In zwei Wochen soll das Grundstück in Bissen, auf dem später ein Google-Datenzentrum entstehen soll, umklassiert werden. Das “Mouvement écologique” fordert vor einer Entscheidung weitere Studien. Doch das Umweltministerium will vorerst nicht eingreifen. 

Der Bau des Google-Datenzentrums in Bissen sorgt weiterhin für erhitzte Gemüter. Am 20. Juni soll der Bissener Gemeinderat entscheiden, ob das von Google gekaufte Grundstück umklassiert wird. Die Agrarzone soll im Zuge einer Änderung des allgemeinen Bebauungsplans (PAG) in eine “Spezialzone Datacenter” umklassiert werden. Doch die Umweltorganisation “Mouvement écologique” (Meco) stellt sich quer. Schon im Februar hatte sie in einer Mitteilung kritisiert, dass nicht genügend Informationen vorliegen, um über eine Umklassierung zu entscheiden.

Meco hat damals sogar Einspruch erhoben. In einem Brief an Umweltministerin Carole Dieschbourg (“déi gréng”) forderte die Organisation, dass das Umweltministerium das Einverständnis zur Umklassierung verweigert. Am Dienstag folgte die nächste Mitteilung, in der Meco näher auf den Wasserverbrauch eingeht. Laut einer Meco-Schätzung werde der Wasserverbrauch bei 10 Prozent des gesamten Trinkwasserverbrauches Luxemburgs liegen. Der Gemeinderat habe im Moment nicht genügend Informationen, um eine Entscheidung zu treffen. “Vor allem auch gegenüber der eigenen Bevölkerung wäre dies verantwortungslos, denn sie wären gegebenenfalls die Leidtragenden in Zeiten von Trinkwasserknappheit”, schreibt die Organisation.

Bürgermeister: “Wir haben Umweltstudien durchgeführt”

Der Bissener Bürgermeister Jos Schummer (CSV) sieht das anders. Bei der Abstimmung in zwei Wochen werde das Grundstück lediglich im allgemeinen Bebauungsplan umklassiert, sagt er am Dienstag gegenüber der Zeitung Paperjam. Es werde noch nicht genau definiert, was später auf dem Grundstück passieren soll. Das müsse über einen individuellen Bebauungsplan (PAP) geklärt werden. Es sei allerdings noch zu früh, um über einen solchen zu reden. “Wir haben Umweltstudien durchgeführt”, sagt er. Erst beim individuellen Bebauungsplan gehe man weiter in die Details. Zu dem Zeitpunkt müssten dann zahlreiche Studien durchgeführt werden. Die Befürchtungen aller Kritiker würden dann unter die Lupe genommen werden. Das werde viel Zeit in Anspruch nehmen, sodass der Bürgermeister nicht mit einem PAP vor dem Jahr 2020 rechnet.

Eine Erklärung, die das “Mouvement écologique” am Mittwoch nicht stehenlassen will. Die bereits durchgeführte Umweltstudie habe ergeben, dass “hohe” beziehungsweise “sehr hohe” Auswirkungen nicht ausgeschlossen seien. Konkrete Angaben gebe es in dem Bericht nicht: “Auf dieser Grundlage können weder Gemeindeverantwortliche noch BürgerInnen sich eine Meinung bilden.” Meco fordert deshalb, dass die Entscheidung über eine Umklassierung verschoben wird, bis weitere Details vorliegen.

Umweltministerium wartet auf Projekt

Dass es so weit kommen wird, ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Die Bissener CSV, die der Umklassierung am 20. Juni zustimmen will, hat die absolute Mehrheit im Gemeinderat und ist damit nicht auf Stimmen einer anderen Partei angewiesen. Das Umweltministerium erklärt gegenüber dem Tageblatt, dass man sich, so wie die Gemeindeautonomie das vorsehe, nicht einmischen werde. Die Entscheidung einer Umklassierung liege in den Kompetenzen der jeweiligen Gemeinde.

