Gegen die rauen Sitten im Trucker-Business: So reagiert Luxemburg auf die geplanten EU-Standards

Die EU-Verkehrsminister einigten sich Anfang Dezember: Neue Standards sollen die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern verbessern. Ein absolutes Kabinenschlafverbot, mehr Lohn und allgemein bessere Sozialstandards stehen im Raum. Die Veränderungen könnten – werden sie im Januar vom Europaparlament angenommen – für zwei Millionen Lkw-Fahrer in Europa lebensverändernd sein. Nicht alle EU-Länder sind begeistert. Die Tageblatt-Journalisten Laurent Graaff und Melody Hansen haben sich umgehört.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Kommentar von Laurent Graaff

Das sagen die Fahrer

Es ist kurz nach 17 Uhr und es gießt in Strömen. So langsam füllt sich der Parkplatz in der Nähe der Tankstelle auf Windhof. Auch auf der „Aire de Capellen“ herrscht an diesem Mittwoch mehr und mehr Betrieb. Ein Teil der Fahrer ist redselig, andere, vor allem die aus den ehemaligen Ostblockstaaten, geben sich zugeknöpft. Zudem ist da eine echte Sprachbarriere, denn die meisten sind weder des Deutschen, Französischen noch Englischen mächtig.

Mario, 45, aus Berlin ist dabei, seinen Lkw zu betanken. Er hat mitbekommen, dass neue EU-Standards im Trucker-Geschäft eingeführt werden sollen. „Das ist Schwachsinn. Das sind Politiker, die saßen noch nie da drinnen“, sagt er und zeigt auf die Fahrerkabine. „Meiner Meinung nach sollte man es so machen, dass der Lkw-Fahrer drei Wochen fährt und dann zehn Tage Pause hat. Und was man noch machen müsste, wäre den Lohn anpassen. Alles andere ist nicht kontrollierbar.“ Mario ist seit 22 Jahren auf Achse. „Der Druck ist geringer geworden, durch die Kontrollen“, sagt er. „Früher sind wir mal eine Runde mehr gefahren, haben aber auch mehr Geld verdient als jetzt.“ Heute arbeitet er zwölf Tage und hat dann drei Tage frei. Mario hat gerade eine Fuhre in Kleinbettingen an der Mühle ausgeladen und ist unterwegs nach Saarbrücken. Wo es dann hingeht, weiß er noch nicht. „Immer etwas Neues“, sagt er und fügt hinzu, dass er an guten Monaten 3.000 Euro netto verdient. Heute wird er im Laster übernachten und auf dem Menü steht eine Pizza. „Das, was jetzt an Maßnahmen kommen soll, ist unbezahlbar. Oder kennen Sie ein Hotel, wo man den Lkw abstellen kann?“

André, 59, geht in drei Jahren in Rente. Er stammt aus der Nähe von Sarreguemines. Er fährt für ein französisches Unternehmen, das eine Filiale in Luxemburg hat. „Wenn man alles respektiert, ist an und für sich alles in Ordnung“, sagt er und blickt dabei sehr ernst. Seit 25 Jahren arbeitet er als Lkw-Fahrer. Von den neuen Gesetzen, die die Arbeitsbedingungen verbessern sollen, hat er noch nichts gehört, weshalb er denn auch sehr wissbegierig ist, was sich denn nun an den Fahrt- und Ruhezeiten ändern soll. Auch er hat im Übrigen wie sein Trucker-Kollege Mario gerade an der Mühle in Kleinbettingen abgeladen. Die nächste Station ist das Saarland, bevor es dann nach Lüttich geht.

Steve, 55, und Bob, 61, haben es sich in ihrer Fahrerkabine gemütlich gemacht und sind dabei, ein Feierabendbier zu schlürfen. „Die Arbeitsbedingungen sind nicht schlecht und wurden in den vergangenen Jahren zusehends besser. Zurückzuführen auf die Digitalisierung in der Fahrerkabine. Alles wird aufgezeichnet. Das Problem sind die Übernachtungsmöglichkeiten. Es fehlt an der nötigen Hotel-Infrastruktur und ich sehe nicht, wie sich das in Zukunft ändern soll“, so Steve, der aus der Nähe von Newcastle stammt. Problematisch sei das auch ab und an mit dem Duschen. Kürzlich habe man es einem Kollegen aus den Niederlanden nicht erlaubt, zu duschen, da er nicht getankt habe.
Steve und Bob werden sich die beiden Kojen in der Fahrerkabine ihres 360 PS starken Trucks teilen. „Der eine oben, der andere unten“, sagt Bob. Die beiden sind jetzt seit vier Wochen unterwegs und waren unter anderem in Rom und in Marseille. „Da war das Wetter wesentlich besser“, meint Steve. Als positiv sehen sie, dass sich die Politik überhaupt für die Arbeitsbedingungen der Fahrer interessiert. „Die aus dem Osten sind richtig arme Teufel. Da muss endlich etwas passieren“, sagt Bob und erklärt, dass es eine ...