In Luxemburg-Stadt sollen neue Überwachungskameras installiert werden, aber nicht jeder ist damit einverstanden. Kritiker halten die Kameras für nutzlos.

Wenn es um Videoüberwachung geht, sind die Meinungen gespalten. Die einen sind der Ansicht, dass ein aufrechter und anständiger Bürger nichts zu verbergen hat und deshalb gar kein Problem mit Kameras haben dürfte. Die anderen empfinden Kameras als einen übertriebenen Eingriff in ihre Privatsphäre. Dann gibt es jene, die behaupten, Überwachung verringere die Kriminalität, und jene, die sagen, Überwachung sei wirkungslos. Sie verdränge die Kriminalität nur in Stadtteile, die nicht überwacht werden.

Das Thema wird in Zukunft darüber hinaus an Explosivität gewinnen, da künstliche Intelligenz heute schon, bei fortschrittlichen Kamerasystemen, dazu in der Lage ist, Gesichter in den Kameraaufnahmen zu erkennen und zu identifizieren. Mit Kameraüberwachung beschäftigt sich dieser Tage auch die Politik in Luxemburg. Anlass ist eine geplante Ausweitung der Videoüberwachung in Luxemburg-Stadt. Bei einer Informationsveranstaltung in der Hauptstadt hatte der für die Polizei zuständige Minister Etienne Schneider angegeben, die Kameraüberwachung im Bahnhofsviertel werde ausgedehnt. Die Installation würde bald beginnen.

In einer parlamentarischen Anfrage hat die CSV-Fraktion diese Ankündigung aufgegriffen und wollte wissen, welche Fortschritte dabei erzielt werden. Der Ausbau soll in zwei Phasen geschehen. Noch in diesem Herbst soll die Überwachung auf die rue Glesener und die rue Adolphe Fischer ausgedehnt werden. Hier sei schon die nötige Infrastruktur vorhanden, schreibt Etienne Schneider in seiner Antwort an die CSV-Fraktion.

Diesen Monat sollen Gemeindeverwaltung, Polizei und Straßenbauverwaltung gemeinsam einen Plan ausarbeiten, um auch andere Straßen und Plätze mit Kameras zu versehen. Dabei handelt es sich um die place de Strasbourg, die rue 1900, rue du Commerce, rue du Fort Wedell, rue Wilson und die rue des Etats-Unis. Der Zeitplan für die Montage der Kameras müsse sich an diesen Orten natürlich danach richten, wann hier die nötigen Strom- und Glasfaserleitungen gelegt werden. Weitere Kameras sollen, so der Minister, in Bonneweg und in der Fahrradunterführung unter der Adolphe-Brücke installiert werden.

Grüne sind gegen mehr Überwachung 

Die hauptstädtischen Grünen halten das für ein Wahlkampfmanöver. “Obwohl durch die Kameraüberwachung in der Stadt Luxemburg die Kriminalität nicht reduziert wurde, hieß das Comité de prévention communal Ende Juli eine beträchtliche Ausweitung der Kameraüberwachung in den Vierteln Gare und Bonneweg gut”, so die Partei, die zwar in der Regierungkoalition ist, in der Hauptstadt allerdings in der Opposition sitzt. Neben den Orten, die auch der Minister nennt, nennen die Grünen noch die place Léon XIII, rue de Bonnevoie, rue Sigismond, rue des Ardennes, place du Parc in Bonneweg und Royal Hamilius, rue Aldingen, rue de la Poste und die Grand-rue in der Oberstadt.

Die Kameraüberwachung verringere nicht das Problem, sondern verdränge es nur auf andere Stadtviertel – nämlich Wohnviertel –, behaupten die Grünen. Selbst die Polizei sei der Meinung, dass eine Ausweitung lediglich eine Verdrängung der Kriminalität zur Folge habe. Die Grünen stützen sich auf eine Studie*, die auf zahlreiche Probleme mit der Überwachung in Luxemburg hingewiesen hatte. Die Kameraüberwachung führe nicht zu weniger Kriminalität und trage auch nicht dazu bei, dass die Menschen sich sicherer fühlen. Eine sachliche Diskussion müsse sich unbedingt auf ein aktuelles Gutachten stützen, verlangen die Grünen.

Dabei sind Prävention und Überwachung nicht die einzigen Gründe, die genannt werden, um die Ausweitung der Kameraüberwachung zu begründen. Laut Grünen werden “Prävention von Kriminalität und unsozialem Verhalten” sowie “soziale Probleme” genannt. Die Grünen schreiben: “déi gréng Stad Lëtzebuerg sind sich der vielschichtigen und komplexen Probleme (Drogenhandel und -konsum, Prostitution, Betteln, Kriminalität …) sehr bewusst. Den Bürger*innen die Kameraüberwachung allerdings als Lösung zu verkaufen, ist Augenwischerei.” Die Grünen sehen sogar die Freiheitsrechte in Gefahr und fordern “eine konsequente Verbesserung der Sozialarbeit und die Stärkung der sozialen Institutionen sowie eine bessere Zusammenarbeit aller städtischen und nationalen Akteure”.

