Gestern begann eine zweitägige Space-Mining-Konferenz auf dem Campus Belval. Etienne Schneider ließ es sich nicht nehmen, über sein Lieblingsthema zu sprechen.

Mit den Worten “Luxemburg wusste sich immer wieder neu zu erfinden” eröffnete Wirtschaftsminister Etienne Schneider gestern die Konferenz. Einst war Luxemburg “ein armer Bauernstaat”, dann wurde “Eisenerz gefunden”. Doch in den 1970ern war Schluss mit der Stahlindustrie, “damit ließ sich kein Geld mehr verdienen”, so der Minister.

Ein Goldrausch

Die Nachricht der SpaceResources-Initiative ging um die Welt und brachte Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus den USA, Portugal, den Vereinigten Arabischen Emiraten, China, Russland und Japan nach Luxemburg.

“Das Großherzogtum Luxemburg führt den Trillionen-Dollar-Wettlauf an und entwickelt sich zum Silicon Valley des Asteoriden-Bergbaus”, so der Titel eines CNBC-Artikels zu globalen Investment-Hot-Spots.

Space Mining würde sich noch nach Science-Fiction anhören, es könnte sich aber ein Goldrausch des 21. Jahrhunderts daraus entwickeln, meint der amerikanische Fernsehsender und klärt seine Zuhörer und Leser über das Großherzogtum und die SpaceResources-Initiative auf.

Luxemburg versuchte sich als Finanzplatz. “Damals gab es nur drei Banken im Großherzogtum”, erzählte Schneider. Aus dem Versuch wurde ein Erfolg. Heute versucht das Land, weniger abhängig von der Finanzindustrie zu werden. Der nächste Schritt fand dann im Weltraum statt.

“Es ging darum, TV-Sender über Satellit auszustrahlen”, erinnerte sich Schneider. Im Parlament sei es überaus schwierig gewesen, die Abgeordneten davon zu überzeugen, eine Staatsgarantie für Investitionen zu übernehmen, die von einem privaten Unternehmen getätigt wurden. “Wir empfangen doch schon drei Sender über Antenne”, wäre ein oft gehörter Einwand gewesen.

Vom Bauernstaat zur Weltraumnation

Letzen Endes hätte die Firma, die heute SES heißt, dann doch die Garantie bekommen. “Die Summe betrug fünf Prozent des damaligen Staatshaushaltes”, so Schneider. Die Geschichte belohnte Luxemburg für dieses Wagnis. Aus der SES ist der Weltmarktführer für Satellitenverbindungen geworden. “Die First-Mover-Strategie hatte uns auch in diesem Bereich einen kompetitiven Vorteil verschafft”, so der Minister. Nun gelte es, dies mit dem Space Mining zu wiederholen. Die Chancen, dass sich diese Strategie wieder zu einem Erfolg entwickeln könnte, stünden nicht schlecht, meinte Yves Elsen, der Präsident der Universität.

“Das Geschäft mit der Weltraumkommunikation hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem festen Standbein entwickelt”, so der Präsident. Doch auf einem Bein würde es sich schlecht stehen. “Das Geschäft mit Weltraum-Ressourcen wird sich zu einem zweiten Standbein entwickeln.”

Etienne Schneider konnte sich noch ganz genau erinnern, wie die Entwicklung ihren Anfang nahm: “Als ich im Jahr 2012 Minister wurde, wollte ich etwas Neues finden, was noch niemand macht.” Das Feld der Health- und Biotechnologien würde schon von anderen Nationen beackert werden. Bei der Suche nach einer neuen Nische sei der Minister dann auf einen Amerikaner aufmerksam geworden, der eines Tages ihm gegenüber in seinem Büro saß. “Pete Worden erzählte mir damals über den Abbau von Weltraumressourcen”, so Schneider. Er habe ihn damals fast für verrückt gehalten. “Die erste Frage, die ich mir stellte, war: ‘Was hat der Typ geraucht?’ Die zweite: ‘Wie bekomme ich ihn aus meinem Büro?'”

Das, was der Space-Mining-Pionier dem Minister erklärte, ergab dann schlussendlich doch Sinn. “Ich war recht schnell überzeugt.” Doch ein Minister alleine macht noch keine Politik. “Ich musste auch das Parlament von der Idee überzeugen, wenn ich die Zustimmung für die 200 Millionen Euro bekommen wollte, die ich für das Projekt brauchte.” “Was hat der Typ denn geraucht” sei eine der Reaktionen der Parlamentarier gewesen, als Schneider zum ersten Mal über das Thema gesprochen hatte. Doch auch diese sahen schlussendlich den Nutzen der Initiative ein und der Minister erhielt das Startkapital.

Rückhalt von allen Parteien

Was danach geschehen ist, ist fast schon Geschichte. Ein Gesetz und Fonds wurden erstellt und es wurde in Weltraumunternehmen investiert. 120 Firmen und Forschungseinrichtungen haben schon zumindest eine Verbindung nach Luxemburg. “Dies zeigt, dass die Entscheidung richtig war”, so der Minister.

Dass das Weltraumabenteuer mit den kommenden Wahlen ein rasches Ende finden wird, glaube der Politiker nicht. “Die Wahlen werden sich für euch wohl kaum zu einem Problem entwickeln”, so Schneider gegenüber dem Fachpublikum. “Für mich können sie es sehr wohl werden.” Die SpaceResources-Initiative hätte den Rückhalt von allen Parteien. Ein CSV-Politiker ist Mitglied im offiziellen Beratergremium von SpaceResources. “Auch wenn die Regierung wechseln sollte”, geht das luxemburgische Weltraumabenteuer also weiter.

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