Es war bislang eine ganz besondere Erfolgsgeschichte: Trainer Jeff Saibene wurde am 20. März 2017 von der Arminia engagiert, mit dem Ziel, einen Abstieg in die dritte Bundesliga zu verhindern. Ein Jahr später durfte in Bielefeld schon wochenlang vom möglichen Aufstieg in die Beletage geträumt werden. Vor dem Auftakt der nun anstehenden Saison nahm sich der Luxemburger Coach die Zeit, auf die Zielsetzungen nach einem Platz vier aus dem Vorjahr, die Neuzugänge und die Beziehungen zum HSV einzugehen – und trat dabei fest auf die Euphoriebremse.

Mit einem beachtlichen vierten Platz, einem vereinseigenen Rekordjahr für Torjäger Fabian Klos (113 Tore für Bielefeld) und vielen neuen DSC-Fans endete im Mai für Arminia-Trainer Jeff Saibene eine Saison geprägt von etlichen Höhenpunkten und Euphorie. Ein Jahr nachdem er den Verein vor dem Abstieg gerettet hatte, folgte ein Höhenflug. Bis zum Schluss der Saison spielte der Verein oben mit. Die finanzielle Sanierung kam durch zusätzliche TV-Einnahmen ins Rollen, dem sportlichen Erfolg sei Dank. Der erforderliche Stadionverkauf ist hingegen noch nicht vollzogen.

Doch schon bevor die Saison 2018/19 überhaupt begonnen hat, wollte der 49-Jährige die hohen Erwartungen dämpfen. Auch aus diesem Grund schätzt man den “Grafen von Luxemburg” für seine Ehrlichkeit und das effiziente Arbeiten mit der Mannschaft auf der “Alm”.

Tageblatt: Am Sonntag beginnt für Arminia Bielefeld die neue Saison. Wie groß ist die Vorfreude und gibt es noch Dinge, die Ihnen Sorgen bereiten?
Jeff Saibene: Alle sind fit, wir haben keine Verletzten zu beklagen. Deshalb ist die Stimmung auch gut. Das einzige Problem, das ich derzeit habe, ist die Qual der Wahl. Der Kader ist breit und ich muss die richtigen Entscheidungen treffen. Entscheidend wird der Eindruck der letzten Trainingseinheiten sein.

Welchen Eindruck haben Sie von der Vorbereitung und den letzten Testspielen?
Ich lege nicht allzu viel Wert auf Testspiele und deren Resultate. Es geht dabei ja auch eher darum, die verschiedenen Spieler zu beobachten. In unserem Verein sind fast alle Positionen doppelt besetzt. Das wichtigste Testspiel, wenn man das so sagen kann, gegen Werder Bremen haben wir am letzten Sonntag knapp 0:1 verloren. Aber wie gesagt, das ist alles unwichtig. Wir müssen am Sonntag gegen Heidenheim punkten …

Bevor wir zum Auftaktspiel kommen: Welches Ziel peilt die Arminia in der kommenden Saison an?
Einen Platz unter den ersten zehn. Die zweite Bundesliga ist ungemein schwer geworden. Es sind Traditionsvereine wie der 1. FC Köln oder der HSV dazugekommen, Ingolstadt oder Union Berlin haben ebenfalls große finanzielle Mittel. Es ist davon auszugehen, dass die beiden angesprochenen Absteiger sich gleich absetzen werden, aber dahinter gestaltet sich das wohl sehr ausgeglichen.

Durch den vierten Platz aus dem Vorjahr sind die Erwartungen bei den Fans wahrscheinlich gestiegen…
Es ist normal, dass die Erwartungen hoch sind. Aber, und das gefällt mir hier sehr, die Leute sind realistisch. Wir haben das letzte Jahr mit einem super Resultat abgeschlossen, zudem gab es einen vereinseigenen Zuschauerrekord. Durch die zusätzlichen Einnahmen ist der Verein außerdem auf dem Weg, finanziell saniert zu werden. Es war also sozusagen ein Erfolgsjahr. Aber das Ziel ist eben trotzdem, die Saison diesmal unter den ersten zehn zu beenden. Der Auftakt wird für uns schon sehr schwer werden.

Mit Konstantin Kerschbaumer hat ein wichtiger Mann den Verein verlassen, Florian Dick bekam keinen neuen Vertrag. Worum ging es dem Verein in dieser Transferperiode, auf welchen Positionen hat man sich verstärkt?
Es ging vor allem darum, besser in der Breite aufgestellt zu sein. Aus Kaiserslautern kommt z.B. Nils Seufert und aus Ingolstadt Max Christiansen (beide 21 Jahre alt). Bei Sven Schipplock ist das etwas anders, er kommt vom HSV und wird uns mit seiner Bundesliga-Erfahrung weiterhelfen. Ich habe schon immer gerne mit jungen Spielern gearbeitet, sie gefordert und weiterentwickelt, um sie später dann an andere Vereine verkaufen zu können. Aber das geht eben nur, wenn diese Jungs auch das nötige Talent haben, um dieses Ziel zu erreichen.

Mit dem Hamburger SV bekommen Sie es in diesem Jahr mit einem Gegner zu tun, der Ihnen besonders am Herzen liegt?
Das stimmt, es war eben der erste Verein, den ich als kleiner Junge bewundert habe. Das waren damals die Zeiten von Kevin Keegan. Es war auch der erste Bundesligaverein, den ich im Stadion gesehen habe. Die Arminia pflegt eine große Fanfreundschaft mit dem HSV, und das Hinspiel ist schon fast ausverkauft. Ich hätte mir damals wohl nie erträumt, irgendwann mal als Trainer gegen diesen Verein zu spielen … Das wird wohl ein Highlight in meiner Trainerkarriere werden. Der HSV-Abstieg war auch hier ein Thema, immerhin sind es nur zwei Stunden Entfernung. Ich bin überzeugt, dass dieser Neuaufbau ihnen guttun wird.

Ehe es am 27. August zum Duell gegen den HSV kommt, wartet das schwere Auswärtsspiel in Heidenheim. Wie schätzen Sie den Auftaktgegner ein?
Das ist eines der vielen Spiele der kommenden Saison, bei denen die Chancen 50 zu 50 stehen. Es wird über den Kampf gehen, und wir müssen diesen Fight gleich annehmen. Sonst droht es nämlich eine Partie zu werden, die vorbei ist, bevor sie angefangen hat. Zumindest haben wir damit aber auch schon eines der schwersten Auswärtsspiele hinter uns. Letztes Jahr haben wir aus den ersten vier Spielen zehn Punkte geholt und die Euphorie war groß. Das heißt nicht, dass wir diesmal in Angst verfallen werden, wenn das nicht mehr der Fall wäre. Angst ist das Schlimmste, was einem passieren kann.

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