*Bornewasser, Manfred / Kober, Markus (2011): Gutachten Visupol im Auftrag des Ministers des Inneren und für die Großregion des Großherzogtum Luxemburgs


CV Dazzle

Damit Programme zur Gesichtserkennung nicht funktionieren, hat der in Berlin tätige Künstler Adam Harvey eine Reihe von extravaganten Make-ups und Frisuren entwickelt, die Computer verwirren sollen. Er rät dazu, im Gesicht unnatürliche Kontraste herzustellen und für Asymmetrie zu sorgen, denn die Programme vermessen die Proportionen des Gesichtes. Harvey empfiehlt, die Nasenwurzel zu verstecken, z.B. mit einer Haarsträhne, und eine oder beide Augenregionen teilweise zu verdecken, da diese Bereiche für Computerprogramme ganz besonders interessant seien. Beispiele und Details darüber gibt es auf der Website cvdazzle.com.

27 Kommentare

  1. Kameras stören mich NICHT! Weder bei Banken, noch in Geschäften und auch nicht auf der Strasse! Wer keinen Dreck am Stecken hat kann sich überall sehen lassen !

  2. In Geschäften hängen Schilder ” Smile – Sie werden gefilmt.” Keiner bleibt deswegen draussen.Aber wenn es um Überwachung geht,sprich die eventuelle Chance einen Verbrecher zu schnappen,dann ist man plötzlich dagegen.
    Allgemein gilt : Wenn eine Entscheidung von der Regierung getroffen wird finden sich immer Gegner,auch wenn die Entscheidung einmal gut sein sollte.

  3. @Polo: D’Argument “wer kein Dreck am Steck hat, kann sich überall sehen lassen”, oder “ween naischt ze verstoppen huet, dem as dat alles egal” ass eent wat oft benotzt gëtt, mais et ass leider awer keen gut Argument.
    Fir d’alleréischt benotzt et een ënnerschwellegen Message, dass all déi déi sech géint esou eng Iwwerwachung asetzen jo am Prinzip missten “Dreck am Stecken hunn” (well soss “kéint et hinnen jo egal sinn”, esou wéi d’Argument et suggeréiert). Do benotzt een also een Message “tëschend der Zeil”, an dat ass an engem sachlechen Argumentaire net fair.
    Zweetens, an dat ass wuel dat Wichtegst -> “Et weess een nie wat d’Zukunft bréngt/wat mat den Daten an der Zukunft gemach gëtt”. Zu engem gewëssenen Moment an onser Vergangenheet wor “der jidescher Gemeinschaft ugehéieren” och keen Problem, an dës Daten, déi vum Staat angesammelt goufen, huet een dem Staat och gaeren ginn, “et hat een jo naischt ze verstoppen”. Duerno, X Joer duerno wor een Herr matt Schnauz un der Macht, an deen huet déi daten benotzt, an dat gouf leider villen vunn den Juden zum Verhängnis… Mat dësem Argument insinuéieren ech sëcher net, dass esou een Zenario nees virun der Dier steet, mais, dass d’Thema vunn der (globaler) Iwwerwachung méi komplex ass, an méi gravéierend Konsekuenzen kann hunn, déi AM MOMENT net bekannt kënnen sinn. Deemno kann dës Diskussioun net esou einfach matt “naischt ze verstoppen, also loosst se gewaerden” vum Dësch gestouss ginn.

  4. Et ass schons gelungen, bei face book an Co, do hunn verschidden Leit awer keen Problem domat ëffentlech alles ze weisen wat se hunn, wou se ginn an sinn 😀

  5. Ergänzend kann een dat och nach matt der Art an Weis wéi d’Iwwerwachung an d’Gesichtserkennung an China gelieft gëtt, verbildlechen. Do huet et zwar am Moment nach keng liewensbedrohlech Konsekuenzen, mais, all Mënsch kritt do een sozialen Index. Dësen Index gëtt zesummengesat aus:
    Posts déi een online verfaast huet, Sachen déi een online unklickt/liest/deelt,…, also alles wat d’Meenungsfreiheet ugeet,
    an awer och, dëst Thema betreffend, “wéi een sech an der Gesellschaft behëllt”, an dëst beinhalt net just op een illegal Akten, mais einfach alles wat den politëschen Apparat als “gesellschaftsugepasst” anstuuft (oder “wat net”). d’Konsekuenzen sinn dann “keng Arbëscht kréien, keen Visa kréien, keng Platz fir d’Kanner an Crèchen, asw…
    Also, och do, “ween naischt ze verstoppen huet, sollt net faerten”, mais “naischt ze verstoppen” haengt ëmmer vunn der Perspektiv of déi den Betrachter huet…

