Neuaufteilung der Jagdlose, Fuchsjagdverbot, Rückkehr des Wolfes: Am morgigen Sonntag findet in Walferdingen die diesjährige Generalversammlung der “Fédération St-Hubert des chasseurs du Grand-Duché de Luxembourg” (FSHCL) statt. Das Tageblatt unterhielt sich im Vorfeld mit Präsident Dr. Georges Jacobs über die aktuelle Situation des luxemburgischen Jagdwesens.

Tageblatt: Wie kamen Sie selbst eigentlich zur Jagd?
Dr. Georges Jacobs: Mein Vater war bereits Jäger, so dass ich schon als fünfjähriges Kind erstmals mitdurfte. Etwas später konnte ich schon als Treiber mitmachen. Für mich gehörte seit jeher die Jagd einfach zum Landleben dazu. In Gegenden Finnlands, Norwegens, Schwedens oder Kanadas ist es auch heutzutage noch normal, dass mehr als die Hälfte der Einwohner aktive Jäger sind. In unseren Regionen, wo die meisten Menschen in Städten leben, ist dies natürlich nicht der Fall. Und viele können sich so auch nicht vorstellen, dass man als Jäger großen Respekt vor den Tieren hat.

Kurz bevor Sie Ihr Amt als Präsident der FSHCL antraten, war in der Abgeordentenkammer das neue Jagdgesetz gutgeheißen worden. Ein Gesetz, das Ihnen nicht gefiel.
Das stimmt. Eine meiner ersten Initiativen als Präsident bestand denn auch darin, eine Demonstration gegen dieses Gesetz zu organisieren. Es gab eine ganze Reihe von Passagen, die uns als Jäger störten. Ich habe u.a. stundenlang mit dem damaligen Minister Marco Schank über eine Textzeile diskutiert: Im Gesetz steht “La chasse doit être exécutée dans l’intérêt général”. Ich hätte gerne gehabt, dass dies in “La chasse est d’intérêt général” abgeändert wird. Dies hätte die Rolle der Jagd im gesamten Ökosystem hervorgehoben. Mein Wunsch danach, der Jagd somit einen höheren Stellenwert einzuräumen, blieb leider unerhört, was ich bis heute bedauere.

Das neue Jagdgesetz sieht ebenfalls eine Neuaufteilung der Jagdlose vor. Wie weit ist diese inzwischen fortgeschritten und wie stehen die Betroffenen dazu?
Diese Neuaufteilung, die 2021 in Kraft treten soll, sorgt für eine große Verunsicherung. Die derzeitigen Jagdlose bestehen seit langer Zeit, die Jäger kennen sich hier genauestens aus, viele haben hier auch eine “Juegdbud” stehen. Im Gesetz steht hierzu beispielsweise, dass, wenn diese Bauten nicht mehr zu ihrem bisherigen Jagdlos gehörten, sie abgerissen oder dem neuen Losbesitzer zum Verkauf angeboten werden müssten. Leider hat die “Administration de la nature et des forêts” die Betroffenen, also Jäger, Jagdsyndikate und auch die Bauern nicht zu Rate gezogen, als es darum ging, diese neuen Grenzen zu ziehen. Und noch weiß niemand der Betroffenen, wie diese Grenzen verlaufen. Bis Ende dieses Jahres soll dies jedoch der Fall sein. Auf jeden Fall herrscht derzeit darüber eine große Unruhe unter den Jägern und dieses Thema wird am Sonntag auch einer der Hauptpunkte unserer Generalversammlung sein.

Seit 2015 besteht in Luxemburg ein Verbot der Fuchsjagd. Die FSHCL hatte sich am Anfang sehr negativ gegenüber diesem Verbot gezeigt. Wie sieht es inzwischen aus?
Wir haben uns in den vergangenen paar Jahren eigentlich nicht mehr zu diesem Verbot geäußert. Dies liegt daran, dass jedes Mal, wenn wir ein Argument gegen dieses Verbot hervorbrachten, dieses nicht verstanden wurde. Man warf uns vor, den Fuchs lediglich als Zielscheibe anzusehen, die Fuchsjagd als Aktivität, die uns Freude machen würde. Inzwischen hat sich die Fuchsbevölkerung, gespürt, um den Faktor 5 erhöht. Immer häufiger tauchen Füchse in Wohngebieten auf. Und in ländlichen Gegenden ist es fast zur Unmöglichkeit geworden, Geflügel im Freien zu halten. Ich bekomme regelmäßig Anrufe von Menschen, deren Vieh – selbst Schafe – von Füchsen gerissen wurden.
Es ist auch so, dass der politische Druck in letzter Zeit so groß wurde, dass trotz des Verbotes staatlich verordnet wurde, verschiedene Füchse durch den Förster schießen zu lassen.

