Die Kampfsportart Muay Thai ist zeitgleich auch der thailändische Nationalsport. Es bestehen Ähnlichkeiten zum französischen Boxen, jedoch werden von Thaiboxern einzigartige Techniken wie Knie- und Ellenbogenstöße sowie Tritte mit dem Schienbein angewendet. Ursprünglich entstammt der Sport aus einer Kampfkunst, die in Südostasien im Krieg angewendet wurde, wenn Waffen nicht mehr halfen.

Anders als etwa bei Taekwondo oder Karate gibt es bei Muay Thai keine Gürtel oder Grade. Es wird lediglich zwischen Amateur (C-Klasse), Halb-Profi (B-Klasse) und Profi (A-Klasse) unterschieden. Während die Amateure noch mit Kopf- und Schienbeinschutz kämpfen, bleibt den Halb-Profis lediglich der Ellbogen-Schutz. Profis hingegen tragen nichts weiter als einen Zahnschutz im Mund. Auch die Anzahl und Dauer der Runden pro Kampf erhöht sich mit dem Aufstieg in eine höhere Klasse.

“Waykhru”

Anfänger-Kämpfe bestehen aus drei Runden von jeweils zwei Minuten, Profis hingegen müssen fünf Runden lang jeweils drei Minuten überstehen. Bevor die Fäuste fliegen, führen die Boxer ein Tanzritual (“Waykhru”) aus, um ihre Meister zu ehren und böse Geister zu vertreiben. Jede Schule lehrt ihren eigenen Tanz. Bei einem Kampf sind drei Juroren und ein Supervisor anwesend, die den Gewinner anhand der angewandten Techniken, der Präzision der Hiebe und Tritte und der Aggressivität und Standfestigkeit der Kontrahenten ermitteln. Ein Ringrichter sorgt für einen fairen Ablauf der Kämpfe.

Nach jeder Runde vergeben die Juroren Punkte an die Kämpfer. Die werden am Ende zusammengezählt und der Thaiboxer mit der höchsten Punktzahl geht als Sieger hervor. Doch nicht selten werden Kämpfe durch ein totales oder technisches K.O. beendet.

Zweimal jährlich Keilerei

Der Veranstalter der “Kings of Muay Thai”-Gala, die zweimal jährlich stattfindet, ist Eric Katouche. Der Betreiber des “Sandsak Muay Thai Gym” in Luxemburg-Stadt ist selber erfahrener Kickboxer und Trainer. Er hat jahrelang in Thailand gelebt und dort die traditionelle Kampfkunst erlernt, die er heute in seinem Verein lehrt. Um der Öffentlichkeit das Thaiboxen näherzubringen, rief er die Veranstaltung “Kings of Muay Thai” vor sechs Jahren ins Leben.

Am Samstag gegen 19 Uhr betraten die ersten Kämpfer den Ring bei der 12. Auflage der Meisterschaft. Rund 1.300 Zuschauer waren gekommen. Auch ein französisches Fernsehteam war anwesend.

Wie bei einem klassischen Boxkampf durfte ein Ansager nicht fehlen. Die fünf ersten Kämpfe wurden von Amateuren ausgetragen, unter ihnen zwei Luxemburger, die beide jeweils den Sieg davontragen konnten. Nach 20 Uhr waren die Halbprofis an der Reihe. Danach stiegen die Profi-Athleten in den Ring. Unter ihnen befand sich Prince Junior, luxemburgische Jugendhoffnung und amtierender Europameister im Leichtgewicht. Der 25-Jährige kongolesischer Herkunft hat erst 2011 mit dem Thaiboxen begonnen und sich innerhalb von nur sechs Jahren an die Spitze geschlagen. Den Sport hatte er in einem Fitnessstudio entdeckt.

Große Namen

“Ich liebe Muay Thai, weil ich damit etwas habe, dem ich mich voll und ganz hingeben kann. Man lernt so viele Techniken, die durch ständiges Training feingeschliffen werden. Auch nach sechs Jahren lerne ich immer noch dazu und das finde ich großartig”, erzählt Prince Junior. Prince trainiert sechs Tage die Woche, manchmal bis zu sechs Stunden am Tag. Seine Einheiten bestehen in der Regel aus Aufwärmen, Schattenboxen, diversen Technikübungen mit seinem Trainer Eric Katouche und Krafttraining.

Das harte Training zahlte sich aus, denn Prince konnte sich gegen seinen Gegner Aasila Achraf aus Italien durchsetzen, indem er ihm in der zweiten Runde einen Zahn ausschlug. Technisches K.O., verkündete der Arzt.

Ebenfalls ein Highlight unter den Profikämpfen war die Fehde zwischen den beiden einzigen Athletinnen an diesem Abend. Die Französin Julie Burton gewann gegen Martina Jindrova aus der tschechischen Republik.

Um den “King of Muay Thai”-Titel ging es dann im Hauptkampf. Der Thailänder Daopasuk Sitmonchai und der Franzose Anime Zitouni standen sich in der Gewichtsklasse -57 kg gegenüber. In der zweiten Runde schlug Zitouni seinen Gegner mit einem Faustschlag zu Boden und wurde somit zum Sieger gekürt.

Von Steve Peffer

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here