In den Escher Vierteln Wobrécken, Neiduerf und Uecht wehren sich zurzeit die Anwohner gegen Neubauprojekte. Die Entscheidung des Schöffenrats, das Ariston nicht zu kaufen, war gar landesweit auf Widerstand gestoßen. Die Escher Sektion von “déi Lénk” übte am Freitag auf einer Pressekonferenz im Sitzungssaal der Gemeinde heftige Kritik an der Informationspolitik des Schöffenrats.

Nachdem der CSV-“déi gréng”-DP-Schöffenrat die Gemeinderatssitzung vom vergangenen Freitag wegen eines “manque de points pertinents” kurzfristig abgesagt hatte, informierte die LSAP-“déi Lénk”-Opposition die Öffentlichkeit in einer gemeinsamen Stellungnahme darüber, dass sie einen Antrag eingereicht habe, um eine Diskussion über die Zukunft des Ariston-Gebäudes auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu setzen. In dieser Woche legte “déi Lénk” noch einmal nach und berief für den gestrigen Freitag eine Pressekonferenz ein, auf der sie die “chaotischen Zustände” anprangerte, die derzeit in der einstigen Minettemetropole herrschen.

“Es tut sich so manches in Esch. Die Zeitungen sind voll. Der Schöffenrat hat es in nicht einmal anderthalb Jahren geschafft, dass sich in fast allen Stadtvierteln die Bürger gegen die Gemeinde mobilisieren”, sagte der Abgeordnete und Gemeinderat Marc Baum. Entscheidungen würden über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen, die Bürgerbeteiligung sei abgeschafft, die Leute würden nicht ernst genommen und die Kommunikation der Gemeinde sei desaströs. Was der Schöffenrat zurzeit praktiziere, sei “ein einziges Chaos”, so Baum.

Beispiele für diese Behauptungen führte die Partei gleich mehrere an. Da wäre zum einen die Abholzung einer 200 Meter langen Baumallee entlang des Boulevard Grande-Duchesse Charlotte. Neben der Tatsache, dass diese Allee einen Sicht- und Lärmschutz für die Anwohner der viel befahrenen Straße darstellte, bedauerte der Lénk-Politiker Tun Jost vor allem, dass der Schöffenrat im Vorfeld der Abholzung keine Bürgerversammlung einberufen hatte, um die Anwohner über die Aktion in Kenntnis zu setzen.

Neudorf und Portal Eent

Ein zweites Beispiel, das gestern aufgegriffen wurde, ist der Widerstand gegen ein geplantes Mehrfamilienhaus im Viertel Neudorf. Dort sollen mehrere Einfamilienhäuser einem Neubauprojekt weichen, das mit 13,50 Metern deutlich höher als die Nachbarhäuser sei. Die Anwohner würden daher nicht nur eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität, sondern auch ihrer Privatsphäre befürchten, erläuterte Laurent Biltgen, der wegen des Rotationsprinzips bei “déi Lénk” im kommenden Jahr ein zweites Mal Mitglied des Gemeinderats werden könnte. Wegen der Tiefe des Neubaus, der über zwei Untergeschosse verfügen soll, hätten die Anwohner Angst, dass Schäden an ihren Häusern entstehen könnten. Die Häuser dort seien fast 100 Jahre alt und die meisten seien noch mit “Minettssteng” gebaut.

Das Problem sei aber vor allem, dass sich die Menschen im Neudorf von der Gemeinde im Stich gelassen fühlten, so Biltgen. Der Schöffenrat interessiere sich nicht für die Leute, die hinter der Brücke wohnen, hätten die Anwohner ihm gesagt, meinte Biltgen, der bemängelte, dass die Gemeindeführung es auch bei diesem Projekt versäumt habe, die Bürger im Vorfeld zu informieren, so wie es in den vergangenen Jahren üblich gewesen sei. Gleiches gelte für die unerwartete Rückkehr des 19-stöckigen Hochhauses im Rahmen des Neubauprojekts “Portal Eent” auf dem Standort der ehemaligen Losch-Garage am Boulevard Prince Henri, meinte Gemeinderätin Line Wies.

