60 Millionen Euro gezahlte Steuern waren sein Hauptargument für die Niederlassung des griechischen Joghurtherstellers Fage. Nun hat Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) zugegeben, dass seine Zahl falsch war.

Wirtschaftsminister und LSAP-Spitzenkandidat Etienne Schneider hat in einem Gespräch mit dem Online-Magazin Reporter zugegeben, dass er in den letzten Wochen immer wieder eine falsche Zahl nannte. Die 60 Millionen Euro an Steuereinnahmen, die der griechische Joghurthersteller Fage in den letzten beiden Jahren gezahlt haben soll, “ohne hier einen Becher zu produzieren”, waren sein wichtigstes Argument, um die Niederlassung einer Produktionsfabrik in Bettemburg zu befürworten.

Kürzlich hatte das Online-Magazin allerdings in einer Recherche aufgezeigt, dass die Zahl nicht stimmt. Fage hat laut Rechnungen von Reporter lediglich 450.000 Euro an Steuern gezahlt. Schneider meinte im Gespräch mit dem Magazin, dass ein Mitarbeiter ihm die Zahl genannt und er sie nicht kontrolliert habe. Er hätte die Zahl nicht genutzt, wenn er nicht überzeugt gewesen wäre, dass sie richtig gewesen sei.

Diskussionsstoff im Wahlkampf

Der Joghurthersteller Fage sorgt für Spannung in der Regierung und Diskussionsstoff im Wahlkampf. Im Jahr 2012 verlegte die griechische Firma unter Protest in ihrem Heimatland ihren Sitz nach Luxemburg. Nun will sie auch hier produzieren und in Bettemburg eine Fabrik bauen. Doch nicht alle sind einverstanden: Die Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) kritisierte das Projekt scharf. Auch der Bettemburger Bürgermeister Laurent Zeimet (CSV) zeigte sich alles andere als begeistert.

Das Argument der Gegner: Die Industrie passe wegen ihrer nicht besonders umweltfreundlichen Produktionsweise nicht in die Richtung, in die sich Luxemburg entwickeln wolle. Die Befürworter meinen jedoch, dass die Fabrik viele Jobs schaffen und die lokale Wirtschaft ankurbeln wird. Ob die Fabrik überhaupt entstehen wird, ist im Moment unklar. Fage hat das Grundstück in Bettemburg zwar schon vor zwei Jahren gekauft, das Unternehmen muss allerdings noch viele Umweltfragen klären, bevor es bauen kann.

16 Kommentare

  1. Rechnet man die im CSV Wahlprogramm propagierte Steuersenkung von 26 auf 20%, bleiben noch 346.000 Euro.
    Sind das alle genannten Unannehmlichkeiten wert ?
    Beim Argument Arbeitsplätze für wenig qualifizierte (Grenzgänger?) wäre ich vorsichtig. Mit fortschreitender Automatisierung werden solche Arbeitsplätze verschwinden.

  2. Bei dem Einkommen und den Renten die wir hier in Luxemburg bekommen, hat es doch keinen der nicht involviert ist zu Interessieren ob FAGE hier Steuern zahlt oder nicht und wenn doch in welcher Höhe, dann könnte ja man auch verlangen von jeden ansässigen Unternehmen die Bilanzen zu sehen, ich frage mich wozu das gut sein soll.
    Da die einzelnen nicht bei FAGE angestellt sind hat sie das überhaupt nicht zu interessieren, das einzige was zählt ist das Arbeitsplätze geschaffen werden und das die Gemeinde Gewerbesteuer Einnahmen hat die ihr bestimmt gut zu Gesicht stehen würden und der Staat müßte weniger Zuschüsse an die Gemeinde zahlen.
    Carole Dieschbourg sollte etwas zurückhaltender sein, denn schließlich hat sie € 9.000.000,– ( neunmillionen ) Steuergelder für Schneeleoparden zum Fenster heraus geschmissen. Ich denke doch das Arbeitsplätze in der heutigen Zeit wichtiger sind.

