Ist Glück überhaupt möglich, fragt sich die Autorin Ingrid Lausund. In ihrem Stück „Der Weg zum Glück“ zeigt sie, dass dieser Weg ein sehr steiniger und ein ewiger Kampf ist.

Nehmen wir es gleich vorweg: Es ist eine grandiose Schauspielleistung des jungen Österreichers Florian Hackspiel. Während 90 Minuten zeigt er – auf einer leeren Bühne – den Kampf eines Mannes mit seinen inneren Dämonen, die ihm seinen Weg zum Glück versperren. Was als absurdes Theater beginnt, entpuppt sich mit jeder gespielten Minute als ein nach außen getragener innerer Monolog eines in der Seele Zerrissenen.

Ruhige Momente gibt es im Stück nur sehr wenige. Ständig ist Hackspiel in Bewegung. Er hastet dauernd über die Bühne, doch es ist klar: Mal wird er wird getrieben, mal wird er von seinen Trieben mitgerissen. Und dazwischen der immer wiederkehrende Zwischenruf „Aha! … Bis jetzt läuft’s doch gut“, wobei klar ist, dass nichts gut ist. Sein Körper und seine Triebe führen ihr eigenes Leben. Nach und nach wird klar, die Zwischenrufe und die Dialoge, die er mit sich führt, sind Hilferufe einer kranken Seele, die das Glück, aber vor allem den Weg dorthin sucht.

Der Weg zum Glück (zufällig auch der deutsche Titel eines Lebenshilfe-Buches des Dalai Lama) muss erst mal gefunden werden. Gibt der Dalai Lama eine Anleitung zum Glücklichsein, zeigt die Autorin Ingrid Lausund (bekannt in Deutschland u.a. durch ihre Drehbücher von „Der Tatortreiniger“) jedoch in ihrem Stück, dass gute Vorsätze oft nicht ausreichen. Die eigene Geschichte, Ängste und Wünsche erschweren die Suche und vor allem das Finden eines Weges. Das Kreuz-und-quer-über-die-Bühne-laufen verdeutlicht diese Orientierungslosigkeit des Menschen. Selten erlebten wir einen Schauspieler, dem man seinen inneren Kampf so anmerkte wie Hackspiel. Auch in den wenigen stillen Momenten zeigt er im wahrsten Sinne des Wortes, was in ihm steckt.

Die Verantwortlichen des Kaleidoskop-Theaters bewiesen schon öfters ein glückliches Händchen bei den eingeladenen Gastschauspielern (Wir erinnern uns z.B. an Tim Olrik Stöneberg in „Die Verwandlung“).

Unwürdige Bühne

Mit Florian Hackspiel ist ihnen wieder mal ein Glücksgriff gelungen. Was der 35-jährige Österreicher in einem 90 Minuten langen Fast-non-stop-Monolog auf der Bühne abliefert, ist ganz einfach fabelhaft.

Man muss allerdings an dieser Stelle zum wiederholten Male auf den Theatersaal im Bettemburger Schloss zu sprechen kommen, wo regelmäßig „Perlen vor die Säue“ geworfen werden: Die Qualität, die dort manchmal auf der Bühne geboten wird, steht in keinem auch nur annähernden Verhältnis zu der bescheidenen Qualität des Saals.

Wir sind uns bewusst, dass in Luxemburg kein Überangebot an geeigneten Sälen besteht, doch der „Weg zum Glück“ machte (wieder einmal) deutlich, dass der Ort allenfalls einem Provinztheater eine Bühne bieten kann: zu groß, zu kalt, keine Atmosphäre. Ein solcher Saal ist Schauspielern wie Hackspiel unwürdig; ja es grenzt an Frechheit, sie an diesem Ort auftreten zu lassen.

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