Obwohl eine alternative Variante mit zwei niedrigen Gebäuden bereits einstimmig vom Gemeinderat angenommen worden war, reichte der Bauherr vor zwei Monaten eine Änderung des PAP ein, der erneut ein Hochhaus vorsah. Die Änderung stieß auf den Widerstand der Anwohner, die eine Petition starteten. Ihre Kritik zielte auch darauf ab, dass sie im Vorfeld nicht von der Gemeinde über diese Änderung informiert worden waren. “déi Lénk” sei nicht gegen das Hochhaus an sich, sondern gegen die Vorgehensweise des Schöffenrats, dem es an Argumenten fehle, um das hohe Gebäude gegenüber den Bürgern zu legitimieren, wie Line Wies beteuerte: “Es geht nicht um die Ästhetik des Turms, sondern um eine politische Entscheidung, die hinterlistig getroffen wurde”, betonte die Rätin.

Die Affäre Ariston

Während bei den ersten drei Beispielen vor allem die Bewohner der jeweiligen Viertel Widerstand leisten, sei bei der Frage um die Erhaltung des Ariston eine landesweite Protestaktion zu beobachten, erklärte Marc Baum. Mehr als 1.100 Bürger, darunter auch viele Nicht-Escher, hatten in den vergangenen Wochen eine Petition zur Rettung des Traditionskinos unterzeichnet.

Obwohl sich sämtliche Parteien im kommunalen Wahlkampf 2017 für die Erhaltung des Gebäudes als Kulturzentrum ausgesprochen hatten und dies auch im Koalitionsabkommen der Mehrheit festgehalten worden war, hatte CSV-Bürgermeister Georges Mischo im Dezember 2018 angekündigt, die Stadt habe kein Interesse mehr am Ariston. Als Begründung hatte Mischo in der Folge die zu hohen Renovierungskosten und Kulturschöffe Pim Knaff fehlende Ideen angeführt. Diese Argumente wies Baum gestern von der Hand. Vor zwei Wochen, nachdem Kulturministerin Sam Tanson angekündigt hatte, das Ariston schützen zu lassen, hatte der Schöffenrat dann eine Pressekonferenz organisiert, wo der Bürgermeister und sein Kulturschöffe ankündigten, dass sie ein regionales Kinder- und Jugendtheater im Ariston einrichten wollten, jedoch ohne das Gebäude zu kaufen. Stattdessen sollten sich der Staat, Esch 2022 und die Nachbargemeinden an der Finanzierung beteiligen.

Insbesondere dieses Vorgehen sorgte bei Baum für Fassungslosigkeit. Der Haushaltsüberschuss von Esch liege bei 60 Millionen Euro, seit zwei Jahren schwimme die Stadt im Geld. Wenn nicht jetzt, wann dann sollte die Gemeinde in Kulturinstitutionen investieren, so Marc Baum.

2 Kommentare

  1. Georges Mischo ist kein guter Bürgermeister, unter Vera Spautz hatten die Escher schon zu leiden aber der jetzige Bürgermeister Georges Mischo übertrifft sie alle.
    Esch will Kulturhauptstadt werden was für ein Chaos, erst hat man Janina Strötgen samt Kollegen erfolgreich gemobt und jetzt folgt eine Katastrophe nach der anderen, man hat das Gefühl das die Escher Gemeinde überhaupt kein Interesse am Erhalt und an der Kultur der Stadt Esch hat.
    Wie ich schon des öfteren hier mitteilte benutzen die meisten Kommunalpolitiker Esch nur als Sprungbrett um in die Abgeordneten Kammer zu kommen statt sich erst einmal erfolgreich darum zu kümmern was aus Esch wird denn das ist primär der Job für den sie gewählt worden.
    Weiterhin habe ich auch zu bemängeln das sich hier auf der erneuerten Rue des Remparts ( Place Grobiirchen bis Eglise St. Josef II ) trotz mehreren Reklamationen auch bisher nichts geändert hat, Die Straße wird nach wie vor als Abkürzung genommen und gleicht an manchen Tage einer F1 Piste obwohl es eine ausgeschilderte 2o iger Zone ist aber das scheint keinen zu Interessieren insbesondere die Gemeinde nicht man will wahrscheinlich erst warten bis eins der kleinen Kinder die hier wohnen unter einem Auto liegt.

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