Die Mitarbeiter des Bausektors haben einen neuen Kollektivvertrag – nach monatelangen schwierigen Verhandlungen und gleich zwei Demonstrationen.

Der Knoten war letzten Freitag geplatzt. Patronat und Gewerkschaften hatten eine Einigung gefunden. Ab dann zweifelte niemand mehr daran, dass der neue Kollektivvertrag zustande kommt – auch wenn der Tarifvertrag noch nicht unterschrieben ist.

Zuerst galt es dann, die Verhandlungsergebnisse von den internen Gremien der einzelnen Verhandlungsparteien absegnen zu lassen. Als Erstes tat dies die zuständige Kommission der Gewerkschaft OGBL. Sie segnete das Resultat bereits am Samstag ab. Das grüne Licht der Gewerkschaft LCGB kam Anfang der Woche und nun, am Mittwoch, ließ auch die Patronatsseite weißen Rauch aufsteigen.

Nun gilt es noch, die Einigung auszuformulieren und mit den nötigen Unterschriften zu versehen, erklärt Jean-Luc De Matteis, der beim OGBL für das Baugewerbe zuständig ist. Dass dies noch scheitern könnte, davon geht er nicht aus. Die Mitarbeiter des Sektors erhalten eine Gehaltserhöhung von 2,4 Prozent (1% im Jahr 2019 sowie 0,7% 2020 und 2021). Ihre Jahresendprämie wird von sechs auf sieben Prozent erhöht. Daneben erhalten die Arbeitnehmer dreimal in Folge eine Jahresprämie von 100 Euro.

Mehrere Demos

Für Diskussionsstoff hatte auch das Thema Fortbildungen geführt. Um in die höchste Gehaltskategorie aufzusteigen, müssen Bauarbeiter eine Fortbildung machen. Bislang konnten Arbeitnehmer dies ablehnen, wenn im Betrieb kein Bedarf an solchen Qualifikationen bestand, oder sie mussten trotz Fortbildung keine Beförderung aussprechen. In Zukunft soll es ein Recht auf diese Fortbildung geben für alle Arbeiter, die dafür die Bedingungen erfüllen. In einer Pressemitteilung begrüßten am Mittwoch auch die Arbeitgeberverbände („Groupement des entrepreneurs“ und die „Fédération des entreprises de construction et de génie civil“) die Einigung.

Zuvor war lange über einen neuen Tarifvertrag gestritten worden. Die Gewerkschaften hatten bereits vor Ablauf des alten Tarifvertrages um Verhandlungen mit dem Patronat gebeten. Laut Gewerkschaften hatten die Arbeitgeber darauf lange nicht reagiert.
Gegipfelt hatte der Streit im Sommer, als die Gewerkschaften OGBL und LCGB mobil machten und in Luxemburg-Stadt und Esch zeitgleich Demonstrationen abhielten. Zuvor hatten beide Gewerkschaften in der Sache eng zusammengearbeitet. Zumindest beim OGBL zeigte man sich überrascht davon, dass der LCGB kurzfristig entschied, eine eigene Demonstration in Esch zu organisieren.

In ihrem Pressekommuniqué bedankten sich die Arbeitgeber bei den Sozialpartnern. Auch wenn die Diskussionen ihre Höhen und Tiefen gehabt hätten, seien sie schlussendlich konstruktiv und fruchtbar gewesen.

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