Februar 2003, Münchner Sicherheitskonferenz, wenige Wochen vor dem Irakkrieg: Joschka Fischer, deutscher Außenminister, hat seine vorbereitete Rede zur Seite gelegt, spricht frei. Schließlich wechselt er sogar die Sprache, sieht dem US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld direkt in die Augen und ruft: „Excuse me, I am not convinced!“

Ähnlich geht es derzeit vielen, wenn sie dem Säbelrasseln der US-Regierung gegenüber dem Iran zusehen. Sie sind nicht überzeugt. Ist dem Iran zuzutrauen, dass er gezielt Attacken auf Öltanker in der strategischen Straße von Hormus vornimmt? Absolut. Dennoch zweifeln Laien wie Experten an den Beweisen, die die USA vorgelegt haben, um dem Iran die Schäden an den Tankern letzte Woche in die Schuhe zu schieben. Denn: Warum wäre der Iran so blöd, solch eine Aktion von seinen offiziellen Streitkräften durchführen zu lassen?

Die Iraner sind Meister der „glaubhaften Abstreitbarkeit“, sich also so anzulegen, dass jeder zu wissen glaubt, sie wären es gewesen, es aber nicht nachweisbar ist. Und jetzt sollen sich die Revolutionsgarden in Uniform bei solch einem Manöver filmen haben lassen?
Es sagt viel über die transatlantischen Beziehungen 75 Jahre nach dem D-Day aus, dass viele Europäer es der Trump-Regierung zutrauen, mit Lügen eine Kriegsstimmung zu provozieren. Dabei geht es bei weitem nicht nur um Trump. Joschka Fischers Ausbruch kam 2003 nur wenige Tage nachdem Colin Powell, damals hoch angesehener Ex-General und Außenminister, dem UN-Sicherheitsrat Beweise für biologische Waffen im Irak vorgelegt hatte. Sie waren frei erfunden.

Rumsfeld, Powell (der sich später entschuldigte) und George W. Bush mögen längst nicht mehr an der Macht sein. Das Misstrauen bleibt. Und John Bolton ist zurück. Der neokonservative Bush-Berater, der dem iranischen Regime schon immer an den Kragen wollte, ist jetzt Donald Trumps Sicherheitsberater.

Die europäischen Regierungen trauen dem Regime in Teheran auch nicht über den Weg. Aber sie haben aus den Irak- und Afghanistan-Konflikten gelernt, dass Schlachten zwar auch in fernen Ländern zu gewinnen sind, Kriege aber nicht wirklich. Statt auf das Erschießungskommando haben sie auf die Zwangsjacke als das geeignete Instrument zur Eindämmung der geopolitischen Ambitionen des Irans gesetzt. Über Jahre verhandelten sie, zusammen mit den USA, ein Abkommen mit dem Iran, das dessen Atomwaffenprogramm stoppen sollte. Mit Erfolg: Der Iran wird streng überwacht und hält sich (bisher) an das Abkommen.

Doch dann kam Trump. Zuerst hat er dem jungen, hitzköpfigen und gefährlich hemmungslosen saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman einen Freibrief für dessen Machtstreben im Nahen Osten gegeben. Die Saudis sind geopolitisch und religionspolitisch seit jeher Irans Rivalen. Dann hat er das Atomabkommen aufgekündigt und Sanktionen gegen Teheran verhängt. Jetzt ruft er nach internationalem Beistand, um seine kriegerische Iran-Politik in die Praxis umsetzen zu können. Er soll sich nicht wundern, dass er auf Skepsis stößt.

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