Laut Mike Wagner, Erster Regierungsrat im Umweltministerium, habe Meco die Prozeduren vermischt. Die Details würden erst später geklärt werden. “Kein Investor entwickelt ein Projekt, bevor er ein Baurecht hat”, sagt er. Das gelte auch für Google, und das Unternehmen habe das den Verantwortlichen auch so kommuniziert. Wenn Google ein Projekt vorlegt, wird die Prozedur für den individuellen Bebauungsplan auf Gemeindeebene anlaufen. Dann wird parallel zur PAP-Prozedur anhand des vorgelegten Projektes eine Umweltstudie durchgeführt.

Wie im Rahmen des Commodo-Gesetzes vorgesehen, werde man gemeinsam mit Google nach den besten Umsetzungsmöglichkeiten suchen, sagt Wagner. Beispielsweise müsse dann besprochen werden, ob eine Wasserkühlung überhaupt notwendig sei oder ob es eine bessere Technologie gebe. Wenn nichts an einer Wasserkühlung vorbeiführe, müsse die Frage der Wasserversorgung zu dem Zeitpunkt geklärt werden. Die Durchführung der Studie wird laut dem Umweltministerium etwa ein halbes Jahr dauern. Damit könnte auch von dieser Seite aus Anfang 2020 ein fertiges Projekt auf dem Tisch liegen.

23 Kommentare

  1. Nur ein Satz in diesem Artikel ist wohl wahr “Kein Investor entwickelt ein Projekt, wenn er noch nicht weiß ob er
    bauen darf”. Das andere Rumgeeieren ist alles die gewohnte Irreführug der Algemeinheit. freundlichst

  2. Allein schon wegen Wassermangel sollte diese digitale Diktatur nicht unterstützt werden.Und mein Rasen muss vertrocknen und mein liebstes Kind Auto muss schmutzig bleiben.

  3. Was das MECO Argument des Wasserverbrauches angeht, so sollte man keine Panik machen, denn das Kühlsystem bei den Rechnern ist ein geschlossenes System, das also nicht ständig Frischwasser Zufuhr brauchen wird, falls es denn wirklich nach Bissen kommen wird….und nicht irgendwo im Ausland verschwindet wegen der Schwierigkeiten mit unseren Grünspechten ..wieder einmal!

    • Sie sollten sich besser mal informieren, denn die Kühlung solch grosser Systeme erfolgt über Verdunstung in Kühltürmen. Verdunstetes Wasser entweicht dabei in die Luft und ist nicht rückverwendbar. Ein geschlossenes System ist bei dieser Wärmeentwicklung nicht möglich.
      Also haben Sie damit kein Argument gegen die Grünspechte.

      • Chilled Water System. Liquid cooling can be more efficient and direct in its cooling techniques. …
        Pumped Refrigerant. …
        Indirect Air Evaporative System. …
        Hot/ Cold Aisle Arrangement. …
        Containment. …
        Rack Placement. …
        Cable Organization. …
        Blanking Panels.

        Carlo sie haben recht es gibt aber andere Systeme da braucht man kein Frischwasser wie oben aufgezält….

  4. Wenn es um’s Wohl eines ganzen Landes geht (sprich Wasserversorgung, davon würde 10% des ganzen Landes nur von einer Firma verbraucht werden) dann sollte die Bevölkerung dieses Landes auch bei einer so wichtigen Entscheidung mitreden können. Ein Referendum (JA oder NEIN) zum GOOGLE Datacenter im Herzen des Landes sollte dann Anfang 2020 durchgeführt werden (die Schweiz lässt grüssen). Nicht ausser Acht lassen sollte man die dramatischen Klimaveränderungen, der sich nur spärlich auffüllende Grundwasserspiegel und das stete Nachlassen verschiedener Trinkwasserquellen im Grossherzogtum. Dollar- und Euroscheine kann man nicht trinken…!

