen im Wald nichts passiert.

    • Sie haben vergessen, dass sich die Kinder im Wald eventuell noch schmutzig machen könnten. Nach meiner Erfahrung ist das für sehr viele Mamis das größte Problem.

      • @Jemp
        um sich in Esch schmutzig zu machen brauchen sie nicht in den Wald zu fahren das können sie auf jeder Sitzgelegenheit wo die jugendlichen und die Alkis auf dem Gemeindeplatz mit den Füßen darauf stehen.

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