Immer mehr Länder weltweit beschäftigen sich mit Videospielen und gehen gegen sogenannte “Loot Boxes” in Spielen vor. In Luxemburg ist das Thema bislang noch nicht angekommen.

Für Gamer war 2018 ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen. Einige sehr gute Titel sind erschienen, das Entwicklerstudio Telltale ging pleite, die Aktie von Activision Blizzard stürzte nach einigen merkwürdigen Entscheidungen ins Bodenlose und Bethesda hat versucht, Spielern, die wegen Mogeln gesperrt wurden, in guter alter Oberlehrer-Manier einen Aufsatz aufzubrummen. Zwei Branchen-Themen gewannen an Bedeutung. Die Praxis der Mikro-Transaktionen wird von Spielern immer heftiger kritisiert. Dabei verkaufen die Videospiel-Konzerne Top-Titel (rund 60 Euro) und verlangen dann weitere kleine Bezahlungen für zusätzliche Inhalte. Diese können kosmetisch sein, aber teilweise auch das Spieleerlebnis entscheidend beeinflussen. Viele Kritiker dieser Praxis monieren, dass man für einen so hohen Preis doch wohl ein fertiges Spiel erwarten könnte.

Für Diskussionsstoff sorgte ab 2017 auch das Thema Lootboxen. Darunter versteht man ein virtuelles Paket, das Spieler gegen Geld kaufen können und verschiedene “Gegenstände” für das Spiel enthält. Der Spieler weiß im Vorfeld nicht, was er erhalten wird – wie bei einer Wundertüte. Bei Fußball-Games kann es sich zum Beispiel um wertvolle Partien handeln, bei Ego-Shootern um bestimmte Waffen. Das Thema beschäftigte nicht nur die Gamer-Szene, sondern auch die Politik in vielen Ländern. In Belgien kam das Justizministerium nach monatelanger Analyse zu der Entscheidung, dass Lootboxen als Glücksspiel zu werten sind. Das Ministerium legt in seinen Ausführungen insbesondere einen Fokus auf den Schutz von Kindern, für die Glücksspiel schädlich sei. Daher sei es unter Strafe verboten, in Belgien Lootboxen anzubieten.

Die Diskussion schwappte auf andere Länder über. Die französische “Autorité de régulation des jeux en ligne” kritisierte zwar Lootboxen, hat sie jedoch nicht verboten. Für die niederländischen Behörden stellte vor allem die Tatsache, dass die Gewinne aus Lootboxen manchmal außerhalb des Spiels gehandelt werden können, ein Problem dar – sie haben also einen realen, greifbaren Wert. Bis in die luxemburgische Politik hat es das Thema jedoch noch nicht geschafft. Das hat der Abgeordnete Sven Clement (“Piratepartei”) gegenüber dem Tageblatt bestätigt. Würde man die Situation analysieren, müsste man zu dem Schluss kommen, dass es sich bei Lootboxen um ein Glücksspiel handelt, folgert Clement. Eine Lösung zu finden, ist allerdings nicht leicht.

Europäische Lösung vorzuziehen

Eine Klage könnte eventuell zur Folge haben, dass die entsprechenden Titel in Luxemburg nicht mehr angeboten werden. Gut für den Jugendschutz, meint Clement, aber nicht gut für die Wettbewerbsfähigkeit Luxemburgs. Viele Videospiele-Unternehmen hätten ihr geistiges Eigentum in Luxemburg geparkt. Der Abgeordnete befürwortet in dieser Frage eine europäische Lösung. Clement unterstreicht, dass Lootboxen durch ihr Suchtpotenzial auch ein Problem für die öffentliche Gesundheit darstellen. Beim Öffnen von Lootboxen würden Adrenalin und Glückshormone ausgeschüttet. Die Spieler bekommen einen “Kick”. Eine Sucht entsteht.

Aber nicht nur Kinder und Jugendliche seien gefährdet, sondern auch Erwachsene, meint Clement. In Ermangelung einer europäischen Lösung müsse Aufklärung betrieben werden. Von Eltern und von Schulen. Stichwort: Medienerziehung. Das sei aber nicht immer einfach, sagt Clement: “Oft haben die Kinder mehr Ahnung von ihren Handys als die Lehrer.” Das Thema Spielesucht müsse zudem in allen Altersgruppen thematisiert werden, unterstreicht der Abgeordnete. Luxemburg müsse das Gespräch mit den Unternehmen suchen und könne einen klaren rechtlichen Rahmen schaffen – und die daraus resultierende Rechtssicherheit zu seinem Vorteil nutzen.

In Belgien beugten sich die Videospiele-Firmen nur widerwillig den neuen Regeln. Kurz nach der Feststellung der belgischen Behörden, die Lootboxen würden gegen das Recht verstoßen, veröffentlichte der Hersteller Blizzard folgendes Statement: “Obwohl wir bei Blizzard über diese Folgerungen überrascht waren und die Meinung nicht teilen, haben wir entschieden, uns dieser Auslegung des belgischen Rechtes zu beugen.” Auch Valve und 2K haben ihre Systeme an diese neue Entwicklung angepasst.

Der kanadische Konzern Electronic Arts hat sich allerdings geweigert, sich den belgischen Regeln zu beugen. Medienberichten vom September zufolge hat die Brüsseler Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet.

1 Kommentar

  1. Das Problem liegt an der Habgier der Menschen. Auf Plattformen wie Steam werden qualitativ minderwertige Spiele angeboten und auch von vielen Menschen noch gekauft. Es ist nicht selten dass jemand 300 Spiele besitzt (man kann die Spiele seiner Freunde ansehen) und davon nur 10 bis 20 fertig gespielt hat. Früher (also vor 15 Jahren) hat man 1 Spiel pro Jahr geschenkt bekommen und hat es auch durchgespielt, wenn nicht sogar mehrmals. Heute kaufen alle monatlich 1 Spiel und beschweren sich dann über den Preis wenn 1 Blockbuster rauskommt. Ich gebe also der Spieleindustrie eher recht als den Spielern: Sie sollen die Preise der Spiele von 50 auf 100 Euro erhöhen und somit Lootboxes streichen.

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