Einen sonnigen Tag im Kreise von Familie und Freunden im Zoo verbringen. Für die meisten von uns ist das zwar etwas Besonderes, jedoch nichts Außergewöhnliches. Aber nicht jeder hat das Geld, um den Eintritt zu zahlen, oder ein Auto, um dorthin zu gelangen. Deshalb lud die “Stëmm vun der Strooss” am Donnerstag zum Ausflug nach Amnéville in den Zoo ein.

“Für mich ist das Schönste an diesen Ausflügen, wenn die Menschen dabei einen schönen Moment verbringen”, sagt Alexandra Oxaceley mit einem Lächeln, als sie in die fröhlichen Gesichter der Teilnehmer blickt. Als Verantwortliche der “Stëmm vun der Strooss” ist sie für die Organisation der Ausflüge zuständig. 93 Menschen, darunter Bedürftige, Obdachlose, Geringverdiener, Jugendliche in Schwierigkeiten, Langzeitarbeitslose, Drogenabhängige, Alkoholiker, ehemalige Sträflinge und psychisch Kranke, hatten sich für den Ausflug in den Zoo angemeldet. Ganze 90 sind tatsächlich gekommen.

Für Sandra und ihren Sohn Jason haben die Ausflüge schon Tradition.

1999 organisierte die “Stëmm”, wie die Mitglieder sie abkürzend nennen, den ersten Ausflug. Schon damals war Alexandra mit dabei. Seitdem hat sich das jährliche Event zu einer Tradition entwickelt. Etwas, worauf sich die Menschen freuen. “Im letzten Jahr waren wir am Baggerweiher in Remerschen. Dann haben wir schon die ‘Grotte de Han’ in Belgien oder den Europapark besucht”, erzählt die Verantwortliche der “Stëmm”. Ihr liebster Ausflug bisher war der nach Paris.

Ein Besuch im Zoo ist für einige Teilnehmer etwas ganz Besonderes. Denn manche von ihnen hatten noch nie die Möglichkeit dazu. “Ich dachte immer, ein Zoo sei eine riesige Fläche, auf der die Tiere alle zusammenleben, ohne Abtrennungen”, erzählt Hamsa, der seinen Augen kaum traut, als er den schönen Park betritt.

Ins Wasser fallen lassen oder nicht? Auch den Tieren ist ziemlich heiß.

Für ihn geht es bei diesem Ausflug allerdings nicht nur um Spaß: “Ich mache quasi das Gleiche wie Sie”, sagt er mir gegenüber lachend. “Ich bin Redakteur für die Zeitung der ‘Stëmm’ und will heute auch über den Tag im Zoo berichten”, erklärt er.

Erstmals Rollstuhlfahrer dabei

Stéphane und Thilo kommen gerade mit leuchtenden Augen aus der Tiger-Show. Beide sind Köche bei der “Stëmm”. Thilo übt diesen Beruf schon seit insgesamt 35 Jahren aus, vier hiervon bei der “Stëmm”. Inzwischen arbeitet er als Chefkoch. Er spricht nur Deutsch, Stéphane nur Französisch – trotzdem verstehen sich die beiden ohne Probleme. “Mir hat die Show richtig gut gefallen”, schwärmt Stéphane, der zum ersten Mal Tiger von Nahem gesehen hat. Er wolle allerdings noch unbedingt die Pinguin-Show sehen.

Den Hobbyfotografen unter den Teilnehmern bieten sich viele tolle Motive

Tun rollt entspannt mit seinem elektrischen Rollstuhl durch den Zoo. “Wir haben in diesem Jahr zum ersten Mal zwei Rollstuhlfahrer mit dabei”, erklärt Alexandra Oxaceley. Darüber freut sich Tun natürlich.

Zufrieden schlürft er sein Wassereis, das Alexandra ihm und einigen anderen in der Runde gerade spendiert hat. Bei der Hitze eine willkommene Abkühlung.
Amina ist Friseurin bei der “Stëmm” und zum ersten Mal mit ihrer Familie bei einem Ausflug dabei. “Wir genießen den Tag hier sehr”, freut sie sich. Sie finde es sehr wichtig, dass die Organisation Bedürftigen diese Möglichkeit anbiete.

Alexandra schaut sich mit den Teilnehmern die Vögel an

Ihre Tochter sowie ihr Neffe sind auch mit dabei. Was denn ihre Lieblingstiere im Zoo seien? “Der Löwe”, antworten die beiden einstimmig. Es sei das erste Mal, dass so viele Kinder mitkommen, stellt Alexandra fest. Zehn an der Zahl sind mitgefahren.
Luigi und Marie-Luce haben sich bei der “Stëmm” kennengelernt. Sie verbindet inzwischen eine enge Freundschaft. “Die Ausflüge sind sehr angenehm. Wir amüsieren uns immer prächtig, treffen Freunde und lachen viel”, sagt Luigi.

Freundschaften und Erinnerungen, die den Menschen bei der “Stëmm” geschenkt werden – mit keinem Geld der Welt bezahlbar.

4 Kommentare

  1. Eine wunderbare, nachahmenswerte Initiative der ” Stëmm vun der Strooss”. Das ist gelebte Menschlichkeit, im Gegensatz zur Initiative von Kaempf und Co. die sich an die schönen Reichen wendet, die eh im Luxus baden!

  2. Zou Letzebuerg get et esou fill Kierchen dei eidel stinn ausser 1 Stonn t’Woch, ….. an dann nach !!!!!
    Hei dierft et eigendlech KENG sans-abrisen mei ginn !!

    • Ët gin sans-abris déi op KEE FALL wëllen ënnerdaach, hei nët, an D. nët, an F. nët….. A wann ee se an iergendenger Struktur ënnerbréngt as hire Problem nach nët geléist! Jiddereen as anescht, tickt anescht an vill huet kee Problen mam Zoustand “sans abri”. Mir hun hei sans-abris aus allerlee Häre Länner a vill vun deenen wëllen guer näischt un hirem Liewen änneren. Scho guer nët zwangsagewisen sin egal wou.
      Gitt op d’Hollerecher Plats oder op den Dernier Sol hannert der Gare, a schwetzt mat hinnen. Loost awer Krawatt a sondesse Kostüm dohém.

  3. …und auf den komfortablen Bänken nächtigen oder was? Wo sich duschen? Wo zur Toilette? Wo kochen? Bevor man eine Kirche zu Wohnraum umbaut, ist ein Neubau ganz bestimmt kostengünstiger!

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here