Gab es seit Inkrafttretens des Verbotes denn auch bereits Probleme wegen des Fuchsbandwurms?
Ja! Bei mir haben sich in der rezenten Vergangenheit eine ganze Reihe von Hundebesitzern gemeldet, deren Tiere am Fuchsbandwurmbefall eingegangen sind. Es ist nicht nur so, dass der Hund lediglich als Überträger dieses Bandwurms fungiert, er kann auch selbst davon befallen werden und seine inneren Organe werden dann durch den Parasiten zersetzt.
Ich will nicht mit Zahlen jonglieren, aber es gibt mehr als eine Handvoll solcher Fälle in den vergangenen beiden Jahren. Auch Menschen können vom Fuchsbandwurm betroffen sein, doch liegt die Inkubationszeit hier bei zehn Jahren. Ich weiß nicht, ob ich auf Dauer noch den Leuten empfehlen kann, ihre Hunde frei im Garten laufen zu lassen. Das Risiko, dass Hunde dort Fuchskot – den sie lieben – vorfinden, wächst stetig. Ich bedauere auch, dass es in Luxemburg noch nie zu einer Zählung des Fuchsbestandes kam. Ich sehe das Verbot der Fuchsjagd durch die aktuelle Regierung denn auch eher als etwas Ideologisches an. Man möchte sich nach außen als Tierfreund darstellen. Ein rein politisches Kalkül! Für mich hat das Verbot der Fuchsjagd keine Zukunft.

Neben dem Fuchs machte in der rezenten Vergangenheit ein anderes wilde Tier von sich reden: Der Wolf scheint in unsere Gegenden zurückzukehren. Haben Sie diesbezüglich bereits Erfahrungen machen können?
Freunde von mir haben den Wolf, der im Raum Fouhren ein Schaf gerissen hat, bereits gesehen. Es handelt sich um ein junges, männliches Tier, das relativ wenig Scheu vor den Menschen hat und bis auf 30 Meter an sie heran kam. Wir als FSHCL haben schon lange, bevor der erste Wolf auftauchte, einen entsprechenden Managementplan vorgelegt. Wir haben die staatlichen Instanzen schon vor langem darauf hingewiesen, dass eine Rückkehr des Wolfes unausbleiblich sei. Wir sehen den Wolf nicht als Jagd-Konkurrenten, wir sind für Biodiversität und Artenvielfalt, und wenn der Wolf kommt, dann soll er kommen. Allerdings stellt diese Rückkehr viele – unter anderem die Landwirte, aber auch die Jäger, deren Hunde im Wald frei herumlaufen – vor eine Reihe neuer Probleme. Wölfe fressen liebend gerne Füchse. Und machen dabei bei Hunden keinen Unterschied. Aus Deutschland sind bereits etliche solcher Fälle bekannt. Ich bin skeptisch hinsichtlich der Möglichkeit, in unseren dicht besiedelten Gegenden eine überlebensfähige Wolfbevölkerung zu erhalten, ohne dass es zu massiven Problemen kommt. Biodiversität darf kein Selbstzweck sein. Das Kriterium muss immer das Allgemeinwohl des Menschen sein.

Apropos “Allgemeinwohl des Menschen”: Vor zwei Jahren kam es in Fentingen zu einem Jagdunfall, bei dem eine junge Frau schwer verletzt wurde. Wie hat die FSHCL darauf reagiert?
Soweit ich weiß, sind in diesem Fall noch nicht alle Untersuchungen abgeschlossen. Wir haben als Föderation inzwischen eine umfassende Sicherheitsaktion gestartet, um derartige Unfälle weitestgehend ausschließen zu können. Wir haben Flyer herausgegeben, wir bieten spezielle Kurse an, wir haben neue Sicherheitsregeln herausgegeben. Wenn alles beachtet wird, dann ist das Risiko eines Unfalls winzig. Allerdings kann er niemals ganz ausgeschlossen werden. Der Mensch ist eben nicht perfekt.

6 Kommentare

  1. Herr Doktor mag sich drehen und wenden wie er will: Jagd ist nichts anderes als Tiere aus Spass an der Freud zu töten. Seine hanebüchenen Rechtfertigungen glaubt er doch selber nicht

    Die Argumente pro Jagd sind so glaubwürdig wie diejenigen der NRA pro Schusswaffen. Und seine Freunde haben in Fouhren den Wolf gesehen- so wie manchmal Schotten spätabends Nessie sehen ?

    • Maphisto… Sehr geistreich, hätten sie nur die leiseste Ahnung von was sie sprechen, könnte man ihnen das glatt abkaufen. Wenn sie modernen Wildtierschutz nicht verstehen, sollten sie villeicht mal eine FSHCL Veranstaltung besuchen. Viel spaaß dann noch mit ihrer Familie im Wald und mit dem schön in Plastik abgepacktem “bifteck” aus dem Cactus.

  2. Wann de Fuuss net méi geschoss gëtt an de Wollef erëmkënnt, da brauche mer jo am Fong geholl keng Jeeër méi.
    Si hunn eis jo dekadelaang gezielt, si géifen dem Wollef seng Aarbecht maachen a just déi krank, al Déiere schéissen.

  3. Florent: mier missten dann puer Honnert Wöllef hei laafen hun fier eisen Wëldbestand esou ze reguleieren wei et viergesin as – daat as jo reng Utopie. Eischter friessen Wöllef eis Notzdéieren wei en Wëldschwain. Mee wann een seng Sachen an den Supermarché akaafen geet as déi Thematik just man vill Meenung an weineg Ahnung geseent.

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