Gülle wird zunehmend zum Politikum. Nachdem Umweltministerin Carole Dieschbourg (“déi gréng”) schon im Frühjahr die Bauern an das temporäre Verbot für Gülleausfuhr erinnert hatte, führt ihr Ministerium seit vergangenem Monat vermehrt Kontrollen durch. Die CSV-Abgeordnete Martine Hansen sieht die Bauern unnötig gegängelt.

Kommentar

Lesen Sie zum Thema auch den Kommentar unseres Redakteurs Yves Greis.

Für Martine Hansen ist es eine Maßnahme, die über das Ziel hinausschießt. Anfang Juli hat das Umweltministerium mitgeteilt, in Zukunft eigenständig Kontrollen der Lagerung von Gülle und Dung sowie Gärresten durchzuführen. Die CSV-Abgeordnete kann nicht nachvollziehen, warum das Ministerium nun zusätzliche Kontrollen unternimmt, ausgerechnet in der Hochphase der Erntezeit. Und vor allem: warum die Kontrollkampagne so medienwirksam angekündigt wurde. Sie sieht die Gefahr von Imageeinbußen für einen gesamten Berufsstand: den Bauern als Sündenbock.

Nun hat das Ministerium auf die Anfrage reagiert. Grund für die zusätzlichen Kontrollen seien alarmierende Ergebnisse der Wasserverwaltung. 2017 musste die Behörde in elf Fällen Wasserverschmutzung auf der Grundlage von Gülle feststellen. In diesem Jahr sind es bereits 20 Fälle. Grund waren laut Carole Dieschbourg oftmals undichte Gülle-Zisternen bzw. Ventile, die nicht ordnungsgemäß abgedichtet waren.

Die Ministerin erinnert daran, dass es sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern dass durch das Austreten von Gülle erhebliche ökologische Schäden entstehen können und das Grundwasser kontaminiert wird. Deshalb habe sie entschieden, die Lagerung genauer zu inspizieren.

Belastete Gewässer

Die Umweltministerin will dabei klarstellen, dass hier niemand unter “Generalverdacht” stehe; die medienwirksame Ankündigung der Kontrollen sei als Warnung gedacht – ähnlich wenn die Polizei öffentlich mitteilt, dass es zu Verkehrskontrollen kommen wird.

Bei der Frage um Gülle geht es mittlerweile um weit mehr als Gestank, denn das Thema ist zum Politikum geworden. Zu Beginn des Jahres appellierte die Umweltministerin daran, dass das Ausbringen von Gülle bis März untersagt ist.

Aus Nitrat werden Nitrite

Pflanzen brauchen zwar Nitrat aus Gülle für ihr Wachstum und der Stoff ist für den Menschen auch erst mal ungefährlich. Durch chemische Zerfallsprozesse können daraus aber gesundheitsgefährdende Nitrite entstehen. Und sind die Böden mit Wasser gesättigt, läuft die Gülle oberflächlich in den nächstgelegenen Bach ab. Dort steigen dann die Stickstoffwerte und belasten die Gewässer. Im Sommer sind Algenblüte und kippende Gewässer die Folge.

Mit diesem Problem hat Luxemburg gerade zu kämpfen. Die Blaualgen, bei denen es sich eigentlich um Bakterien handelt, gedeihen in diesem Jahr besonders prächtig. Nachdem zunächst der “Stausee” und der See in Weiswampach betroffen waren, musste das Gesundheitsministerium gestern bekannt geben, dass auch die Mosel mit Blaualgen kontaminiert ist.

Ein solche flächendeckende Kontaminierung von Luxemburgs Gewässern hat es noch nicht gegeben.

* In einer ersten Version ging die Rede von “Landwirtschaftsministerin Carole Dieschbourg”. Richtig ist: Umweltministerin Carole Dieschbourg.

14 Kommentare

  1. Man nehme eine parlementarische Anfrage einer Politikerin zu Kontrollen der Guellelagerung durch die Douanes.Hierueber schreibt man einen Artikel. In diesem Artikel wird bevor die Kontrollen abgeschlossen sind die Schlussfolgerung aufgestellt es gibt zu viel guelle. Dazu wird dann noch ein Kommentar eines Journalisten verfasst der zur Schlussvolgerung kommt zuviel Vieh, zuviel Guelle , Blaualgen in Fluessen und Seeen das Umweltministerium Muss handeln. Das ist Populismus. dieser wird von denselben Journalisten bei anderen Themen zurecht abgelehnt. Populisimus ist fuer mich wenn Leute komplexe Zusammenhaenge, ,mit einfachen Loesungen begegnen wollen. Je komplexer Probleme sind die Loesungen meistens ebenfalls komplex. Warum sich nicht bei den Betrieben informieren.

      • Unter der Ägide der CSV durften die Bauern jahrzehntelang völlig unkontrolliert tun und lassen was sie wollten.
        Tierschutz und Naturschutz waren abhängig vom Wohlwollen des jeweiligen Ackermanns. Veterinärkontrollen gab es keine, Naturschutz war ein Fremdwort.