  3. Auch wenns nicht passt, kann man dennoch fragen, warum wir eine Industrie brauchen die jedes Jahr 35 MIO ZUSCHUSS (Tendenz steigend) vom Staat bekommt: Die Filmindustrie in Luxemburg die laut Eigenauskunft der Filmbranche rund 100 Leute in Brot und Arbeit bringt. Aber da haben unsere Politiker wenigstens tolle Bilder (Cannes, lux. Filmpreis)) um sich zur Schu zu stellen.

  4. Hmm, ech froen mech wéi een sech esou stark kann verrechnen: vun 450’000 Euros ob 60 Milliounen kommen. Do breicht ech engem schlauen Lieser seng Hëllef, well fir esou eng stark Falschrechnung fannen ech just 2 Erklärungen: A. absolut an total Inkompetenz an keen Zuelenverständnis, an dann muss déi Persoun op sengem Posten ersat ginn, oder, B. et ass eng ganz einfach, iwwerdriwwen an respektlos Liggen, vis-à-vis vum Steierzueleer, also och deen deen dem Mënsch seng Pai bezillt… Mais gut, muer schwätzt jo keen méi driwwer, an déi nächst Woch ass et nees vergiess, bis deen nächsten “Bulenskandal” optaucht, deen méi Medienespace an Entsetzen kritt…

  5. Wéi d’Kronospan hei an d’Land komm ass, do huet och en Minister vun villen, villen Arbechstplaatzen (ech mengen et waren der 1500 oder 2000 geschwaat, déi hei geschaafen giffen gin.
    Mon oeil!!!!!!

    • Ganz guter Einwand ! Da hätte doch gleich ein Aufschrei folgen müssen. Irren ist menschlich, aber so daneben hauen…??? Hoffentlich war diese Wissenslücke eine Ausnahme. Nicht, dass er bei den Weltraumplänen sich auch um das 130- fache geirrt hat.

  6. Ein schlecht informierter Minister, der mit falschen Zahlen um sich wirft. Schneider muss aufpassen, dass er nicht über einen Becher Joghurt stolpert, während er den Blick durchs Weltall schweifen lässt!

  7. Dat as e kléngen Fehler deen all Mensch kann vierkommen…
    Et geif mech trotzdem intresséiren, wou dei Zuel hier kënnt, 60 Milliounen ?!
    All Ierrtum huet en “lien” mat eppes.
    Kann et sinn ( oder leien ech do total falsch )
    dat dat reng weltweit Steiererpuernisser sinn,
    vun der Firma FAGE aus dem Joer 2016 oder 2017 ?

  8. mich würde mal interessieren wie es möglich ist dass man 450.000 EUR an Steuern einnimmt ohne etwas zu produzieren.(Die 60 Millionen waren wohl der zu versteuernde Gewinn(, und im Wirtschaftsministerium haben die hohen Beamte sich mal um einige Nullen geirrt , oder es wahren “Unterseeboote, die dem scheidenden Minister noch schnell eine auswischen wollten . Aber die Frage bei Fage ist doch warum wurden diese Steuern überhaut fällig wenn nichts produziert wurde . 2 mögliche Antworten : 1) Fage hatte hier eine FinanzZocker Firma , die mit gewagten Geldgeschäften viel Geld verdiente , oder aber ( was viel wahrscheinlicher ist ) hier eine Briefkastenfirma , die die Gewinne der Produktionslagen von FAGE in Luxemburg abschöpfte . Und das ist bei einer griechischen nun aber besonders verwerflich . Diese 450.000 hätten der maroden Steuereinnahme-Situation ( die auf Anordnung der EU und der Weltbank Millionen von Menschen in die Armut trieb ) wohl besser getan , als die fetten Luxemburger Reserven noch zu vergrössern , damit Beispiel den Staatsbeamten völlig unnötige Gehaltserhöhungen zu gestanden werden konnten

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here