Von Pol Schock

Der Luxemburger Historiker Gilbert Trausch ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Er galt als einer der renommiertesten Historiker des Landes, der die Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat.

Gilbert Trausch ist am Wochenende im Alter von 86 Jahren gestorben. Das bestätigen Kollegen und Bekannte auf Nachfrage. Trausch litt seit 2009 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Er galt als wichtigster Historiker Luxemburgs des 20. Jahrhunderts. “Wer sich für Luxemburger Geschichte interessiert, kommt an Trauschs Werk nicht vorbei”, sagt Denis Scuto, Historiker am Institut für Zeitgeschichte. “Er hat die Wissenschaftlichkeit in Luxemburgs Geschichtsforschung gebracht”, sagt Michel Pauly, emeritierter Professor der Universität Luxemburg. “Das war ein Paradigmenwechsel.”

Der frühe Trausch: Die kritische Phase

Nach seinem Abitur im “Lycée de garçons” in Luxemburg studierte er Geschichte an der Sorbonne in Paris und später an der Universität von Exeter. Er war maßgeblich geprägt von der französischen Annales-Schule. Die neue Methodologie der “nouvelle histoire”, die auf Marc Bloch und Lucien Febvre zurückgeht, setzte in ihrer Analyse Wirtschaft und Gesellschaft in den Vordergrund. Vereinfacht ausgedrückt versuchte die Annales-Schule, die Geschichte aus den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen zu erklären.

Trausch analysierte in den 1960ern und 1970ern mehrere Aspekte der modernen Geschichte Luxemburgs unter diesen Gesichtspunkten. So war ihm zufolge etwa der Klöppelkrieg Ende des 18. Jahrhunderts kein nationaler oder religiöser Befreiungskampf, sondern vielmehr ein sozioökonomischer Aufstand von hungernden Bauern. Der Bruch mit der nationalen Deutung des Klöppelkriegs brachte dem jungen Trausch damals viel Kritik ein. Dennoch halten Historiker wie Pauly, Scuto oder auch Benoît Majerus dieses Werk bis heute für einen Meilenstein der Luxemburger Geschichte.

In den 1970er Jahren war Trausch an der Überarbeitung der Geschichtsbücher des Grundschulunterrichts beteiligt. Laut Majerus ging er auch hier für Luxemburg neue Wege: Er erzählte die Geschichte Luxemburgs nicht mehr entlang von Dynastien und brachte Quellenmaterial ins Schulbuch.

Der Nationalhistoriker

Ende der 1980er Jahre organisierte Trausch die groß angelegte Ausstellung zu 150 Jahren Luxemburger Unabhängigkeit. Sie machte ihn definitiv zu einer bekannten Person des öffentlichen Lebens. Er war der erste und bisher einzige Historiker, der in einer Ausgabe des Superjhemp illustriert wurde, so Historiker Majerus. Allerdings brachte die Ausstellung Trausch auch den Ruf des staatstragenden Nationalhistorikers ein. Die Überblicksdarstellung “Le Luxembourg: Emergence d’un Etat et d’une Nation”, die begleitend zur Schau erschien, ist eine identitätsstiftende Erzählung zur Entstehung der Luxemburger Nation – mit klarem Anfang und Ende. “Das Werk ist durchaus relevant”, so Majerus, “aber Trausch entfernt sich deutlich vom kritischen Geist seiner Anfangswerke.”

In der Folge hielt Trausch, der als exzellenter Rhetoriker galt, etliche öffentliche Vorträge zu Gedenkanlässen. Er schrieb Beiträge für die BGL, die CSV oder andere Institutionen des Landes. Trausch wurde somit gewissermaßen selbst zu einer Institution des Landes.

Exzellent vernetzt

Von 1972 bis 1984 war er der Leiter der Nationalbibliothek. Nach der erfolgreichen Ausstellung von 1989 erhielt er sein eigenes Institut, wurde Direktor des “Centre d’études et de recherches européennes Robert Schuman” (CERE) und zum Regierungsberater ernannt. Zudem lehrte er an der Universität Lüttich und am College of Europe. Trausch galt dabei als international bestens vernetzt.

Für Scuto, Majerus und Pauly war Trausch der wichtigste Historiker Luxemburgs des 20. Jahrhunderts. Trausch war Vater von zwei Kindern.

Lesen Sie hierzu auch: Vom Kritiker zum Nationalhistoriker

 

2 Kommentare

  1. ee feinen an sympatheschen Mann.Ech hat hien als Geschichtsprof am Cours Universitaire an Ufank vun den 80er Joeren an hun hien gudd an Erennerung.RIP.

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