        Lediglich der Dorfpfaffe musste die Sonntagsarbeit genehmigen.

        Wer sich auf dem Dorf mit einem dicken Bauern anlegte wurde sogleich vom Bürgermeister ( gewöhnlich auch ein Grossgrundbesitzer ) gemassregelt.
        Diesen Zustand möchte Frau Hansen verewigen.

    • Alles wird gut: Man kann auch täglich verfolgen was so auf ARD, NDR usw. die Grünen in der BRD so machen und findet dann tatsächlich ein Thema was dort aktuell ist und das man für Luxemburger Wähler schmackhaft umbauen kann. Oder man kriegt den Tip per Tel., E-mail oder Fax von einem Gesinnungskollegen dort.

  2. Ech hun deslescht nach e Bauer gesin, dee wuerwiertlech nierft enger Biogasanlag bei 30°C e Feld gepifft huet.
    Ka mer ee Bauer erklären, fiirwat een Piff net gréisstendeels dohinner fiirt? Dee Schmorri produzéiert dach masseg Hëtzt?

  3. Soulang grouss Deeler vun der konservativer Wielerschaft weider dem Märche gleeft, Dass Baueren die beschten Emweltschützer am Universum an souwiesou nie ebes falsch machen, komme mer do net weider. D’Hansen sprengt voll op den populisteschen Zug op, e besche am Stil vum Trump: beis Behörden, immens Farmer…

  4. Vertrauen ass gudd, Kontrollen si besser. Et geet jo just drem’s fir di puer ‘schaarz Schoof’ ennert de Baueren ze fannen an hiir Problemer matt den Zetären ze behiewen. Daat helleft Vertrauen a Secherheet ze schaafen fir d’Zukunft. Wann elo näischt geschitt, as Lëtzebuerg an e puer Joër a puncto ‘PROPPERT WAASSER’…..doud. Daat wöllt jo sëcher keen. Esou proppert Waasser iwerall hei zu Letzebuerg wi zb … a Kroatien oder der Schwäiz, daat wönschen ech mär fir d’Zukunft…! RESPEKT wéisen géintiwert der NATUR. Den Ufank ass gemaach.

  5. Gellt Diert!
    Mir brauchen keng Baueren.
    D’Miehl an den Büfteck etc alles kann een am Supermarché kaafen.
    Am Beschten et get keen Bauer méi, an mir furen matt Birkenstocksandalen, déi am Bagladesh gemaat gin, mamm Fliiger op XY Fastenwandern maachen , daat an engem vun eisen Congésdeeg (vun denen mer der 38 hun) an matt eisen 9800 euro netto.

  6. es waere mal interessant eine statistik zu erstellen wieviele hauptsaechliche guelleproduzenten,also rinder und schweine,es insgesamt in luxemburg gibt.dazu dann auch die evolution ueber zb. die letzten 30 jahre hinweg.denn wenn man sich die dreiachsigen guelleungetueme so ansieht wird einem schwindlig. wenn die guelleproduktion ins unendliche waechst und die abladeflaeche,unser land,nicht mitwaechst,und das wird es nicht,werden die probleme mit unseren gewaessern ein dauerzustand werden.wasserschutzzonen waeren da ganz sicher eine feine sache.im ausland gibt es sowas schon laenger.und die durch unsere guelle verschmutzten gewaesser im nahen ausland,ja die guelleungetueme fahren auch ueber die grenze, fliessen alle schoen nach luxemburg wieder ein.wirklich schlechte zeiten fuer die gewaesser und die natur!

  7. marc wollwert,
    déi Gülleungetümer wéi dir se nennt sinn néideg fir d’Gülle op déi Plaatz ze féieren wou se verbraucht gin.
    Den Bauer kann daat net mamm 10 Litesch Eemer maachen. Dir hut dach och an aerem Liewen haut Saachen, déi méi grouss, performamnt oder… sin.
    Et get haut vill Gülle jo neien Methoden ausbruecht, déi vill manner Impakt op d’Emwelt hun.

    • zu den neuen guelleungeheuern gesellen sich noch die neuen traktorenungeheuer die mit ihrem monstergewicht die erde so verdichten dass die guelle nicht mehr einziehen kann und mit dem erstbesten regenguss in die fluesse und baeche gespuelt wird.oder auf die naechste strasse.wenn man dann mit dem fahrrad drueber faehrt hat man ein fantastisches geruchserlebnis wenn man zu hause ankommt.habe ich selbst erlebt.heute habe ich ein feld gesehen das komplett zentimeterhoch mit guelle bedeckt war.der totale hochglanz in der sonne.masslos.ich bin kein agrarexperte,aber ich kann mir nicht vorstellen das unter dieser guellemasse irgendwas biologisches ueberlebt.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here