Anfang Oktober 2014 herrschte Aufregung in Luxemburg. Medien berichteten, die Bank of China wolle den historischen Sitz der Arbed kaufen.

Das Gebäude im Stadtzentrum war bereits im Jahr 2013 aus Kostengründen vom Stahlkonzern ArcelorMittal eingemottet worden. Die Unterhaltskosten für das eher unpraktische Gebäude seien zu hoch, hatte der Konzern erklärt. Zudem konnten wegen des Denkmalschutzes keine größeren Umbauten in Angriff genommen werden. Bis zum Bau eines neuen Hauptsitzes auf Kirchberg wolle der Konzern andere Räumlichkeiten mieten.

Der Verkauf des Bauwerks, das symbolisch für die historischen Erfolge der Luxemburger Stahlindustrie steht, rief jedoch sehr schnell Kritiker auf den Plan. Gefordert wurde eine „luxemburgische Lösung“. Einige schlugen die Errichtung eines Museums vor. Andere gar einen Umzug des Luxemburger Parlaments.

Das Arbed-Gebäude in der avenue de la Liberté war in den Jahren 1920 bis 1922 auf dem Plateau Bourbon errichtet worden und wurde seitdem als Geschäftssitz des Luxemburger Stahlproduzenten genutzt. Erst Arbed, dann Arcelor und zuletzt ArcelorMittal.

In den Jahren 1940 bis 1945 war der Bau der Sitz der Zivilverwaltung von Gauleiter Gustav Simon. Nach Ende des Krieges fand das Gebäude wieder zu seiner ursprünglichen Bestimmung als Sitz des Stahlkonzerns Arbed zurück.

„Eine luxemburgische Lösung gefunden“

Die Regierung wollte anfangs nicht so richtig auf die Kritiker eingehen. Das Gebäude ist im Besitz einer privaten Gesellschaft und wird an eine andere private Gesellschaft verkauft, hieß es damals. Es gelten jedoch strenge Auflagen, was den Denkmalschutz betrifft, fügte die Regierung zur Beruhigung hinzu.

Nur eine Woche nachdem bekannt wurde, dass das Gebäude an eine chinesische Bank – oder ein Konsortium von chinesischen Banken – verkauft werden sollte, trat Premierminister Xavier Bettel vor die Presse. „Wir haben eine luxemburgische Lösung gefunden“, kündigte er heute vor genau fünf Jahren an.

Das Tageblatt vom 15. November 2014

Der neue Käufer des geschichtsträchtigen Arbed-Gebäudes in der avenue de la Liberté war die staatliche BCEE. Der Verkaufsvertrag wurde unterzeichnet. Bezahlt wurden rund 100 Millionen Euro, wohl die gleiche Summe, die auch die Bank of China angeboten hatte. Was genau in die Räumlichkeiten kommen soll, war noch nicht ganz klar.

Ein Gebäude mit Geschichte

Mit dieser Entscheidung schien das Land glücklich zu sein. Das Gebäude ging in den Besitz des Staates über. Es sei ein „Gebäude voller Erinnerungen“, so der Präsident des Verwaltungsrates von ArcelorMittal Luxembourg damals. Die Spuerkeess sei schon immer der Nachbar dieses Gebäudes gewesen, betonte er. Zudem „hat das Finanzinstitut in der Vergangenheit gezeigt, dass es Respekt vor historischen Gebäuden hat“.

In den folgenden Jahren wurde das Gebäude komplett renoviert. Heute beherbergt es Büros der Bank. Sowohl Wohlhabende als auch Unternehmenskunden werden hier empfangen. Der große Konferenzraum unter dem Dach wird regelmäßig für größere Veranstaltungen genutzt.

Für den Bürger, der am ehemaligen Firmensitz der Arbed am „Rousegäertchen“ vorbeigeht, hat sich nur wenig verändert. Anstelle vom Namen eines Stahlkonzerns steht heute (in kleiner Schrift) der Name einer Bank.

5 Kommentare

  1. Es ist klar dieses Gebäude durfte der Schrotthändler Mittal nicht verscherbeln….weder an die Chinesen oder jemand anderes, es musste in Luxemburg Hand bleiben!

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