Das hohe Verkehrsaufkommen in Kehlen und seinen Nachbardörfern sorgt für Unmut bei den Bewohnern. Lösungen existieren. Nun drängt die Gemeinde auf deren Umsetzung.

Kehlen hat ein Verkehrsproblem. Täglich durchqueren Tausende Fahrzeuge, darunter etliche Schwertransporter, die Gemeinde. Besonders Kehlen und Olm sind davon betroffen. Der Hauptgrund für das hohe Verkehrsaufkommen ist die Gewerbezone zwischen diesen beiden Ortschaften. Dort arbeiten über 1.500 Menschen. „Die Arbeiter kommen morgens mit ihrem Wagen hierher, stellen ihn auf dem Parkplatz ab und steigen dann in ihren Lieferwagen um. Abends dann stellen sie den Lieferwagen auf dem Firmenhof ab und nehmen ihren Wagen wieder, um nach Hause zu fahren. Dazu kommt noch der Schwerverkehr den ganzen Tag über“, beklagt sich Bürgermeister Félix Eischen.

Um die Lage zu verbessern, ist schon seit langem eine Umgehungsstraße im Gespräch. Bislang führten die Diskussionen aber noch zu keinem konkreten Ergebnis. Die Situation werde von Tag zu Tag schlimmer, sagt Eischen. Deshalb wurde nach einer „schnellen Lösung“ gesucht, um die Dorfzentren von Kehlen und Olm zu entlasten: eine etwa einen Kilometer lange Stichstraße, um das Gewerbegebiet in der Nähe der Kläranlage mit dem CR102 (Kehlen-Mamer) zu verbinden. Bei der Machbarkeitsstudie wurden keine Probleme festgestellt. „Die Strecke wurde getestet, überprüft und für gut befunden, von uns und den nationalen Instanzen“, betont Eischen. Die Minister François Bausch (Infrastruktur) und Dan Kersch (Inneres) haben dem Projekt grünes Licht gegeben. 

Umweltministerium stellt sich quer

Alles schien klar zu sein. Warum befindet sich die Stichstraße aber noch nicht im Bau? „Das Umweltministerium hat Zweifel angemeldet“, erklärt der Bürgermeister. Die neue Straße soll nämlich zwischen zwei Naturschutzzonen (“Massif forestier du Ielbesch” und “Vallée de la Mamer et de l’Eisch”) verlaufen. Wird sie gebaut, bestehe keine Verbindung mehr zwischen den zwei Natura-Gebieten, so das Ministerium. Das sei nicht wünschenswert. Eine Studie soll nun mehr Klarheit bringen.

Die Folge: Stillstand. Inzwischen wird die 1969 geschaffene Gewerbezone aber immer größer und mit ihr wächst das Verkehrsaufkommen. Neue Wohnviertel wie Elmen (800 Wohnungen) werden zudem weiteren Verkehr mit sich bringen. „Besonders die Situation in Olm wird immer katastrophaler“, so Eischen. Er macht den Aufruf, schnellstmöglich eine Lösung auszuarbeiten. „Wir sind gewillt, mit dem Umweltministerium über alle notwendigen Kompensationsmaßnahmen zu reden. Wir halten aber am bestehenden Projekt fest.“ Um wieder Bewegung in das Dossier zu bringen, hat der Gemeinderat am 12. Juli dieses Jahres eine Grundsatzentscheidung einstimmig angenommen, in der er alle zuständigen Stellen auffordert, so schnell wie möglich über die Verwirklichung der Stichstraße zu entscheiden. Die Gemeinde hofft, dass das Projekt noch in dieser Legislaturperiode zu Ende gebracht wird.

„Das darf aber nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer mittel- und langfristigen Lösung für die Verkehrslage in der Region sein“, so Eischen. In dem Zusammenhang spiele die Umgehungsstraße eine bedeutende Rolle. In der Zwischenzeit versucht die Gemeinde, den Verkehr durch die Schaffung von 30er-Zonen zu beruhigen. Wie lange das aber noch gut geht, weiß niemand.

Ost oder West?

