Erbgroßherzog Guillaume hat am Freitagnachmittag sein offizielles Versprechen als neuer Chefscout abgelegt. Rund 3.000 Pfadfinder aus allen Ecken des Landes waren dabei, als er das Amt übernahm, das sein Großvater 74 Jahre lang mit Stolz getragen hat. Die Freude über das neue Scout-Oberhaupt war groß, denn nun beginnt eine neue Ära dieser Tradition.

Es sind große Fußstapfen, in die Prinz Guillaume tritt. 74 Jahre lang stand sein Großvater Jean an der Spitze der Luxemburger Pfadfinder. Gestern nun hat der Erbgroßherzog den ersten Schritt in seiner neuen Rolle als Chefscout des Landes getätigt. Empfangen wurde Guillaume von etwa 3.000 jungen und alten Pfadfindern, die aus allen Ecken des Großherzogtums auf die „Kinnekswiss“ strömten. Es wurde getanzt, gejubelt und gespaßt, denn Chefscout zu sein, bedeutet, Teil einer großen Familie zu werden. Eigentlich gehört Guillaume schon seit seinem achten Lebensjahr zum nationalen „Clan“ dazu, jetzt allerdings nicht mehr nur als Mitglied, sondern als Anführer.

Die Ehre, das Erbe seines Großvaters antreten zu dürfen, stand dem 37-Jährigen während der zweistündigen Feierlichkeiten ins Gesicht geschrieben. Auch unter den Pfadfindern war die Freude groß: Mehrmals zeigte das Publikum in geregelter Scout-Kluft seine Zustimmung mit dynamischem Halstuch-Wirbeln, immer wieder ertönte der traditionelle Pfadfinder-Ruf.

„B-R-A-V-O, bravo, bravo, bravo!“ lautete die kollektive Antwort auf Erbgroßherzog Guillaumes Rede, nach der er sein offizielles Versprechen ablegte. Highlight war seine zeremoniell zum Gruß erhobene Hand, mit der er dem ganzen Land mitteilte: „Ich bin bereit, mein Bestes zu geben.“

„Eemol Scout, ëmmer Scout“

Gespannt lauschten seine jungen und alten Pfadfinderkollegen, als er bei der Fragerunde auf der Bühne von seiner Zeit als „Wëllefchen“ erzählte und sich an seine erste Pfadfinderreise nach Nepal erinnerte. „Eemol Scout, ëmmer Scout“: Mit diesen Worten setzte er seine Unterschrift auf das offizielle Chefscout-Dokument. Neben Premierminister Xavier Bettel hielt auch der Vorsitzende der internationalen Pfadfinderbewegung, Craig Turpie, eine Rede. „Dieser symbolische Moment, in dem man die Hand zum Eid hebt, wurde seit der Entstehung der Bewegung 1907 bereits von mehr als einer halben Billion Menschen auf der ganzen Welt erlebt und ich bin sicher, dass du, Guillaume, deine Aufgabe gut machen wirst“, sagte Turpie.

Eine Zuversicht, die auf der gesamten „Kinnekswiss“ zu spüren war. Denn eines war dem Erbgroßherzog deutlich anzumerken: Sein Großvater hat ihm nicht nur sein offizielles Amt vererbt, sondern auch die nötige Leidenschaft, um dieses mit Herz und Seele auszuführen. Und im Zweifelsfall stehen hinter Guillaume insgesamt 8.000 „Lëtzebuerger Scouten“, die ihn bei all seinen Entscheidungen unterstützen werden. Großes Pfadfinder-Ehrenwort.


Eindrücke der Luxemburger Pfadfinder

Nicht nur die Ehrengäste der Zeremonie fanden für Erbgroßherzog Guillaumes Einweihung als Chefscout starke Worte, auch innerhalb des Publikums gab es den einen oder anderen, der etwas zu sagen hatte.

„Ich finde es super, heute hier mit dabei zu sein, denn so etwas erlebt man nur einmal
im Leben“, meinte Jacquel Milang, die seit 1961 selbst Pfadfinderin ist und mit ihren beiden Enkeln die Feierlichkeiten auf der „Kinnekswiss“ verfolgte.