    • Es gibt zahlreiche Studien die belegen dass Kameras absolut wirkungslos sind. Besonders die Naivität der Privatleute die ihre Häuser mit billigen IP-Kameras ausstatten kann man nur belächeln. Ausser mehr oder weniger schlechten Fotos von den Einbrechern hat man nichts davon. Das Geld investiert man in eine Alarmanlage anstatt in solches Spielzeug. Spätestens wenn man die Bilder bei der Polizei abliefert begreift man dass die Polizei wegen eines Einbruchs ganz sicher nicht die beträchtlichen Ressourcen und Zeit zur Verfügung stellt, um bei ganz geringer Wahrscheinlichkeit, vielleicht jemanden mit diesen Bildern identifizieren zu können. Ganz abgesehen davon dass man diese Person dann immer noch lokalisieren muss und ihr nachweisen muss dass sie wirklich eine Straftat begangen hat. Absolut aussichtslos.
      Bei schwerwiegenderen Delikten sieht die Situation natürlich anders aus, aber man muss Privatsphäre und ein vermeintliches Mehr an Sicherheit sehr sorgsam abwegen.

      • “Besonders die Naivität der Privatleute die ihre Häuser mit billigen IP-Kameras ausstatten kann man nur belächeln.”

        Ja die fantastisches Details die man auf den SuperHyperauflösenden Kameras der milliardenschweren Banken feststellen kann, die man hier 6-8 Monate nach der Tat veröffentlicht, kann man privat niemals erreichen.

        Mit zusammengekniffenen Augen könnte vielleicht ihre Mutter sie erkennen, aber eher nicht.

        Für so ‘ne Kamera müsste man ja fast 50€ ausgeben oder bei Aliexpress 20€.

    • Schneller erwischt wenn sie Gesicht zeigen. Uns wurde 2-mal auf dem Firmengelände Kupferdraht geklaut, alles unter Aufsicht von Kameras. Was glauben Sie wann die Täter gefasst wurden, nie, beim 2. Mal als ihr gestohlener LKW unglücklicherweise auf der Autobahn nach Strasburg unter der Last zusammenbrach hatte man gehofft. Die Täter laufen wahrscheinlich heute noch frei herum.

  6. Ich fühle mich auf jeden Fall sicherer dort, wo Überwachungskameras sind. Wie viele Ganoven, Vandalen, Schläger sind bereits durch solche Bilder überführt worden. Gut so !

    • “Wie viele Ganoven, Vandalen, Schläger sind bereits durch solche Bilder überführt worden”

      Ja, das wüssten wir alle gern. Haben Sie schon Veröffentlichungen dazu gesehen? Ich nicht.

  7. Kameraen an de Geschäfter, Banken, Autobunnen ok, awer soss nët op den Stroossen. Big brother is watching you wéi an China. Wann dat esou weider gedriwen gët dunn ech awer eng Burka un! 🙂

    • Big brother an wien och emmer wees och alles watt dir sou am Internet macht, kaaft, asw….ären Smartphone gett vun Google an Co. iwerwacht. Wann dir mol verlueren gitt kann Police zesummen matt ärem Provider (natiirlech durch een gerichtlichen Beschloss) är Bewegungen an Openthalter vun deenen letzten Stonnen an Deeg rekonstuéieren….ech wetten wann mir den Navi am Auto benotzen datt op irgendengem Satelit onsen Wee opgezeechent gett….also kennt et och net mei drop un op oder wou Kamera’en instelleiert sinn oder gin.

  8. @Tom Bisenius

    Bei eis an der Cité ginn all Dag 1-3 Alarmanlage lass, heiansdo stonnelaang. D‘Police rifft awer keen. Déi Sue sinn absolut sënnlos verbrannt.

  9. Die Grünen wollen ein aktuelles Gutachten, können Politiker überhaupt noch etwas entscheiden OHNE dass ihnen ein Gutachter alles vorkaut und Ihnen sagt was Sie zu tun haben.Etwas unters Volk gehen und sich anhören was der besorgte Bürger(Wähler) will.Wenn die Kameras nicht jedes Verbrechen verhüten können, werden sie aber dazu beitragen dass die Verbrecher entlarvt werden .Wären auf der Kinnekswiss Kameras installiert könnte man vielleicht auch noch abends durch den Park gehen.

  10. Vill domm Kommentären liesen ech hei. Ech perséinlech sin der Meenung; Mat dem villen “Kretz” den haut am Land doremmer leeft as all Kamera wichteg. Installéiert der souvill wéi et nemmen geet. Vun Esch-Grenz bis op d’Wemperhard. Den gesonden Menschenverstand seet: Merci.

