Mit der Eröffnungsfeier beginnt heute die 29. Auflage der Universiade, an der Luxemburg mit elf Sportlern teilnimmt. Das Tageblatt unterhielt sich mit Delegationschef Marc Hoffmann über das zweitgrößte Multisport-Event der Welt und die Erwartungen des luxemburgischen Teams.

Tageblatt: Luxemburg reist mit elf Athleten zur Universiade. Wie sehen die Erwartungen im Vorfeld aus?
Marc Hoffmann: Das Niveau bei der Universiade ist sehr hoch. Es ist mit das Höchste, was es im Sport gibt. Einige der weltweit besten Sportler sind hier vertreten – somit ist es auch schwer, von Erwartungen zu reden. Wenn man sich die einzelnen Sportarten ansieht, dann hat Flavio Giannotte im Fechten ja in den letzten Wochen international von sich reden gemacht, als er bei der WM in Leipzig den Olympiasieger schlagen konnte. Hier kann man sich wohl auch das beste Resultat erwarten, doch auch in dieser Sportart kommt es immer auf die Tagesform an. In der Leichtathletik fliegen viele Teilnehmer direkt von der WM in London zur Universiade. Hier gibt es eine sehr starke Konkurrenz für die vier FLA-Athleten. Im Tischtennis ist Tessy Gonderinger verletzt, hinter ihrem Einsatz steht ein großes Fragezeichen. Wir gehen davon aus, dass sie wohl eher nicht antritt. Somit könnten wir dann auch nicht mehr am Mannschaftwettbewerb teilnehmen und dann würde Annick Stammet im Doppel an der Seite von Danielle Konsbruck spielen. Hier wäre man dann sicherlich weniger stark einzuschätzen. Im Judo ist es schwer, eine Prognose abzugeben, auch hier kommt es auf die Tagesform und die Auslosung an und dann kann es trotzdem sehr schnell vorbei sein, wenn man bei einer Niederlage nicht mehr in die Trostrunde kommt.

Welchen internationalen Stellenwert besitzt die Universiade?
Die Universiade ist die zweitgrößte Multisport-Veranstaltung der Welt, direkt hinter den Olympischen Sommerspielen. Alleine die Anzahl der Sportler liegt für diese Auflage um die 7.600. Wenn man dann noch die ganzen Begleitpersonen hinzuzählt, kommt man auf über 10.000 Personen. An das kommt nicht einmal eine Fußball-Weltmeisterschaft heran. Man muss sich nur den College-Sport in den USA anschauen, dann weiß man auch sofort, wie stark die Konkurrenz sein wird. Bei der letzten Universiade hat Fabian Hambüchen zum Beispiel Gold geholt und wurde dann ein Jahr später Olympiasieger. Für viele Sportler ist dieses Event das Sprungbrett für Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele. Ich persönlich bin auch sehr gespannt auf die Mannschaftssportarten, auch wenn Luxemburg hier kein Team stellt.

Wie wird entschieden, welche Sportler mit zur Universiade dürfen?
Die Auswahl erfolgt in Zusammenarbeit mit dem COSL und den einzelnen Verbänden. Meistens wird schon im Dezember geschaut, welche Athleten überhaupt infrage kommen und die Kriterien erfüllen. Dann spielen aber auch die Zeitpläne der einzelnen Sportarten eine wichtige Rolle. Laurent Carnol hätte beispielsweise in diesem Jahr noch starten dürfen, da aber die WM kurz vorher stattfand, war das Timing leider nicht ideal.

Mit elf Sportlern ist die luxemburgische Delegation größer als bei den letzten Auflagen. Welchen Aufwand bedeutet das für die Lasel?
Um den administrativen Teil kümmert sich die Lasel. Hier steht eine Menge Arbeit auf dem Programm, die in diesem Fall bereits ein Jahr im Voraus begann. Zu diesem Zeitpunkt macht man sich ein Bild darüber, wer für eine Nominierung infrage kommen könnte. Andere Länder haben alleine für den organisatorischen Teil zwei bis drei Personen fest eingestellt. Ansonsten bekommen wir aber auch finanzielle Unterstützung vom COSL und den Verbänden. An sich bezahlt jeder pro Sportler ein Drittel. Bei Athleten, die nicht im Kader des COSL sind, wird dann nach einer anderen Lösung gesucht. Mit elf Sportlern sind wir etwas größer als bei der letzten Auflage 2015 aufgestellt. Neben den Sportlern gehen auch Trainer der einzelnen Verbände sowie medizinisches Staff mit. Dies ist bei dieser Anzahl an Sportlern unbedingt erforderlich. Charline Mathias und Charel Grethen laufen beide die 800 und die 1.500 Meter. Sollten sich beide für die jeweiligen Finals qualifizieren, würden sechs Rennen auf dem Programm stehen. Dies wäre dann schon ein anstrengendes Pensum.

Was unterscheidet die Universiade von anderen großen Sportveranstaltungen?
Ganz klar die Atmosphäre. Wir sind zwar wie bei den Olympischen Spielen in einem Athletendorf untergebracht. Es gibt eine Eröffnungs-, eine Abschlussfeier und auch einen Fakellauf. Doch neben dem Sport rückt hier auch die Kultur in den Fokus. Unter den Studenten herrscht ein besonderer Zusammenhalt. Die Sportler und auch ich selbst freuen uns zudem darauf, eine neue Kultur kennenzulernen. Und wann hat man sonst die Möglichkeit, nach Taipeh zu reisen? Diese Mischung aus Sport und Kultur macht die Universiade so interessant. Wir wurden vor ein paar Wochen etwa von einem Vertreter Taiwans in Brüssel eingeladen. Hier hat man schon bemerkt, dass dies für alle Beteiligten etwas ganz Besonderes war.

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