Besonders die älteren Scouten, die noch unter Großherzog Jeans Leitung der Bewegung beigetreten waren, freuten sich riesig über die Weiterführung der nationalen Tradition.
„Für mich war es die logische Folge, nachdem damals noch Prinz Jean im jungen Alter Chefscout wurde, dass jetzt Guillaume diesen Posten übernimmt. Ich hoffe, er wird
es genauso lange und genauso gut machen wie sein Großvater“, sagte Georges Hames, Chef der Hirschen von Colmar-Berg. Jenny von den Beforter Pfadfindern schloss sich dem an: „Es ist ein sehr besonderer Moment, weil man weiß, dass Großherzog Jean seine Aufgabe wirklich lange erfüllt hat und auch immer präsent gewesen ist. Man hat ihm die Freude stets angesehen und hier merkt man auch, dass die Leute alle voll dabei sind.“

Aber auch die jüngere Generation blickt dem Leader-Wechsel erwartungsvoll entgegen. „Ich finde es wichtig, dass wir auch nach Großherzog Jeans Tod weiterhin jemanden haben, an den wir uns wenden können und der uns nach außen hin repräsentiert“, meinte die 18-jährige Sarah von den „Réiserbänner Guiden a Scouten“.

Dass die Wahl zum neuen Chefscout auf den jungen Prinzen gefallen ist, konnte auch Les-Aigles-Rudelführer Tom aus Rollingergrund nur gutheißen: „Man kann ja etwas Diversität von den Posten her innerhalb der großherzoglichen Familie schaffen, es muss nicht immer dieselbe Person alles übernehmen. Auch finde ich es spannend, dass es ein Jüngerer ist, denn dann kann ich seine Entwicklung mitverfolgen.“

Erwartungen an den neuen Chef gab es einige. Vor allem solle er die Werte der Pfadfinder weitervermitteln, so die Europa-Scouten Timothy und Louise-Marie: „Sein Versprechen ist ein Zeichen, dass er uns leiten kann und sich für uns einsetzt. Der Chefscout bringt uns alle zusammen, er muss symbolisch stark sein.“

Stärke, Respekt, aber vor allem Engagement forderte ebenfalls Jenny: „Er soll einfach mitmachen. Bei uns Scouten gibt es kein Sie und keine Formalitäten, nur du, denn wir sind alle im gleichen Boot. Und genau das ist es ja, was das Ganze so toll macht.“


Craig Turpie Vorsitzender des World Scout Committee

Wie sehen Sie Luxemburgs Rolle in der internationalen Scout-Bewegung?
Luxemburger Pfadfinder sind sehr aktiv, sowohl im europäischen Raum als auch in ihren Partnerschaften mit anderen Scout-Organisationen weltweit. Es gibt eine lange Tradition der Kooperation, die zu sehr innovativen Projekten geführt hat und junge Menschen aus Luxemburg und anderen Ländern zusammenbringt, um wundervolle Aktivitäten zu organisieren.

Welche Erinnerungen haben Sie selbst an den ehemaligen Scoutchef Großherzog Jean?
Er war jemand, der sich unglaublich in die Bewegung investierte, und das 74 Jahre lang. Das ist eine enorm lange Dienstzeit und ich glaube, dass es anderen zeigt, was es bedeutet, sich einer Organisation zu verpflichten, die junge Menschen wertschätzt und sie als Generationen des Wandels sieht, die etwas verändern können. Er hat die Pfadfinderwerte gelebt und ich bin sicher, dass Prinz Guillaume in seine Fußstapfen als Chefscout treten wird.
Glauben Sie, dass die Wahl – Guillaume und nicht etwa Henri – die richtige war?
Das sind natürlich Entscheidungen, die außerhalb meines Zuständigkeitsbereichs liegen, aber ich glaube, egal wer es geworden wäre – es wird aufregend werden.
Ich bin sehr froh, mehrfach die Gelegenheit gehabt zu haben, Prinz Guillaume persönlich kennenzulernen und zu sehen, wie engagiert er bereits jetzt ist. Und das nicht nur bezüglich der Entwicklung der Scout-Bewegung in Luxemburg: Er hilft auch, die Gemeinschaft weltweit enger zusammenzubringen. Er hat eine globale Sicht des Pfadfindertums und da gibt es viel Potenzial.

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