Beim „Contournement“ scheiden sich die Geister. 1996 verabschiedete der Gemeinderat eine Resolution für die Ausarbeitung eines Konzeptes, um den Verkehr in Kehlen, Meispelt, Keispelt und Olm zu entlasten. Es bestand Konsens, was die Trasse der Umgehungsstraße betrifft. 2011 stellte der damalige Verkehrsminister diese bei einer Infoveranstaltung vor. Die Straße sollte an die A6 angebunden werden und unter anderem an der Biogasanlage und östlich an Keispelt vorbeilaufen. Damals schon war angedacht worden, eine Stichstraße zur Kehlener Gewerbezone zu schaffen. Es wurde eine Trasse ausgearbeitet.  2012 wurde im Parlament eine Motion gestimmt, in der sich die Abgeordneten prinzipiell mit dem Bau einer Umgehungsstraße einverstanden zeigten. Der Kostenpunkt betrug damals 59 Millionen Euro. In Kehlen erhoffte man sich eine rasche Umsetzung. „Danach kam der Regierungswechsel und das Projekt wurde von der Prioritätenliste genommen“, bedauert Félix Eischen. 2014 habe die Regierung zwar eine Alternative zum initialen Projekt vorgestellt. Sie sollte in der Nähe von Nospelt entlangführen. Der Grund für die “andere Variante” waren „zu große Naturschutzprobleme“, wurde erklärt. Der Vorschlag von François Bausch löste aber heftige Kritik bei der lokalen Bevölkerung aus. Die Gemeinde würde gespalten und die Naherholungsgebiete würden dadurch gestört, lauteten die Hauptargumente. Seither sei es still um die Umgehungsstraße geworden. Eine schnelle Verwirklichung des „Contournement“ scheint im Augenblick unmöglich – sehr zum Unmut der Einwohner und Arbeitgeber der Region.

Die Gemeinde macht sich für die Verwirklichung dieser Variante stark

Olm ächzt unter dem Schwerverkehr

13 Kommentare

    • Personne n’a forcé cette commune à construire son nouveau quartier mega hyper archi géant. Construire des routes n’est plus à la mode, les transports en commun sont la seule et unique solution.

  1. Bravo, ein vernünftiger , weitsichtiger Bürgermeister! Da kann man sehen, dass Differdingen, Bissen und Weiswampach nicht die Regel sind, dass es auch anders geht!

    • Weitsichtig? Der Bau von immer neuen Straßen ist weitsichtig? Ich dachte, die Gemeinde würde ein Viertel ohne Autos planen. Wieso dann die Straßen? Völlig falsches Signal! Es zeigt mal wieder, wie wenig Ahnung man bei der CSV hat, die ja bei den letzten Nationalwahlen dutzende Umgehungsstraßen angekündigt hat.

  2. Inzwischen wird die 1969 geschaffene Gewerbezone aber immer größer und mit ihr wächst das Verkehrsaufkommen. Ja wieso das denn, Herr Eischen? Das dies Industriezone denkbar schlecht an die grossen Verkehrsachsen angebunden ist, ist ja definitif keine neue Erkenntnis.

    • Zumal dergleichen Industriezonen, die in manchen Gemeinden ja einfach so wachsen, heutzutage nicht mehr einfach so genehmigt würden, da schlicht und ergreifend zu weit von einer Autobahn bzw. einer Eisenbahntrasse weg.

  3. Maacht Neel matt Käpp. Baut d’Tangeante OUEST esou wi se virgesin war (Verbindung direkt vun der Areler Autobunn op d’Nordautobunn – vun CAPELLEN laanscht OLM, KEHLEN, KEESPELT bis op Miersch/Schendels.) Dann as de RING ronderem d’Staad Letzebuerg endlech faerdeg (daat as di WICHTEGST STROOSS am Land di muss gebaut gin).

  4. @deLuc; Dir gesit dat richteg. Déi eenzeg Méiglechkeet den Problem ze léisen.
    @KTG; Gut dass Dir eeren Numm net bei eer Kommentaren schreiwt. “Transport en commun” fir Transit an Camionen ? Oder?Erklärt eis dat mol! Zillen an Sand mam Bus féieren oder wéi mengt Dir dat?

    • @ Muller Guy, Dir schingt hei de Schoulmeeschter vum Dingscht ze sinn, deen no sengem Gutdünken Nouten ausdeelt. Wou huel Dir Iech eegentlech d’Recht an d’Kompetenz hier fir iwwer Kommentaren ze jugéieren? Jiddfereen kann op dësem Forum seng Meenung fräi an offen zu engem Sujet schreiwen, op dat Iech oder mir gefällt oder nët. Ouni e Minimum vu Respekt an Toleranz kann eis Gesellschaft nët funtionéieren, si sinn d’Piliers’en vun der Demokratie. Deen eenzege Zensor ass d’Redaktioun vum Tageblatt.

  5. Es gibt da so einen Spinner in Amerika, der baut Elektroautos, und Raketen zum Mars..und etwas, das “Hyperloop” genannt wird: Röhren unter der Erde, unter anderem für Autos.
    Wie wäre es denn, wenn im reichen Luxusbuerg, anstatt Umgehunstraßen um Umgehungsstraßen herum zu bauen, bis man nirgens mehr gehen, sondern nur noch umgefahren werden kann, der Warenverkehr parallel zu den bestehenden Um-Um-gehungsstraßen unter der Erde verlaufen würde?
    Eine andere Möglichkeit, ebenfalls inspiriert von u.a. amerikanischen Vorbildern: Brückenkonstruktionen über jedes Dorf, jede Stadt und jeden Wald…ein zweites Luxemburg, eine Luftkonstruktion mit schönen Aussichtspatformen…

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