Kevin Rutare ist in puncto Sport eine vielseitige Person. Der Beleser Athlet ist nämlich nicht nur Hochspringer, sondern auch noch Leichtathletik-National- und Konditionstrainer.
Der 26-Jährige wird aber aufgrund seines Trainingsrückstands keine Hallensaison bestreiten und erst im Sommer wieder an Wettkämpfen teilnehmen.

Tageblatt: Kevin, wie sind Sie zur Leichtathletik gekommen?
Kevin Rutare: Als ich mit meinen Eltern 2001 aus der Stadt Luxemburg nach Beles umzog, war der CA Beles der einzige Sportverein dort. Ich fand es zwar am Anfang langweilig, im Verein immer nur zu laufen. Dann habe ich am Challenge Tageblatt teilgenommen. Als Scolaire wollte ich zum Basketball wechseln. Ich hatte aber viel Spaß mit den Freunden und es herrschte immer eine sehr gute Stimmung, sodass ich dann trotzdem bei der Leichtathletik blieb. Auch wenn ich nach der Schule meistens im Schulhof Fußball oder Basketball gespielt habe. Ich habe aber dann sehr viel Spaß am Hochsprung bekommen, hauptsächlich weil Mett Kayser mich unter seine Fittiche nahm. Er war nicht nur ein super Trainer, er war für mich einfach auch ein wunderbarer Mensch. Auf der einen Seite geht er sehr väterlich mit seinen Athleten um, aber andererseits kann er auch sehr streng werden. Ohne ihn wäre ich nicht auf das Niveau gekommen, wo ich jetzt bin.

Steckbrief

Name
Kevin Rutare
Geboren am
22. Juli 1991 in Kigali (Ruanda)
Wohnhaft in Beles
Lizenziert im CA Beles
Beruf
Préparateur physique und Leichtathletik-Trainer
Persönliche Bestleistungen
Minime: 1,81 m
Cadet: 1,90 m
Junior: 2,02 m
Espoir: 2,17 m
Senior: 2,18 m

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Sie haben zwar schon 20 nationale Selektionen aufzuweisen, aber darunter ist nur eine individuelle Selektion, und zwar für die Teilnahme an der Universiade letztes Jahr in Taipeh.
Das stimmt. Ich war leider bis jetzt nicht gut genug, um individuell an einer EM oder WM teilzunehmen. Aber diese Teilnahme war das Schönste, was ich bisher erlebt habe. Eine Universiade kann man gleichsetzen mit den Olympischen Spielen. Nicht nur Leichtathletik steht hier auf dem Programm, sondern auch noch andere Sportarten. Fast alle Nationen der Welt machen dort mit. Man lernt sehr viele gute Sportler kennen. Nach der Universiade musste ich aber eine längere Pause einlegen, um meinem verletzten Fuß die nötige Ruhe zu geben.

Wie lange wollen Sie denn pausieren?
Diese Hallensaison werde ich noch nicht springen. Mein Fuß ist zwar in Ordnung, aber ich habe ja kein Training gehabt. Vor allem das Aufbautraining fehlt. Aber für die Sommersaison bin ich wieder dabei.

In der vergangenen Sommersaison sind Sie bei den Spielen der kleinen Staaten von Europa in San Marino persönliche Bestleistung (2,18 m) gesprungen. Da fehlen nur noch vier Zentimeter, um an den Rekord von Raymond Conzemius heranzukommen …
Ja, aber im Augenblick bin ich auf mich alleine gestellt und organisiere mein Aufbautraining selbst. Um die 2,22 m zu springen oder sogar zu überbieten, brauche ich aber einen guten Trainer, der mir sagt, wo ich Fehler mache. Ich will diesen Rekord überbieten und werde mir auch einen Trainer aus dem Ausland engagieren, der mir dabei hilft, meine Technik zu verbessern.

Sie haben an der Universität in Lille einen Master in Sport gemacht …
Ja, ich habe einen Master in “Recherche en préparation physique”, dann noch ein zusätzliches Studium, das sich mit der Forschung befasst. Dieses Studium hilft, kritische Analysen zu machen, um die Trainingsprogramme an die Sportler anzupassen. Man stellt hier vieles “Altgewohntes” infrage und es hilft einem, ein anderes methodisches Training aufzustellen.

