Seit jeher herrscht zwischen Jägern und grünen Politikern ideologische Dissonanz, die in der Vergangenheit immer wieder zum Schlagabtausch zwischen den beiden Parteien führte. Auf der Generalversammlung des Luxemburger Jagdverbandes FSHCL am Sonntag ließ der auf beiden Seiten geäußerte Wunsch nach gegenseitigem Respekt und friedlicher Zusammenarbeit zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer aufleuchten, dass man nun endlich das Kriegsbeil begraben und an einem Strang ziehen wolle. Am Ende war die Ernsthaftigkeit dieser Formulierungen jedoch fragwürdig.

Von unserem Korrespondenten Steve Peffer

„Die Dame hat keinen Respekt. Luxemburg hat bessere Politiker verdient“, so kommentierte FSHCL-Präsident Georges Jacobs die Ansprache der Umweltministerin Carole Dieschbourg zum Abschluss des Nationalkongresses des Hubertusverbands in Ettelbrück. Hintergrund dieser Bemerkung war die kurzfristige Entlassung Jacobs’ als Kursleiter der Jagdscheinanwärter.

Systematische Diskriminierung

Ohne Erklärung seitens der Ministerin wurde ihm im Dezember letzten Jahres, nur wenige Tage vor Kursbeginn, per Post mitgeteilt, dass ihm das Lehramt entzogen und auf eine andere Person übertragen werde. Sechs Wochen danach folgte schließlich die Begründung per Brief: Er verfüge nicht über die nötigen Kompetenzen für diesen Posten und man wolle die Frauenquote bei den Ausbildern erhöhen.

Jacobs war sechs Jahre lang als Lehrbeauftragter im Jagdscheinunterricht tätig. Fünf Monate vor seiner plötzlichen Entlassung wurde er noch von Carole Dieschbourg persönlich dazu ernannt. Seine harsche Wortwahl widerspricht allerdings seiner kurz zuvor gemachten Aussage, dass man sich nicht von seinen Emotionen leiten lassen, sondern mit Verstand und Besonnenheit handeln sollte. Diese Worte galten den Jagdkritikern aus der Presse, der Politik und der Bevölkerung, die er der „systematischen Diskriminierung“ beschuldigte.

Viele seiner Verbandskollegen würden sich inzwischen für ihre Leidenschaft schämen und sich aus Angst um ihren Ruf nicht mehr öffentlich zur Jagd bekennen. Er ermutigte die anwesenden Jäger dazu, „aus ihren Löchern zu kriechen“ und durch „einwandfreies Benehmen“ der Jagd zu einem besseren Image zu verhelfen. Hinzufügend schlug er vor, gemeinsam mit anderen europäischen Verbänden einen Antrag an die Unesco zu stellen, die Wildschweinjagd zum Weltkulturerbe anerkennen zu lassen.

„Bei Schweinepest vorbildlich gehandelt“

Aufgrund der herannahenden Afrikanischen Schweinepest sowie der bevorstehenden Neuaufteilung der Jagdlose war es nicht verwunderlich, dass eben jene Themen zum Hauptgang der Versammlung gehörten. In diesem Rahmen bedauerte die FSHCL, dass ihre Vertreter trotz ihrer Kenntnis und Erfahrung erst im letzten Moment oder sogar überhaupt nicht an bedeutenden Entscheidungen teilhaben durften und selbst die Beanstandungen des „Conseil supérieur de la chasse“ zu den Maßnahmen gegen die Seuche einfach ignoriert wurden.

Landwirtschaftsminister Romain Schneider dagegen meinte, dass Luxemburgs Entscheidungsträger in Sachen Schweinepest vorbildlich gehandelt hätten und sogar von einem Experten der EU gelobt wurden. Bislang sind die Wild- und Hausschweine in Luxemburg von dem Virus verschont geblieben und man arbeite weiterhin daran, dass dies so bleibt. Hier erhoffte sich Schneider die Kooperation der Jäger.

Carole Dieschbourg trat anschließend vor das Rednerpult und betonte ihrerseits die Rolle der Weidmänner als Naturschützer und verwies dabei auf den kürzlich veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen über das massive Artensterben, das eine noch viel größere Bedrohung als die Afrikanische Schweinepest darstellt. „Lasst uns neu anfangen und gemeinsam gegen den Verlust der Artenvielfalt vorgehen“, lautete ihre Aufforderung an die Jägerschaft. Ob Jäger und Politiker angesichts der bedrohten Biodiversität tatsächlich ihren Zwist überwinden, bleibt abzuwarten.

28 Kommentare

  1. Ech gin der Madame Dieschbourg vollkommen recht.Leider ass bei den Jéer keng Ethik mei ze fannen.Dofir get et schwe’er,fir se beim Artenschutz ze mobilise’eren.

  2. Ich bin zutiefst beunruhigt, dass jemand der so unbeherrscht auftritt wie der Präsident der FSHCL mit einer Waffe in der Natur rumlaufen darf. Seine Aussagen gegen die Ministerin beweisen, dass er sich nicht unter Kontrolle hat.

