Es sieht zwar so aus, als wolle der Winter doch noch ein Weilchen bleiben, aber vielleicht helfen die anstehenden Winterfeuer ja doch: Der kalten Jahreszeit nicht nur symbolisch, sondern sehr konkret und beeindruckend Feuer unter dem Allerwertesten zu machen, ist ein verbreiteter Brauch in Nord- und Mitteleuropa.

Im ländlichen Luxemburg und Belgien (und, leicht variiert, in der Eifel) kennt man die heiße Sause bis heute als “Burgbrennen”: Am ersten Sonntag nach Fastnacht wird ein Bauwerk entflammt, für das meist die jüngeren, männlichen Einwohner der Gemeinde seit Weihnachten Brennmaterial gesammelt haben.

1.000 Paletten

Auch in Bartringen hat ein engagiertes Grüppchen eine ziemlich imposante Burg aufgebaut: Immerhin etwa 1.000 Holzpaletten stecken in dem Bauwerk – so ganz genau habe das natürlich keiner gezählt, sagt Oliver Gerard zum Tageblatt.

Jetzt steht die Burg auf einer Grundfläche von 8 mal 16 Metern – und ragt stellenweise mehr als 8 Meter in die Höhe. “Mehr machen wir nicht, das fängt schon an, zu wackeln”, sagt Gerard. Und auch in anderer Hinsicht muss das Bauwerk vor Unbill geschützt werden: “Ab fünf Tage vor dem Feuer halten wir Nachtwache!” Denn zur Tradition gehört es mancherorts auch, die Burgen der jeweiligen Nachbargemeinden vorzeitig abzufackeln. “Obwohl wir uns mit unseren Nachbarn ja super verstehen”, stellt Gerard klar – aber sicher ist sicher. Und außerdem kann das getane Werk so noch ausgiebiger genossen werden. “Wir bauen ja immerhin noch eine richtige Burg, während viele andere Gemeinden nur noch ein Kreuz aufstellen!”

Tradition, die mit der Zeit geht

Die Erbauer der Bartringer Burg sind übrigens eine Handvoll Männer und, wenn man Facebook-Fotos glauben darf, Frauen (ja, die Zeiten ändern sich). Sie sind ein harter Kern aus den rund 60 Mitgliedern des 2004 gegründeten Grillvereins Bartréng-Plage, der vor elf Jahren die Tradition von der Feuerwehr übernommen hat.

Und es gibt noch ein paar mehr Änderungen gegenüber den ganz alten Sitten: So findet das Feuer erstmals am Samstagabend statt – schließlich brennt die Burg nach einer halben Stunde zwar lichterloh, aber bis sie einigermaßen abgebrannt ist, vergehen ein paar Stunden. Zeit für Geselligkeit, die man genießen können soll, ohne an die Arbeit zu denken.

Das Programm in Bartringen

Vorbeischauen darf man gerne ab 17.30 Uhr – auch wenn der eigentliche Fackelzug von der Kirche zur “Buerg” erst um 18.30 Uhr beginnt. Entzündet wird das Bauwerk gegen 19 Uhr. Zur stimmungsvollen Untermalung gibt es Musik, die mittlerweile ein DJ macht. Und noch ein neues Element wertet die alte Tradition auf: Eine Gruppe kurdischer Mitbürger war ganz begeistert, als sie von dem Brauch gehört hat. In ihrer Heimat gibt es nämlich etwas ganz Ähnliches. Darum beteiligen sie sich mit einem traditionellen kurdischen Gruppentanz an der Vertreibung des Winters (Facebook-Seite der Veranstaltung), zu der einige Hundert Gäste erwartet werden.

(Alle Fotos: Bartréng-Plage Asbl.)

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