Die europäische Stahlbranche sieht sich in einer Krise. Neben einer Flut aus Stahlimporten steht sie unter Druck, CO2-Emissionen zu verringern. Doch die Branche kann nicht so schnell innovieren, wie es die Politik verlangt, behauptet sie.

„Die Herausforderungen, die sich heute stellen, haben das Potenzial, die komplette europäische Stahlindustrie auszulöschen!“ Das sagte der Präsident der europäischen Eisen- und Stahl-Lobby-Organisation Eurofer, Geert van Poelvoorde, gestern in Brüssel bei einem Branchentreffen. Nur wenn die Branche innoviere, könne sie die kommenden Herausforderungen in eine Chance verwandeln.

Die Frage, die sich nun stelle, sei, ob wir ein Europa ohne Stahlproduktion oder ein Europa mit einer modernen Stahlproduktion wollen, sagte Van Poelvoorde. Die europäische Wirtschaft sei nun sechs Jahre in Folge gewachsen und werde voraussichtlich auch weiter wachsen, so Van Poelvoorde. Auch die Stahlnachfrage sei bislang gewachsen. Für dieses Jahr wird allerdings eine Baisse bei der Stahlnachfrage um 0,4 Prozent erwartet. Die Konsequenz seien Werksschließungen und Entlassungen.

Wie kam es dazu? Die Stahlbranche habe immer noch enorme Überkapazitäten, sagte Van Poelvoorde. Die Branche könnte 125.000.000 Tonnen Stahl mehr im Jahr produzieren, wenn es Abnehmer gäbe. Ein großer Teil dieser Überkapazitäten befinde sich in China. Deshalb errichteten Länder wie die USA nun Handelsbarrieren in Form von Einfuhrzöllen, um ihre eigene Stahlindustrie zu schützen, erklärte Van Poelvoorde.

Stahl geht nach Europa statt in die USA

Zwei Drittel des Stahls, der nun nicht mehr in die USA geliefert wird, landet in Europa, sagte der Eurofer-Präsident unter Berufung auf Zahlen seiner Organisation. Auf der anderen Seite hält eine schlimme Rezession die Türkei im Würgegriff. Die einheimische Nachfrage nach Stahl ist gesunken. Die dortigen Stahlproduzenten können ihren Stahl nicht mehr innerhalb der Türkei verkaufen und exportieren ihn nach Europa. Europas Stahlimporte sind in den letzten Jahren durch die Decke gegangen. Und: Europas Schutzmaßnahmen funktionieren nicht richtig.

In Europa sind 320.000 Menschen in der Stahlindustrie beschäftigt. Die Zahl der Arbeitsplätze, die der Sektor indirekt ermögliche, sei um ein Vielfaches höher.
Es erscheine „unwirklich“ und „abstrakt“, wenn man bedenke, dass 320.000 Menschen ihre Arbeit verlieren könnten, weil die Schutzmaßnahmen nicht richtig funktionieren, so Van Poelvoord. Wenn aber an einem Standort Menschen entlassen würden, dann nehme das Problem plötzlich eine sehr reale Form an – und in der Politik breche Panik aus.
„Das ist ein sehr ernstes Problem. Und es ist enttäuschend, dass es in Europa so lange dauert, bis etwas unternommen wird, und in der Zwischenzeit Schaden entsteht“, sagte Van Poelvoorde.

Politischer Druck

Auch der politische Druck zur Dekarbonisierung macht ihm Sorgen. Die Stahlbranche versuche, zu innovieren und den CO2-Ausstoß zu verringern. Allerdings brauche das Zeit. Die derzeitigen Methoden seien über hundert Jahre entwickelt worden. Diese zu ändern, brauche mehr als zwei Jahre – und Geld.

Die Stahlbranche könne die Finanzmittel für große Innovationsprogramme nicht selber aufbringen. Das sei unmöglich. Das Emissionshandelssystem in der EU sorge zusätzlich dafür, dass die Hersteller in Europa ihre Produktion zurückfahren. Wenn in Zukunft der CO2-Freibetrag immer weiter gesenkt werde, würde die Stahlproduktion gleichermaßen gesenkt. Es mangele nicht an der Bereitschaft der Branche, sich weiterzuentwickeln. Die Freimenge sinke einfach schneller, als die Branche innovieren könne.

Gleiche Voraussetzungen

Dies könne gestoppt werden, indem man einen Wettbewerbsvorteil für Niedrigemissions-Stahlproduktion schafft. „Ich glaube daran, dass das die Chance ist, die wir ergreifen sollen.“ Er empfiehlt Maßnahmen gegen Stahl aus Ländern, die keine CO2-Auflagen haben – damit gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer aus Europa und von außerhalb Europas herrschen können.

„Ja, es gibt eine Zukunft für die Stahlbranche in Europa, denn ohne die Stahlbranche gibt es keine Zukunft für die Industrie in Europa“, sagte Van Poelvoorde abschließend.

