Die Escher Alzette-Straße hat sich in den letzten 40 Jahren immer wieder verändert. Unzählige Läden haben geschlossen und andere wiederum eröffnet. Eine Konstante gibt es jedoch bis heute: Die Kleiderboutique “Italianstyle” der Familie Grilli – ein waschechter Familienbetrieb in zweiter Generation.

Von außen sieht der italienische Modeladen eher unscheinbar aus. Auf einer grauen Anzeigetafel steht in weißen Buchstaben “Boutique Italianstyle” geschrieben. Links und rechts neben dem Eingang zeigen Schaufenster die neueste Kollektion. Beim Betreten wird der Kunde sofort mit einem freundlichen Lächeln von Ladenbesitzerin Anita Grilli begrüßt. Sie sitzt am kleinen Büro an der Kasse – das, obwohl sie eigentlich längst in Rente ist.

“Ich bin einfach schon ewig hier. Ich wüsste gar nicht, was ich anderes machen soll”, sagt die ruhige Rentnerin, die aufgrund des zeitintensiven Jobs nie andere Hobbys hatte. “Meine Eltern können nicht loslassen”, stellt Lara, die Tochter, klar. Sie reisen auch noch immer mit ins Ausland, um die neuen Kollektionen auszuwählen: “Am Mittwoch fahre ich mit meiner Mutter nach Brüssel und Antwerpen, um die Sommerkollektion für Damen auszusuchen.” Herrenkleidung wählt Lara stets mit ihrem Vater Giovanni aus. 40 Jahre ist es her, dass Anita und Giovanni Grilli den Laden in der längsten Einkaufsstraße Luxemburgs eröffnet haben. Lara war damals zwei Jahre alt.

Immer mehr Konkurrenz

Ihre Mutter Anita ist ausgebildete Verkäuferin: “Ich habe zwölf Jahre lang in einem anderen Bekleidungsgeschäft in Esch gearbeitet. Damals habe ich es mir in den Kopf gesetzt, einen Laden mit exklusiver, hochwertiger, italienischer Mode zu eröffnen, und das habe ich dann zusammen mit meinem Mann getan.” Ihr Mann, Giovanni, war damals noch Arbeiter. Er war aus Italien, genauer aus dem umbrischen Narni, nach Luxemburg gekommen, wo er später seine Frau kennenlernt.

Am 1. September 1978 eröffnen Giovanni und Anita den Laden. Dieser war damals noch kleiner als heute und lag im Nachbargebäude. Verkauft hat die Familie Grilli nur Damenmode. Zwei Jahre später wurde bereits ausgebaut: Herrenmode kam dazu. “Wir haben ungefähr alle zehn Jahre größere Änderungen am Laden vorgenommen”, erinnert sich Lara, die mit der italienischen Mode aufgewachsen ist.

Lara Grilli wollte eigentlich nie, etwas mit dem Laden ihrer Eltern zu tun haben. Die 42-Jährige hat einen Abschluss als Erzieherin. “Aber wie das Leben so spielt, bin ich jetzt trotzdem hier”, lacht sie. Ihr größter Wunsch für die Zukunft ist es, den Laden in Esch noch ein paar Jahre am Laufen zu halten. Einfach ist das nicht. Vor allem die Fast-Fashion-Filialen machen dem italienischen Laden Konkurrenz. “Die Menschen sind beim Ausgeben ihres Geldes vorsichtiger geworden. Qualität zählt für viele nicht mehr”, bedauert Anita Grilli, die sich noch an früher erinnert, als die Kunden sich noch ein Kleidungsstück für die nächsten paar Jahre gekauft haben.

Stammkunden halten den Laden am Leben

Trotzdem ist es die Qualität, die den Laden all die Jahre über am Leben gehalten hat. “Glücklicherweise haben wir unsere Stammkunden, die viel Wert auf hochwertige Ware legen. Manche kommen aus dem Norden, Luxemburg-Stadt oder sogar aus Metz nach Esch, um sich bei uns einzukleiden”, erzählt Lara. Was den Familienbetrieb ebenso ausmacht, ist der herzliche und persönliche Service. Es gibt nur wenige Tage im Jahr, an denen keiner der Grillis selbst im Laden ist. Ebenfalls oft ein Vorteil: Die Kunden werden auf Luxemburgisch beraten.

Lara Grilli macht es besonders viel Freude, wenn Leute über Generationen in ihrem Laden einkaufen. “Wenn irgendwann die Kinder erwachsen sind und herkommen, weil schon ihre Großeltern ihre Kleider hier eingekauft haben, macht mich das stolz.” Mutter, Tochter und auch Vater haben auch privat einen beachtlich großen Kleiderschrank, geben sie zu. Verständlich, schließlich werden sie tagtäglich mit den neuesten Modetrends konfrontiert.

1 Kommentar

  1. Do ass dat beschte Beispill vun Integratioun!!

    dItaliener hun sech freier ugepasst
    a schwätze Lëtzebuergesch.
    Bei anere Nationaliteiten ass dat haut jo leider duerch de Multikulti-Wischiwaschi net mei esou…

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