Sie sind nicht nur Athlet, sondern auch noch Nationaltrainer für Hoch-, Weit- und Dreisprung.
Im Augenblick bin ich nur für das Nationaltraining im Hochsprung zuständig. Die aktuell besten Weit- und Dreispringer haben ihre persönliche Vereinstrainer hier in Luxemburg oder trainieren an ihren Universitäten mit ihren ausländischen Trainern. Es ist schwer – beziehungsweise unklug –, die Athleten von ihrem besten Trainer loszureißen, wenn diese Zusammenarbeit gut funktioniert. Meine Idee wäre, einen Pool aus guten Vereinstrainern zu schaffen, die mit dem Nationaltrainer kooperieren und sich untereinander austauschen, um dann gemeinsam im Interesse der Athleten zu arbeiten. Zusammen könnte man mehr erreichen. So kocht jeder sein eigenes Süppchen. Ich will mich auch mit ausländischen Trainern austauschen, um zu sehen, wo ich Fehler mache.

Ebenfalls fungieren Sie als Nationaltrainer der Hochspringerin Elodie Tshilumba. Wie verläuft diese Zusammenarbeit?
“C’est du plaisir pur!” Wichtig ist es, dass man Spaß beim Training hat, ohne dabei aber die nötige Strenge zu vernachlässigen. Das bringt Elodie alles mit. Sie ist unwahrscheinlich motiviert. Sie ist ein großes Talent und kann zudem ein großes Pensum an Trainings absolvieren. Wir gehen zusammen in die gleiche Richtung, die Motivation ist bei uns beiden voll da und wir wollen alle beide zeigen, was wir können. Es ist einfach nur schön, mit ihr zu trainieren.

Das Interview führte Marie-Paule Thoma

Weiter im Aufwärtstrend?

Auftakt der 16. Hallensaison am Samstag

Während der Sommersaison war ein deutlicher Aufwärtstrend sowohl bei
der Elite als auch in den Jugendklassen zu verzeichnen. Das erste “Lafmeeting” im Dezember lieferte schon erste Hinweise darauf, was die Athleten diese Hallensaison 2018 zeigen könnten.

Etliche Normen für internationale Meisterschaften wurden letztes Jahr während der Hallensaison aufgestellt. Auch dieses Jahr stehen nicht weniger als sechs internationale Events im Angebot, angefangen mit der Hallen-WM in Birmingham. Es folgen dann im Sommer noch weitere fünf internationale Meisterschaften in vier verschiedenen Altersklassen. Für die Hallen-WM in Birmingham hat sich bisher noch kein Leichtathlet qualifiziert. Bob Bertemes peilt indes im Kugelstoßen die Norm von 20,80 m an. Es wird sich nun zeigen, ob der Wechsel nach Mannheim und das Training mit einem neuen Trainer schon so schnell Früchte tragen wird. Für Charel Grethen, der noch eine leichte Sehnenentzündung auskuriert, wird es indes schwer werden, die Norm von 3.39.50 über 1.500 m zu laufen.

Charline Mathias will eigenen Aussagen nach versuchen, sowohl die Norm von 2.02.00 über 800 m als auch die der 1.500 m von 4.11.00 Min. anzupeilen. Alle drei genannten Sportler haben sich schon für die EM in Berlin qualifiziert.

Für die Junioren steht die U20-WM in Tampere im Angebot. Patrizia van der Weken schaffte die Norm für die 100 m schon im Sommer. Ihr Ziel ist es, sich auch für die 200 m (24.20 Sek.) zu empfehlen. Als Nächstes folgt die U18-EM in Györ, wobei sich Lena Kieffer schon für die 800 und 1.500 m qualifizieren konnte. Die Hallensaison wird nun zeigen, ob sich ein weiterer Athlet dazugesellen kann.

Es wird also nicht nur eine interessante Hallensaison aus nationaler Sicht werden, sondern auch im Hinblick auf die internationale Sommersaison.

Am Samstag geht es so richtig los mit dem ersten Regio-Meeting in der Coque. Der Zeitplan und die Teilnehmerliste sind beim Verband unter www.fla.lu einzusehen. MPT

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