  11. und wieder die ewige Frage : wer hat den Auftrag bekommen, Luxemburger sind richtige Korinthischekacker auf der einen Seite geben sie an wie Graf Koks von der Gasanstalt haben aber nichts, die was haben zeigen nicht, wie schon angemerkt wird alles in Facebook oder Twitter veröffentlicht aber man ist gegen Kameras, jeder will beschützt werden man der Staat dann etwas kommen die Meckerer aus ihren Löchern gekrochen wenn aber bei ihnen etwas passiert sind sie die ersten die Anklage und vorwürfe vom Stapel lassen, egal was gemacht wird es gibt immer pro und kontra keinem kann man es recht machen bis zum Ernstfall dann heißt es ” warum hängt hier denn keine Kamera “. Die Welt und einige Menschen werden immer aggressiver und da ist es doch angebracht wenn der Staat etwas für seine Bürger macht und man ein wenig die Gewißheit hat wir werden geschützt.
    Ich habe auch keine Lust bei jedem außerhäusigen Termin damit rechnen zu müssen das an der nächsten Ecke oder Bank, Post oder großem Platz eine Sprengstoff detoniert und Unschuldige verletzt oder tötet, da die Regierung mittlerweile jeden reinläßt und finanziert kann sie auch Geld für unsere Sicherheit ausgeben das ist sinnvoller als den anderen das Geld in den Rachen zu werden, sonst müßten wir eines Tages bewaffnet einkaufen gehen um sich selber zu schützen das will doch keiner.

    • Mal vom Schreibstiel, der sehr schwer verdaulich ist, abgesehen, ist der Inhalt nicht wirklich richtig. “Eine Wunde in der ein Fremdkörper steckt welcher eine Entzündung und einen Eiterherd verursacht, heilt man auch nicht mit einem Pflaster”… in diesem Kontext bedeutet das, dass das was sie anführen, nämlich, “dass die Leute immer agressiver da-/und auch immer ängstlicher werden”. Jedoch wird das nicht geheilt durch Kameras. Das ist (schlechte) Symptombekämpfung, aber keine Ursachenbekämpfung. Und so geht diese Spirale immer weiter und weiter, ohne dass das “sich wohlfühlen in der Gesellschaft” sich dadurch verbessert. Desweiteren sind die “jeder der hier reinkommt”, oder oben auch “Kretz” genannt, nicht Schuld. So einfach ist es wiederrum nicht. Sie sind auch nur ein Symptom, und ich denke, wären sie in deren Situation/Land, würden sie wohl auch die Flucht ergreifen. Aber naja, das geht anscheinend über den “gesonden Mënschenverstand” eraus, da das alles nicht beim Herrn Muller aufgeführt wurde. Schon Jahrzente in der sozial Psychologie erklärt -> hat man wenig Kohesion/Zusammenhalt in einer Gruppe/Gesellschaft, dann schaff einen gemeinsamen Feind, das hält die Gesellschaft (künstlich) zusammen. Das ist auch das Modell der amerikanischen Gesellschaftsform. Somit wird immer auf die “bösen” “Fremden” gezeigt, aber nicht in den eigenen Rängen aufgemischt. Aber das sprengt jetzt auch hier den Rahmen. Und vielleicht, aber nur vielleicht, ist es auch möglich dass jene die sich hier kritisch gegenüber Kameras äussern, eben nicht alles auf FB und Co. posten… Alles nicht so einfach, wenn man keine pauschalen Aussagen machen kann…

      • erst einmal möchte ich klarstellen das ich weder Rassist noch Ausländerfeindlich bin, es sin och e gepafften Letzeburger, aber man muß sich eben an Regeln halten egal welcher Nationalität man angehört, aber leider ist es so das wenn man bei Gericht ist und mal die Prozesse verfolgt sind es komischer weise meistens Zuwanderer aus verschiedenen Ländern ohne welche zu nennen, sonst bin ich wieder der BÖSE die unter Anklage stehen seien es große oder kleine Delikte, selbstverständlich stehen auch Luxemburger vor Gericht in jedem Land gibt es schwarze Schafe.
        Ich finde Kameras hilfreich, nur meine Meinung, habe eine am bzw. im Haus und sogar im Auto ist offiziell nicht gestattet dient aber der Wahrheitsfindung.
        Jeder kann über Kameras denken wie er will ich finde schon das sie in gewissen Fällen eine abschreckende Wirkung haben. Was mich häufiger aufregt ist das alle immer Contra eingestellt sind und im Schadensfall Reklamieren weil keine Überwachung da war. das ist heute eben so das man erst mal negativ eingestellt ist weil man sich beobachtet fühlt das geht mir genauso die Bevölkerung muß sich eben daran gewöhnen.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here