  5. Auf dieser Grundlage können weder Gemeindeverantwortliche noch BürgerInnen sich eine Meinung bilden
    will die Regierung jetzt auch noch den Menschen vorschreiben worüber sie sich eine Meinung bilden dürfen.
    wenn man sich mal alle Artikel der grünen durchliest und was für Änderungen oder Neuerungen Carole Dieschburg durchsetzen will dann frage ich mich warum sie nichts gegen den Bau dieses Daten Centers unternimmt um so einen Eingriff in die Natur zu machen und eventuell Schäden anzurichten, da braucht man nicht besonders Helle zu sein um das zu sehen.
    Aber wie in allen anderen Fällen kommt wieder die GELD GIER zum Vorschein erstens beim Verkauf des Grundstücks und zweitens beim Thema Gewerbesteuer und vielleicht auch wieder die Hoffnung einiger Personen auf eventuelle Zugeständnisse von Google egal in welcher Form. Die Städte und Gemeinden will man begrünen.
    Aussage von C. Dieschburg : ungenutzte Fläche, die in Zukunft für den Anbau von Salat und Früchten genutzt werden könnte. Ziel ist es, ungenutzte Flächen wie Dächer, Fassaden oder Plätze zu benutzen, um dort dezentral Essbares anzubauen.
    Und weil jetzt die Städte bunter werden kann man ja den Norden des Landes zu Betonieren, irgend etwas ist Faul im Staate Luxemburg.

    • Die nächste Flut steht vor der Tür.Was heisst hier Wassermangel. Beton, Asphalt und verdichtete Ackerflächen werden dafür sorgen,dass die Hausversicherungen unbezahlbar werden. Eine einfache Rechnung.

      • Die nächste Flut
        dann sollten alle die neue Häuser bauen sich mal besser informieren und statt Öl – oder Gasheizungen in ihre Häuser einzubauen sich sogenannte Kraft – Wärmekoppler installieren die kann man mit Gas, Öl oder Rapsöl betreiben und sie haben den Vorteil das man seinen eigenen Strom herstellt und der überschüssige Strom muß vom Staat abgekauft werden das ist gesetzlich verankert, das heßt so eine Anlage hat sich je nach Anschaffungspreis innerhaöb von ein paar Jahren amortisiert, zusätzlich kann man Tank im Boden versenken die Regenwasser auffangen das man als Brauchwasser ( Duschen, Wäschewaschen, Toiletten und Gartenbewässerung usw. ) nutzen kann.

        • Prima Idee, für die, die es sich leisten können! Wer, bitte schön, kann sich heutzutage noch ein eigenes Haus bauen, bei den horrenden Grundstückspreisen und den, von den Behörden auferlegten Zwängen resp. Vorschriften? Weshalb glauben Sie, dass so viele junge Luxemburger sich im nahen Grenzgebiet ansiedeln? Weil es für sie die einzige Möglichkeit ist zu einem Eigenheim zu kommen! So sieht die Wirklichkeit aus.

          • de Schmatt
            da haben sie leider Recht, der Wohnungsmarkt und die Immobilienpreise sind nur noch für Menschen die mehr als € 10.000,– im Monat verdienen die müssen allerdings dann auch zu zweit arbeiten sonst ist der Urlaub und anderes gestrichen.

  6. Nach grüner Logik müsste dann das Datencenter gebaut werden und danach stillgelegt, weil es zu viel Wasser verbraucht. Der Steuerzahler wird Google dann entschädigen. Genauso, wie bei den Windmühlen in Ulflingen, die ja zuerst gebaut und dann stillgelegt wurden, weil ein Vogel erschlagen wurde.

  7. Tiens den Mouvement écologique huet och emol gewibbelt. Vleit och just nëmmen en läscht Opzucken vun hierer liewenslanger Präsidentin? Elo wou ëmmer méi manifest d’Klima-CO2-Ligenkonstrukter vun den Pseudogringen erauskommen ass et eventuel vleit un der Zeit mol ob Distanz zu der Oeko-Yuppi-Politik ze goen an konkret Froen ze stellen. Et gëtt héich Zeit dass emol hei am Land iergendeng Instanz eng Oppositiounspolitik mëcht an deen gringen Oekofaschismus ausbremst! Et geet duer ewei Lemmingen engen Gretchen hannendrun ze laafen!

  8. Komisch, die Arbed konnte hundert Jahre lang mehr Trinkwasser als das halbe Land verschwenden und hat auch noch Bäche und Flüsse vergiftet bis zum heutigen Tag und jetzt auf einmal, wo saubere Arbeitsplätze kommen sollen werden wir knickrig?
    Anders als die Joghurtfabrik kommen die Daten unterirdisch per Kabel und nicht mit hunderten Lastwagen pro Tag.

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