Im Landmuseum “Thillenvogtei” wurden die Besucher auf eine Zeitreise geschickt. “Kiermes ewéi fréier” hieß es nämlich bei der Kirmes in Rindschleiden, dem kleinsten Dorf Luxemburgs.

Von Olivier Halmes (Text & Fotos)

Es waren Laiendarsteller, welche das dörfliche Leben von früher nachstellten. Bei der Kirmes wurden Tänze aus längst vergangener Zeit aufgeführt. Wer wollte, konnte seine Kräfte am Hau den Lukas versuchen. Ein wenig Erfahrung war auf der Sandkegelbahn nicht von Nachteil, um alle Neune zu treffen. Kinder zielten mit Bällen auf Dosen oder versuchten sich mittels Strohsäcken umzuwerfen. Der anwesende Pastor segnete einen, ob man wollte oder nicht, mit Weihwasser. Die fröhlichen Zecher am Kartentisch ließen sich dadurch nicht stören. Im Hintergrund spielte der Leierkastenmann auf. Zum Essen gab es “Kiermeskascht”. Das ganze Schauspiel war wie eine perfekte Kopie aus der Vergangenheit.

Fotogalerie: Olivier Halmes

Bei der “Thillenvogtei” handelt es sich um ein sogenanntes “lebendiges” Landmuseum. Das Museum präsentiert Arbeits- und Lebensgewohnheiten um das Jahr 1900 herum. Der Schwerpunkt liegt auf den Themen Landwirtschaft, Handwerk, häusliches Dorfleben und Schulwesen von damals.

Eine Sammlung wird zum Museum

Angefangen hat das Ganze mit der Sammelleidenschaft von Jean Ney aus Wahl. Schon als Junge hatte er in den 1950er-Jahren in einem alten Steinbruch, der als Müllkippe genutzt wurde, nach “Schätzen” gesucht. Anfangs lag sein Interesse auf aussortiertem Kriegsmaterial der Amerikaner – übrigens sehr zum Unmut des Vaters, der schimpfte: “Wann s de näischt Besseres fënns, deen Dreck do häss de direkt kënnen do loossen! Sammel dach dem Woner, dem Saadler oder dem Schmadd säi Geschir amplaz de Krichsschrott, dee jo nëmme geduecht ass, fir alles futtizemaachen. Du wäerts gesinn, wann s de grouss bass, gëtt et kee Schneider a kee Schouster méi am Duerf.”

Ab 1960 begann Jean Ney, eine Sammlung mit altem Handwerkszeug und Hausrat aufzubauen. In jenen Jahren war das Interesse der Leute an den Gerätschaften von anno Tobak gering und viele Betriebe modernisierten ihre Maschinen. Schnell füllten sich die Lager von Jean Ney, und zum Glück hatten die Eltern einen Nachbarhof erworben, wo die Scheunen leer standen und die Sammelstücke gelagert werden konnten.

Generationswechsel vor drei Jahren

Als die Pächterin des dazugehörigen Wohnhauses 1981 starb, war das Museum sozusagen fast fertig. Die allein lebende Frau hatte nie was Neues gekauft und nichts Altes weggeworfen. Es sollten aber noch ein paar Jahre ins Land ziehen, bis 1991 das Museum in Wahl endlich realisiert werden konnte. Der Name “Thillenvogtei” stammt aus der Feudalzeit und ist nach der Französischen Revolution in Vergessenheit geraten. In einem Dokument aus dem Jahr 1688 wird der Name zu dem Gebäude in Wahl erwähnt.

2015 übernahm schließlich Elisabeth, die Tochter von Jean Ney, die Leitung. Sie war es auch, die mit dem Museum ins benachbarte Rindschleiden übersiedelte. Mit im Gepäck war auch der Name “Thillenvogtei” für das “alte” Museum am neuen Ort.

4 Kommentare

  1. Tiptop!!! Esou gin Traditiounen um Liwen gehaal.Och fir vun eiser gestresstener Ge’genwart e besschen Ofstand ze kre’en.Gudd dass et esou Leit wei den Jean Ney gin.
    E besschen huet geste’ert,dass erem d’Politiker sech do den scheinen Männchen gemat hun.Mais et sin jo gleich Wahlen.Dann muss een sech weisen fir Stemmen ze sammelen.

  2. Honnerte Kierche sinn zougespaart zënter X Joren.
    Kee Wonner dass dann och d‘Kirchweih ophéiert.
    Wa Schéissbuden de Kombel vun der Traditioun sinn, da sinn se gutt fort.

    • Kirchen werden zugesperrt, um Diebstahl und Vandalismus zu verhindern (was traurig genug ist). Im Artikel geht es jedoch um das Landmuseum des Herrn Ney, der das alles auf die Beine gestellt hat und dem dafür alle Hochachtung gebührt und natürlich auch seinen Helfern.

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