    • Mephisto: Schön, dass Sie mal wieder so schön theatralisch einen Grund gefunden haben, “zutiefst beunruhigt” über andere Leute zu sein. Die offensichtliche Inkompetenz einer Ministerin und die ideologische Verbohrtheit einer ganzen staatlichen Verwaltung scheint Sie hingegen kalt zu lassen. Aber gut, jeder hat halt seine Prioritäten…

  3. Als Jeer sin ech dofir dass bei den nächsten Juechtverpachtungen, mir Jeer nött méi mat machen! Esou lang wéi mir an der Öffentlechkeet diskriminéiert gin an vun den Grengen an der Piratenpartei benotzt gin vir Wielerstömmen ze generéieren sollen mir eis zereck halen! Wann sie hier Juechtlousen nött méi verpacht kréien, an eescht Problemer optauchen, am Verkéier, an den Dierfer an Stiedt wou en beemol d‘Wöllschwein sech et an den Viirgärtecher gemütlech machen an d‘Poubellen raumen kommen, dan mierken sie virwat mir hieren Respeckt verdengt hun. Mir gin momentan esou diskriminéiert an kréien öffentlech Frechheeten gemach, daten mir besser hun eis zereck ze zéien an ze waarden bis sie eis op den Knéien nogerutscht kommen fir gehollef ze kréien! An virun allem muss déi populistesch an hier Grenzen zereck gesat gin! Den öffentlechen Konflikt mat den Jeer nötzt ongemeng der Grenger Partei fir Stömmen an den bevirstehenden Europawahlen ze erhaschen!

  4. Ich habe immer gedacht das wenn junge Politiker an die Macht kommen würde sich was zum besseren ändern, wie man sich doch täuschen kann.
    Unsere Regierung ist ein Haufen inkompetenter Witzfiguren, diese Leute wären besser bei dem geblieben was sie mal gelernt haben, nicht einer von denen hat Politikwissenschaft studiert, diese Menschen haben Ämter inne von denen sie nichts verstehen aber und belehren und bevormunden wollen.
    Minister sollten aus den Berufen kommen die sie für diesen Job prädestinieren z.B Verteidigungsminister = Militärabsolvent, Gesundheitsminister = qualifizierter Arzt usw. usw., wenn ich sehe welche Menschen hier manche Ministerposten bekleiden wird mir Angst und Bange, wenn die ihre Referendare nicht hätten könnten die alle einpacken
    @jeff sie scheinen auch jemand zu sein der alle Annehmlichkeiten haben will aber keinen Fortschritt : Strom aber kein AKW, Wildschweinebraten aber keine Jagden und zum Thema Artenschutz kann ich nur sagen dann soll die Regierung aufhören Baugenehmigungen zu erteilen wo Wälder und Buschwerk gerodet werden, aber da ist die Geldgier nach Steuereinnahmen größer als der Verstand.

      • @rene reichling
        Qualifikation dieses Wort darf man bei unserer Regierung nicht verwenden geschweige denn in den Mund nehmen.
        Haben sie mal Debatten in der Chambre des Députés gehört keiner der Redner ist im Stande einen Satz zu Ende zu bringen mittendrin fangen sie einen neuen an weil sie nicht richtig Artikulieren können, jeder Sechstklässler spricht fließender, und solche Menschen wollen bzw. sollen die Geschicke unseres Landes lenken und in der Welt repräsentieren, na denn Prost Mahlzeit.

    • Absolut 100% richteg Laird Glenmore! Eis Regierung ass inkompetent an deene meeschten Beréicher. Mee e Land kritt ëmmer nëmmen déi Politiker déi se gewielt hun an dat sin bei ons leider Drâmdäntzer.

        • Leider, aber ich bin der Meinung man sollte es so halten wie in der freien Wirtschaft wer Mist baut muß gehen und nicht zum Dank in eine andere Abteilung oder nach Brüssel geschickt werden.

  5. Die Jagd ist ein Urinstinkt zum Überleben gewesen auch wenn er heute nicht mehr so stark sein müsste, kann man das aber nicht beanstanden.

  6. @Le républicain
    Urinstinkte zum Überleben, Leben und Vergnügen gibt es seid tausenden von Jahren wie sie richtig erwähnen die Jagd, Essen, Trinken und das sexuelle begehren, aber es gibt einige Weltverbesserer die alles ändern wollen und uns mündigen Bürgern vorschreiben wollen was wir zu machen haben, ich denke das bei diesen Menschen in der Kindheit einiges schiefgelaufen ist und jetzt versuchen sie ihren Frust in der Öffentlichkeit abzubauen.
    Jagen = Wildbestand regulieren plus Verzehr
    Essen = um dem Körper seine Mineralien zuzuführen
    Trinken = um nicht auszutrocknen
    Sexuell ( Bordell ) = dient dem Vergnügen und der körperlichen Entspannung, Kirche sollte sich vom Zölibat lösen, dann würden nicht so viele Mißbraucht werden, Sexetablisments sollte gesetzlich geschützt und gefördert werden dann hätten wir auch nicht so viele Vergewaltigungen, aber das geht alle diesen Möchtegern Verbesserern nicht in den Kopf. Schade.

      • wir haben soweit ich weiß Meinungsfreiheit, sie können meine Kommentare ja überspringen keiner zwingt sie zum lesen.
        Wenn ich manchmal ihre Kommentare lese sollten sie sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

  7. Den Här Jacobs huet schon esou géint den Staatsekretär Camille Gira polemiséiert an sech am Toun vergraff. Do ass d’Ministesch Dieschbourg jo richteg ze bewonneren wéi roueg sie, zBp. gëscht owend am Interview op rtl-telé blouf, an emmer erem gesoot huet d’Diren fir e Gespréich wäre bei hir nach emmer op. A wann een dann haut am wort liest firwatt den Här Jacobs nët méi soll jonk Jeeër ausbilden, da versteet een der Madame Dieschbourg, an hirer Functioun als zoustänneg Ministesch, hir Décisioun nemmen zë gudd.

  8. Nach den Erklärungen der Ministerin auf RTL und der Riposte Jacobs stellt sich für mich die Grundsatzfrage:

    Wird unser Land regiert von der Regierung , vertreten durch ihre Minister, oder von der FSHCL, vertreten durch ihren Präsidenten Jacobs und ihren Pressesprecher Piiri Morn aus Huldang ?

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