11 Kommentare

  1. Dann sollte man in Europa nach dem Modell Trump “Europa first” sagen und hohe Einfuhrzölle auf Stahl aus China erheben, aber auch in Europa selbst gibt es Überkapazitäten, da müsste man die alten Werke verschrotten schon wegen dem CO2 Ausstoß dieser Anlagen. Wettbewerbsvorteil für Niedrigemissions-Stahlproduktion schaffen wäre schon eine gangbare Lösung.

    • Wann et nom CO2 geet, da misst d’Intermoselle scho laang zou sinn, déi produzéieren es méi wéi all Schmelzen zesummen, souguer eis Schmelze vu viru 50 Joer, wëll haut hu mer der jo net méi vill.

  2. Wer in Europa kauft denn den Billigstahl aus China? Wie ist es mit der Qualität dieser Billigprodukte? Unsere Stahlbosse haben bereits in den 80-gern den Untergang hier eingeläutet. Wie auch heute alles nur auf Profit getrimmt. Beispiel: Als der Hochofen C noch stand hat Schifflingen Rundstahl gemacht für Autofedern. An die Qualität dieses Stahles ist keiner rangekommen. Nach der Schliessung des Hochofens hat man versucht den gleichen Stahl aus la belle France zu beziehen, leider mit mässigem Erfolg. Wie sagte mal ein leitender Ingenieur vom Train à fil: ” 50% von unserem Draht taugt nur noch zum Maschendraht.” War doch bezeichnend, damals schon.

  3. @Le républicain zu London et gin schon lang Chinazölle ! Wären däh net do , wären Stollindustrien all verschwonnen an Europa , sin ech mir secher ! Aber geiwen däh- Herren- vun der Stollindustrie sech mol zesummensetzen , an mol iwwert een europäischen Stollpreis nodenken an iwwert hir Produkter , wär Situation annescht ! Den Kuch muss opgedeelt gin , an däh checken dat nach emmer net !

  4. @Grober J-P. an net ze vergiessen den Belvaler Heichuewen un China ze verkafen , an nach pur Ingenieuren noschecken , vir een un laafen ze kreien 😉 An dann machen se grouss Aen dass China belleg Stoll verkeeft 1 Weil Arbeschter vir een Steck Apel an Broud schaffen do . an 2 , weil däh gur naischt an Filteren ivesteieren an sou , den Stoll automatesch mäh Belleg as ! Do hued Katz sech an den engen Schwanz gebass 🙂

  5. Wenn es heute noch ARBED heissen würde, wäre eine staatliche Subvention doch angemessen, so wie der Onkel Donald es drüben macht. Leider hatte unsere Obrigkeit damals die Augen vor der feindlichen Übernahme die Augen verschlossen. Ich glaube heute noch, dass der H. Mittal von den Chinesen gesteuert wurde. Fasse es immer noch nicht wie ein Schrotthändler an solche Geldsummen kommt. Vielleicht sollten wir mal eine Ekonomiestunde bei Herrn Krecké anfragen!

  6. An Italien get elo driwer diskuteiert op se net ILVA zu Taranto missten zou maachen, well eng Dercksschleider and Emweltkatastrof,  den Här Mittal wär dann awer domm drun, well hien jo lues a lues zu Letzeburg modern Wierken verklappt oder zo gemeet?

    • Angeblech 15000 Aarbechtsplaatzen fort. Ech mengen den H. Salvini kann do näischt machen. Laut RAI soll den 6. September Schluss sin. Hei ass ët och gläich Schluss, wetten. Den Lakshmi oder wéi och ëmmer “investéiert” léiwer an Indien, do brauchen se keng Sécherheetsschong an d’Paien sin och nët esou extrem héich, d’Aarbechter sin zefridden mat den Blechebuden wou se mat hiren Famillen dran wunnen, am Wierk gët ët awer eng Klinik wou se séch gratis behandelen loossen kënnen. Alles fir ze katzen!!!

      • Leiwen Hr. G J-P :
        De Mittal versicht schon 20 Johr ee Fo’uss an Indien ranzekrei’en mee do kritt heen keen Fo’uss ob den Indeschen Buedem ! Se loosen heen net !
        2 integrei’ert Schmelzen wollt heen bau’en mat je 6-12 Mio to.
        Keen Land, oder keng Kuelengro’uwen, oder keen Erz !
        Emmer een onlei’sbaren Problem

  7. Frot emol een vun den “Hären” vun Schëffleng wat do gedriwen gouf! Vill versprach an näischt gehaal. Esou ass ët schon joerelaang. An ët hält nët op, Belval woar emol déi modernste Schmelz an Europa, wat ass se haut??? Ech sin während villen Joeren op den Schmelzen ronderëm gelaaf, hun matkritt ewéi alles “verfaulen” gelooss gouf, esouguer d’Gewerkschaften hun d’Maul gehaal, ët woar einfach fir ze kräischen.

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