Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres hat die Kraft der Natur einen Teil Luxemburgs verwüstet. In der Nacht zum 1. Juni 2018 sieht Irene Gräff-Tavarner dabei zu, wie das Haus, in dem schon ihre Großeltern gelebt haben, von der Flut eingenommen wird. Nach dem Tornado in Petingen und Käerjeng erzählt sie, wie lange es damals gedauert hat, bis die finanzielle Hilfe vom Ministerium bei ihr angekommen ist, wie ihre Versicherung reagiert hat und in welchem Zustand ihr Haus heute ist.

In der Nacht zum 1. Juni 2018 werden Irene Gräff-Tavarner, ihr Mann und ihre beiden Kinder vom Winseln und Bellen des Hundes geweckt. Die Familie kann nur noch dabei zusehen, wie das Erdgeschoss und die Garage ihres Zuhauses in hoher Geschwindigkeit mit Wasser vollläuft. Es ist das ehemalige Haus ihrer Großeltern, das von den Fluten ruiniert wird. Seit 1995 wohnt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern darin.

Am Ende steht ihnen das Wasser bis zur Hüfte. Die ganze Küche, die Möbel, Fernseher, Sofa, alles, was sie besitzen, ist ruiniert. Nur die Schlafzimmer und die Kleider im ersten Stock überstehen das Unwetter. Heute – mehr als ein Jahr später – fühlt Irene Gräff-Tavarner mit den Opfern des Tornados.

Kein Geld von der Versicherung

„Ich weiß, wie sie sich fühlen. Es ist schrecklich“, sagt sie. Ihre Familie hat damals keinen Cent von der eigenen Versicherung bekommen. Sie seien nicht für Überschwemmungsschäden versichert. Zwei Wochen zuvor hatten sie ihrem Agenten aus diversen Gründen gekündigt. „Nur wenige Stunden nach dem Unglück wussten wir bereits, dass wir kein Geld von unserer Versicherung zu erwarten hätten“, sagt die zweifache Mutter. Der Schaden am Haus beläuft sich damals auf 70.000 Euro.

Ein Gemeindearbeiter hatte Formulare bei den betroffenen Familien ausgeteilt, mit denen diese einen Antrag auf finanzielle Hilfe vom Ministerium stellen konnten. Gräff-Tavarner füllt das Dokument gewissenhaft aus und heftet Fotos von den Schäden an. Vier Monate dauert es, bis die finanzielle Hilfe vom Ministerium ankommt: 27.000 Euro. „Das Geld hat uns wirklich geholfen“, sagt sie.

Gereicht hat es trotzdem nicht. Ein neues Badezimmer konnte sich die Familie bis heute nicht leisten. Zwei Entfeuchter laufen immer noch im Haus. Die Feuchtigkeit ist bis hoch ins Dach gezogen, das jetzt einzustürzen droht. Ein Darlehen haben sie nicht aufgenommen. „Wir wollten es so hinbekommen, mein Mann geht alleine arbeiten“, sagt Gräff-Tavarner. Wie es jetzt weitergeht, weiß sie noch nicht. Immer wenn es regnet, ziehen Irene Gräff-Tavarner und ihre Familie die Gummistiefel an. „Dann sehen wir nach, ob das Wasser im Abfluss abläuft.“

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here