Es sind diese Ereignisse, die einem ganz schnell vor Augen führen, wie unwichtig viele unserer Alltagsprobleme eigentlich sind. So erkranken etwa 30 Kinder jährlich in Luxemburg lebensbedrohlich. Ein Luxemburger Verein erfüllt einigen von ihnen ihren größten Wunsch.

Von Pascal Hansen

„Unser Schaffen bringt den Kindern viel Kraft zum Überleben“, sagt Marcel Hagendoorn, der Präsident der Vereinigung „Kanner Wonsch“. Wie der Name es schon erahnen lässt, erfüllt der Verein Kindern, die unter einer lebensbedrohlichen Krankheit leiden, ihren größten Wunsch. Prinzipiell kann jeder ein entsprechend betroffenes Kind dafür vorschlagen.

„Wir setzen uns dann mit den Eltern in Kontakt und reden nach deren Erlaubnis mit dem Arzt. Erst wenn dieser uns bestätigt, dass es sich tatsächlich um eine lebensbedrohliche Krankheit handelt, werden wir aktiv“, erklärt der gebürtige Niederländer.

Einige der “Kanner Wunsch”-Helfer mit der kleinen Zoé

Laut Statistik sind in Luxemburg jährlich etwa 30 Kinder betroffen. 60 Prozent der Kinder, die eine solch dramatische Diagnose erhalten, überleben ihre Krankheit nicht. „Wir reden aber lieber von den anderen 40 Prozent“, so Marcel Hagendoorn. Das sei immerhin erbaulicher und verbreite Optimismus unter den 64 Freiwilligen und dem hauptberuflichen Mitarbeiter der Organisation.

Zunächst wurde “Kanner Wonsch” in Luxemburg unter “Make a wish“ ins Leben gerufen, als Ableger einer in den 90er Jahren in den USA gegründeten Vereinigung aus den USA. Das war 2012. Mittlerweile habe man sich aber von der Mutterorganisation abgenabelt und eine eigene Vereinigung gegründet, auch um keine Lizenzgebühren mehr nach Amerika zu entrichten. Das Geld gebe man lieber in Luxemburg direkt aus. Es soll den erkrankten Kindern zugutekommen. Und Geld braucht die Charity-Vereinigung zur Genüge. „Die Wünsche, die wir den Kindern erfüllen, schlagen schon mal ins Geld. Geld, das wir über unsere traditionelle Galaveranstaltung im Cercle Cité, über Spenden und über Sponsoring einnehmen“, erklärt der Präsident mit viel Herzblut.

Ein Beispiel: Mitte Oktober hat die Vereinigung „Bauschelter Klunscherten“ ein Erntedankfest im schmucken Öslinger Dörfchen Bauschleiden veranstaltet. Den Erlös von mehr 1.000 Euro überreichte sie kürzlich dem „Kanner Wonsch“. Der Bürgermeister von Bauschleiden, René Daubenfeld, zeigte sich hocherfreut über die Initiative der „Bauschelter Klunscherten“, begründet von den Ehepaaren Antinori und Albers. „Wir können nur bewundern, was die beiden Ehepaare auf die Beine gestellt haben“, so Daubenfeld. Neben dem Scheck der „Klunscherten“ erhält „Kanner Wonsch asbl.“ auch noch eine Spende der Gemeinde.

Michael, Alexandre, Anthea …

Er kennt viele herzzerreißende Geschichten von einzelnen Kinderschicksalen, die einem vor Augen führen, wie unwichtig so manche unserer Alltagsprobleme eigentlich sind. Marcel Hagendoorn erzählt vom schwer kranken Michael (17), der das Buch seines bereits an der gleichen Krankheit verstorbenen Bruders unbedingt verlegen wollte, und dies auch dank mehrerer Sponsoren und einer groß angelegten Werbekampagne erfolgreich hinbekam. Alle 500 Bücher wurden verkauft.

Dann berichtet Hagendoorn über eine groß angelegte Aktion für den an Leukämie erkrankten fünfjährigen Alexandre, der unbedingt einmal im Leben ein Superheld sein wollte. Ein Autorenteam schrieb ein Drehbuch, Freiwillige organisierten ein Super-Auto (dabei handelte es sich um einen McLaren), ein Sportflugzeug sowie ein Superheldenkostüm für den Kleinen. Als der besondere Tag gekommen war, holte ihn morgens sogar die echte Polizei ab und abends überreichte ihm auch noch Großherzogin Maria Teresa höchstpersönlich einen Orden.

 

Ausführlich erzählt Hagendoorn auch von der an einem Tumor erkrankten Anthea. Für ihren vierten Geburtstag hatte sie einen außergewöhnlichen Wunsch: einen Märchenprinzessinnen-Geburtstag. „Kanner Wonsch asbl.“ mietete das Château de Septfontaines im Rollingergrund, stellte eine Hüpfburg auf, organisierte märchenhafte Geburtstagskuchen, Face-Painting, eine riesige Kinderparty und lud über 80 Gäste ein: Schulkameraden, Freunde und sogar Verwandte aus Spanien. Alle wollten Anthea noch einmal sehen. Morgens fuhr die Limousine vor und dem Mädchen wurde ein Prinzessinnenkleid angezogen. Anthea erlebte an diesem Tag die schönste Party ihres Lebens. Es sollte gleichzeitig ihr letzter Wunsch werden. Drei Wochen nach ihrem Prinzessinnen-Geburtstag starb Anthea.

 

 

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