Mit Bob Jungels, Jempy Drucker und Alex Kirsch sind erstmals seit 2016 wieder drei Luxemburger Fahrer am Start von Paris-Nice. Die “Course au soleil”, die am Sonntag in Saint-Germain-en-Laye startet, wird erst am Schlusswochenende in den schweren Anstiegen im Hinterland von Nice entschieden.

Von unserem Korrespondenten Petz Lahure

Paris-Nice wird 2019 zum 77. Mal ausgetragen. Die Fernfahrt beginnt mit einer flachen Etappe auf einem Rundkurs in Saint-Germain-en-Laye. Es folgen 7 weitere Etappen mit einem Total von 1.207,5 km.

Am Start sind 23 Mannschaften: Ag2r La Mondiale (F), Astana Pro Team (KAZ), Bahrein Merida Pro Cycling Team (BAH), Bora-Hansgrohe (D), CCC Team (PL), Cofidis, Solutions Crédits (F), Deceuninck – Quick Step (B), Delko Marseille Provence (F), Direct Energie (F), EF Education First-Drapac (USA), Groupama-FDJ (F), Lotto Soudal (B), Mitchelton-Scott (AUS), Movistar Team (E), Team Arkea – Samsic (F), Team Dimension Data (AUS), Team Jumbo Visma (NL), Team Katusha-Alpecin (RUS), Team Sky (GB), Team Sunweb (D), Trek – Segafredo (USA), UAE Team Emirates (UAE), Vital Concept – B&B Hotels (F).

Erstmals seit 2016 (Frank Schleck, Laurent Didier, Ben Gastauer) sind wieder drei Luxemburger dabei: Bob Jungels (Deceuninck-Quick Step), Jempy Drucker (Bora-hansgrohe) und Alex Kirsch (Trek-Segafredo).

Erster Sieger im Jahr 1933 war der Belgier Alphonse Schepers, letzter Gewinner der Spanier Marc Soler (2018). Letztes Jahr war mit Jempy Drucker nur ein Luxemburger Fahrer am Start. Er gab wie viele anderen Konkurrenten auf der verregneten Schlussetappe auf.

Rekordsieger ist der Ire Sean Kelly mit sieben Gesamterfolgen hintereinander (1982, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987, 1988).

Beste Gesamtplatzierung eines Luxemburgers: Frank Schleck 2. im Jahr 2009. Bei zwölf Teilnahmen fuhr er fünf-mal unter die Top Ten.

Eddy Merckx ist der Rekord-Etappengewinner. Er überquerte das Ziel 21-mal als Erster.

Freddy Maertens gewann im Jahr 1976 sechs Etappen. Auch das ist Rekord.

Der Luxemburger Radsport ist bei der 77. Auflage von Paris-Nice gut vertreten. Neben dem starken Sprinter Jempy Drucker und dem jungen Alex Kirsch hat das kleine Großherzogtum in der Person von Bob Jungels auch einen Mitfavoriten auf den Gesamtsieg am Start. Das war lange Zeit nicht der Fall. Der letzte einheimische Fahrer, der mit dem Platz auf dem höchsten Treppchen in Nice liebäugeln durfte, hieß Frank Schleck. Er nahm zwölfmal an der “Course au soleil” teil und fuhr dabei fünfmal unter die Top Ten. Sein bestes Resultat erzielte er vor zehn Jahren, als er neben Luis Leon Sanchez als Zweiter aufs Podium stieg. Schleck beendete Paris-Nice u.a. auch auf dem 5., 7., 8. und 9. Rang.

Um seine Ansprüche geltend zu machen, muss sich Bob Jungels vor dem Schlusswochenende in eine gute Position manövrieren. Dazu ist er insbesondere auf der 5. Etappe (Donnerstag, 14. März) in der Lage, wenn in Barbentane ein 25 km langes Zeitfahren auf dem Programm steht. Die Strecke mit dem Anstieg zur Prämonstratenser-Abtei von Frigolet ist anspruchsvoll und kurvenreich, sodass an diesem Tag die Spreu vom Weizen getrennt wird.

Bergankunft auf Col de Turini

Spannend wird es am Schlusswochenende mit der Bergankunft auf dem 1.607 m hohen Col de Turini. Der Anstieg in den Seealpen (14,9 km à 7,3%) ist vor allem von der Rallye Monte Carlo her bekannt. Dreimal (1948, 1950 und 1973) wurde er auch in der Tour de France überquert, doch noch nie fand dort eine Ankunft statt.

Die Schlussetappe ist identisch mit der Strecke von 2018. Météo France sagt für den 17. März schönes Wetter voraus. Vor zwölf Monaten war dies nicht der Fall. Damals setzten die Movistar-Strategen alles auf eine Karte. Sie schickten den späteren Gesamtsieger Marc Soler schon in der “Côte de la Peille”, also über 60 km vor dem Ziel, auf Reisen. Das Risiko lohnte sich, denn zusammen mit seinen spanischen Landsleuten David de la Cruz und Omar Fraile schaffte es Soler im strömenden Regen bis auf den “Quai des Etats-Unis” in Nice.

Zeitweise sah es auf dieser hektischen Etappe, wo vieles drunter und drüber ging, danach aus, als könnte Simon Yates es schaffen, doch im 5 km langen “Col des Quatre Chemins” nahe dem Ziel fehlte es dem Briten an Kraft. Einen kurzen Augenblick lang flirtete auch Gorka Izaguirre mit dem Gesamtsieg, doch stürzte er zusammen mit seinem Bruder Jon in der glitschigen Abfahrt.

Viele Anwärter

Die ersten fünf Fahrer trennten letztes Jahr nur 16 Sekunden. Auch diesmal werden keine großen Abstände erwartet. Vorjahressieger Marc Soler, der u.a. von Nairo Quintana und Winner Anacona unterstützt wird, will seinen Titel verteidigen. Als schärfste Rivalen kommen infrage der Leader des Ag2r-Teams Romain Bardet, der Gewinner von 2017, Sergio Henao Montoya, dessen italienischer Mannschaftsgefährte Fabio Aru, die Kolumbianer Miguel Angel Lopez Moreno, Egan Bernal und Esteban Chaves, der Russe Ilnur Zakarin, die Gebrüder Ion und Gorka Izaguirre, der Belgier Dylan Teuns und … Bob Jungels.

Der Luxemburger Meister ist seit Anfang der Saison (u.a. Etappensieg in Kolumbien und Solo-Triumph in Kuurne) in blendender Form. Er bestreitet Paris-Nice zum dritten Mal. Im Jahr 2014 war er 18., zwölf Monate danach 23. geworden. Seine beiden Landsleute Alex Kirsch und Jempy Drucker haben andere Ziele. Neuling Kirsch wird mit Sicherheit in der einen oder anderen “Echappée” auftauchen, während Drucker seine Spurtschnelligkeit auf den ersten Etappen ausspielen kann.

Für den Bora-hansgrohe-Sprinter ist Paris-Nice kein Neuland. Letztes Jahr war er bis zur Schlussetappe dabei, streckte aber wie viele andere Konkurrenten im strömenden Regen die Waffen. Druckers schärfste Gegner auf den Zielgeraden werden Arnaud Démare, Alexander Kristoff, Marcel Kittel, Sonny Colbrelli, John Degenkolb, Caleb Ewan, André Greipel, Bryan Coquard und Christophe Laporte sein.

“Du beau monde …!

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