Der Lokalsender „Péiteng on Air“ hatte gute Startchancen. Die Gemeinde wollte den eigenen Sender und die Moderatoren sind Radio-Enthusiasten. Sie haben Piratenzeiten hinter sich. Eine Zeit, an die sie sich gerne erinnern.

Die Geschichte von „Péiteng on Air“ beginnt an einem Abend im Sommer 2016. Drei Männer stehen am Tresen einer Kneipe in Petingen: Alain Krecké (58), Roland Breyer (76) und André Weber (67). Breyer ist damals Kulturschöffe der Gemeinde. Die beiden Eisenbahner – Krecké ist noch aktiv, Weber bereits im Ruhestand – reden über alte Zeiten. Sie erzählen dem Lokalpolitiker davon, wie es war, als sie als Moderatoren beim Piratensender RFM die Medienlandschaft im Land aufmischen. Ehrenamtlich, an ständig wechselnden Orten, immer auf der Flucht vor Entdeckung, aber mit Riesenanklang beim Publikum. „Wir waren eine echte Konkurrenz für RTL“, sagen sie. Politischer Druck beendet 1992 das Piratenleben. Vergessen haben sie diese Zeit nie.

Breyer hört zu. Als Weber von seinem Tonstudio zu Hause in Schifflingen erzählt, von wo es jederzeit wieder losgehen könnte, wird er hellhörig. Die Gemeinde sucht nach einer Möglichkeit, ihre Veranstaltungen besser zu vermarkten. Der Abend bringt den Befreiungsschlag für lang gehegte Träume. Weber alias Käpt’n Ändä hat sich mittlerweile als Stimmungskanone nicht nur bei der „Päischtcroisière“ einen Namen gemacht. Er hat auch einen Internetsender angemeldet. „Radio Bla-Bla“ sendet seit August 2016 Musik aus dem Keller seines Hauses.

Ersetzen tut das alles die RFM-Zeit nicht. Krecké und Weber nehmen den Kulturschöffen deshalb beim Wort. „Péiteng on Air“ geht zuerst über Internet online. Der Wirt der Kneipe, wo alles begann, stellt einen Raum. Die Ex-Piraten investieren in Technik. Was fehlt, ist eine Frequenz.

Radio sendet aus ehemaliger Kirche

Gleichzeitig wird die Gemeinde aktiv. Sie hat die ehemalige neuapostolische Kirche in der rue du Moulin in Lamadelaine 2015 für 325.000 Euro gekauft und will renovieren. Ein audiovisuelles Zentrum soll später dort entstehen, was sie sich noch einmal rund 1,1 Millionen Euro kosten lässt.

Warum der ganze Aufwand? „Weil wir noch kein Radio hatten“, macht Jean Weiler (60) den Witz aller Witze. „Jang“, Petinger, ehemaliger Torhüter und Sportschütze, ist der Sportexperte des Senders. Zwei Stunden lang deckt er sonntags mit Korrespondenten das Geschehen auf dem „Terrain“ ab. Kein Sprint, Sturz, Elfmeter oder Tor bleibt unkommentiert, wenn die Freelancer des Senders unterwegs sind.

Ein Server mit tausenden von Titeln sorgt für die Musik und zehrt von der Digitalisierung der privaten CD-Sammlung der Moderatoren. Wunschkonzerte oder Spezial-Musiksendungen gehören zum Programm. „Wir spielen Musik, die die Leute hören wollen“, sagt Marc Seywert (62), Spezialist für Rock und ebenfalls ein Ex-Pirat. Klassiker gemischt mit einigen wenigen Songs aus den Charts sind der typische Sound des Senders.

Zweite Frequenz beantragt

2018 steigt die Gemeinde offiziell ein und macht einen Glücksgriff. Die meisten der rund ein Dutzend Moderatoren, die sich 2017 in der gemeinnützigen Vereinigung „Radio-Télé Gemeng Péiteng“ zum Betrieb des Senders zusammenschließen, haben Radioerfahrung. Eine Konvention regelt den kommunalen Auftrag. Themen gibt es genug, Vereine sowieso. „Über 100“, sagt Breyer, heute Gemeinderat und Präsident des Fremdenverkehrsvereins. Im März ist Fasching das Topthema der Kultursendung mittwochs. Die Südgemeinde ist Hochburg im Land.

Im Gegensatz zu anderen Sendern haben die geladenen Studiogäste bei „Péiteng on Air“ viel Zeit vor dem Mikrofon. Keine Werbeblöcke unterbrechen, eine von leitenden Redakteuren vorgeschriebene Sendezeit gibt es nicht. Die Moderatoren arbeiten selbstbestimmt – fast wie zu RFM-Zeiten. Am 6. Januar 2019 moderieren Krecké und Weber die erste Sendung aus dem neuen Studio in der ehemaligen Kirche. Die Frequenz 102,2 wird ihnen sechs Monate vorher erteilt. Die Pläne sind groß, eine zweite Frequenz ist beantragt. „Wir wollen die Menschen bis zum Zentrum des Landes erreichen“, sagt Krecké. Und dieses Mal soll das ganz legal passieren. Von der Politik sogar gutgeheißen.


Petinger Kavalkade

Faschingsmuffel haben es in Petingen schwer. Die Gemeinde ist eine der Hochburgen im Land und verfügt mit dem „KaGePe“ über einen seit 80 Jahren bestehenden Karnevalsverein, der international vernetzt ist. Er ist Mitglied der „Federation of European Carnival Cities“ und der RKK (Rheinische Karnevals-Korporationen). Im Kulturjahr „Esch 2022“ ist Petingen offiziell beauftragt, eine große europäische Kavalkade zu organisieren, heißt es aus dem Rathaus.

Die Kavalkade findet am 31. März statt. Dann ziehen 25 Wagen, 1.600 Menschen und 64 Gruppen sechs Kilometer durch den Ort. Sechs Tonnen Bonbons kommen unter die Leute. Rund 35.000 Besucher nehmen jedes Jahr am Event teil. Seit 1969 wird die Kavalkade von einem Prinzenpaar angeführt.


Péiteng on Air

Der Radiosender ist in der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Lamadelaine untergebracht. Die Räumlichkeiten wurden nicht mehr genutzt und 2015 von der Gemeinde für 325.000 Euro erworben. Ursprünglich war der folgende Aus- und Umbau für ein „Multimedia-Projekt“ gedacht. Das Angebot sollte sich an Schüler richten, wurde aber von den Schulen nicht so angenommen, wie sich die Gemeinde das erhofft hatte. Im Untergeschoss befindet sich ein komplett eingerichtetes Fernsehstudio, das derzeit aber nur für Videoproduktionen benutzt wird. Es mangelt an einem Betreiber, teilt die Gemeinde mit.

Der Betreiber des Senders, „Radio-Télé Gemeng Péiteng“, erhält pro Jahr 10.000 Euro von der Kommune mit der Auflage, Informationen über lokale Vereine, Kultur- und Sportveranstaltungen in Petingen zu senden. Im Oktober 2018 hat die Gemeinde dies mit den Betreibern in einer Konvention vereinbart.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here