Vorige Woche zitierte die Tageszeitung Le Quotidien die Sekretärin und Präsidentin des FC Blue Boys Mühlenbach, Mersija Dragolovcanin, dass Alkohol in Zukunft in dem Mühlenbacher Mathias-Mamer-Stadion nicht nur wie bisher verboten sei, sondern es auch Besuchern untersagt sei, alkoholische Getränke mitzubringen.

Die Begründung: „Si l’on fait ça, oui, c’est par rapport à la religion mais aussi parce que c’est illégal de vendre de l’alcool sur un stade.“ Der springende Punkt ist nicht das Alkoholverbot an sich, sondern dass die Religion als Grund genannt wird. Auf was müssen sich die Fans dann noch gefasst machen? Getrennte Tribünen für Männer und Frauen und eine bestimmte Kleiderordnung?

Und wäre Dragolovcanin konsequent, müsste sie des Weiteren nicht auch dafür sorgen, dass es vielleicht nicht nur halal, sondern auch koscher zu essen gibt, schließlich könnten sonst jüdische Fußballfans auf Diskriminierung klagen? Daneben stellen sich sehr praktische Fragen: Darf ich als Besucher einen Flachmann mitbringen und werde ich dann von Muslimen abgesondert?

Welcher Religion die Familie Dragolovcanin angehört und wie oft am Tag sie diese praktiziert, geht niemanden etwas an, doch ihre Praxis öffentlich anderen aufzuzwingen, zeugt von Intoleranz. Man könnte einwenden, dass ein Wirt auch selbst entscheidet, was er seinen Kunden anbietet. Doch diese Argumentation hat einen Haken: In ein Lokal begebe ich mich mit der Absicht, etwas zu trinken oder zu essen, und wähle mir die Kneipe dementsprechend aus; bin ich Fan von den Blue Boys und will die Mannschaft in ihrem Stadion sehen, dann muss ich mich den religiösen Ansichten Dragolovcanins beugen.

Es ist nicht der erste Fall von muslimischer Intoleranz hierzulande. Wir erinnern uns: Vor Jahren verweigerten muslimische Eltern ihren Kindern gemischten Sportunterricht. Dass es sich in beiden Fällen um Muslime handelt, ist unerheblich, denn das Grundproblem ist das gleiche bei muslimischen Hardlinern wie auch bei erzkonservativen Katholiken, die ihre Weltsicht als die Wahrheit sehen. Als Beispiel sei an „Fir de Choix“ erinnert, die partout nicht wahrhaben wollen, dass es nicht Sache der öffentlichen Schule ist, ihren Kindern von den Abenteuern eines gewissen Jesus zu erzählen.

Die Übertragung religiöser Werte in den öffentlichen Raum ist ein Problem, egal, ob es sich dabei um die Gesetze Jesu, Jahwes, Allahs oder Shivas handelt. Was mein Nachbar in seinen vier Wänden anbetet, muss dort bleiben. Dass er jedoch seine religiösen Ansichten anderen aufzwingen will, ist unannehmbar, denn ist das der Fall, befinden wir uns nicht mehr in einer freiheitlichen Gesellschaft. Eine multiethnische – wie es bei uns schon der Fall ist – ist nur möglich, wenn die religiösen Überzeugungen zu Hause bleiben.

Nachdem „Gambia“ die religiöse Vermummung in Luxemburg teilweise erlaubt hat, scheint die schleichende Übernahme des öffentlichen Raums durch religiöse Fanatiker voranzuschreiten.

21 Kommentare

  1. Hat die Frau das alleinige Sagen? Was sagen die Klubmitglieder dazu? Einen Sportklub der sich religiöse Dinge auf die Fahne schreibt sollte einfach boykottiert werden.

  2. Bravo Herr Molinaro, alles gesagt in Ihrem Kommentar. Dieses religiöse Verbot hat auch noch den Nebeneffekt, antimuslimische und fremdenfeindliche Ressentiments zu schüren. Ein Schuss ins eigene Knie nennt man sowas wohl.

  3. wou bleiwen d’sanktioune vun der flf? mir brauche keng integristen a relieis fanatiker am fussball. mir brauche beier an eng mettwurscht. a pyros, a gesaeng, a kee relieise schaiss, egal ob katho oder moslem. boykott millebach!

  4. Familie Dragolovcanin ass jo virum Krich an Ex-Jugoslawien geflücht. Welch Bass dëse Krich hat wësse Mir jo. De gréisste Misär den Dato op der Welt geschitt, geschitt am Numm vun dëser Religion. Hei war et bis elo Roueg… Bis elo…

    Bis hei hin an net weider! Dat muss gestoppt ginn !
    Merci H. Molinaro fir dei Information !

    Zu menger Persoun. Si kee Rietsen, wäit erwësch do wunn. War zu kengem Zäitpunkt Rassistesch.

    …die schleichende Übernahme des öffentlichen Raums durch religiöse Fanatiker voranzuschreiten…. De Saz muss engem Angscht maachen !

  5. Dass es in solchen Fällen um Muslime handelt, ist keinesfalls “unerheblich”. Schon allein wegen der Tatsache, dass es immer nur der Islam ist, der unserer Gesellschaft seine Gebote auf diese Art aufdrängen möchte. Dieses ewige, fast schon autmatische Relativieren mit dem maschinell anmutenden Verweis auf die keinen Deut toleranteren “erzkonservativen Katholiken” reicht längst nicht mehr, um sich und dem Leser die politisch unkorrekte Wahrheit schöner zu schreiben.

    • WIe sagte einst ein Philosoph der Neuzeit : ” Wir brauchen nicht Religionsfreiheit,sondern Freiheit von Religion.” Man sieht welche Einschnitte Religion in unserer Gesellschaft bedeuten kann,und seien sie auch noch so kleinlich peinlich. Aber viele Große Dinge haben klein begonnen. (9/11)

  6. Um Footballsterrain kee Beier. Ganz richtech. Fir Sonndesmettes ze saufen brauch keen Football kucken ze goen. De Beier um Footballsterrain fördert och dommt Gesabbels, ganz oft vun denen dei vill Beier gedronk hun an nach nie een Footballsmatch gespillt hun.

  7. „ Dass es sich in beiden Fällen um Muslime handelt, ist unerheblich, …“

    Es ist nicht unerheblich. Es gibt keine andere Religion, die für sich derart viele Ausnahmen einfordert wie der Islam. Diese Leute kamen (und kommen weiterhin) aus eigener Initiative ins westliche Europa und ich erwarte, dass sie – nach einer gewissen Eingewöhnungszeit – die in diesem Land bestehenden Vorgaben und Gesetze sowie unsere Kultur und Lebensweise, wenn schon nicht akzeptieren, dann wenigstens respektieren. Privat können sie zu dem Gott oder Propheten beten, der ihnen am besten gefällt; nach dem Koran leben darf in Luxemburg allerdings nur beschränkt möglich sein weil so manches nicht mit unseren Gesetzen kompatibel ist.

    Bassam Tibi, selbst Muslim und Professor an der Uni Göttingen bringt es in der NZZ auf den Punkt:
    „Eigentlich bedeutet Leitkultur nichts anderes als eine Hausordnung für Menschen aus verschiedenen Kulturen in einem werteorientierten Gemeinwesen. Die Einheimischen sollten den Mut haben, diesen Kanon selbstbewusst zu vertreten. Sie stossen damit niemanden ernsthaft vor den Kopf, am wenigsten die Muslime, die klare Ansagen mögen“.

    https://www.nzz.ch/feuilleton/die-islam-konferenz-ist-deutsche-unterwerfung-ld.1371525?reduced=true

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