Vor Gericht wurde am Donnerstag der Prozess gegen zehn Angeklagte fortgesetzt, die sich unter anderem wegen Rauschgifthandels verantworten müssen. Dem Hauptbeschuldigten drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Hauptangeklagter ist der 32-jährige B. Zwischen 2012 und 2015 sollen die Beschuldigten tätig gewesen sein. B. wird vorgeworfen, im großen Stil unter anderem mit Drogen (160 kg Marihuana sowie kiloweise Kokain und Speed) und Autos gehandelt zu haben.

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Das Rauschgift soll von mehreren Komplizen, die sich ebenfalls auf der Anklagebank befinden, aus den Niederlanden und Belgien importiert worden sein. Verkauft wurde die Ware sowohl in Luxemburg als auch in den Nachbarländern. B. soll mit dem illegalen Handel rund 1,36 Millionen Euro verdient haben.

Zu Beginn des gestrigen Prozesses stellte sich heraus, dass der Hauptangeklagte B. nicht anwesend war. Der Grund: keine Lust mehr. Sein Rechtsanwalt Me Arnaud Ranzenberger erklärte dem Richtergremium, sein Mandant habe ihm am Mittwochabend mitgeteilt, nicht mehr am Prozess teilnehmen zu wollen. Insgesamt fehlten gestern fünf von zehn Beschuldigten. “Ich hoffe, den Angeklagten ist der Ernst der Lage bewusst”, betonte der Richter.

“So eine Frage darf man nie stellen”

Der zuständige Ermittler, der sich mit dem Kokainhandel befasste, schilderte, dass B. und drei weitere Beschuldigte zwischen 2012 und 2014 immer wieder Kontakt zu den Hells Angels hatten. K., ein Komplize von B., gab während der polizeilichen Vernehmung an, von einem illegalen Handel gewusst zu haben, aber nicht, dass es sich um Kokain handelte. “Einmal habe ich B. danach gefragt, was sich in einem der Päckchen befand. Er antwortete nur, dass man so eine Frage nie stellen darf”, so K.s Angaben bei der Polizei.

Die Drogen sollen unter anderem in einigen Diskotheken in der Hauptstadt verkauft worden sein. Bei einer der Übergaben handelte es sich angeblich um Bio-Milchpulver und nicht um Kokain. Bei der Polizei machten die beiden widersprüchliche Aussagen.

Nur durch den Einsatz von verdeckten Ermittlern und durch Telefonüberwachungen konnte die Polizei der Bande auf die Schliche kommen. Vier Jahre lang beschäftigten sich die Beamten mit dem Fall. “Bei den Vernehmungen wurde uns klar, dass B. und K. sich abgesprochen hatten, doch einige Details hatten sie nicht berücksichtigt”, so der Ermittler. Zudem erklärte der Polizeibeamte, dass auf Facebook immer wieder auffällige Posts von B. auftauchten.

5.000 Freunde

“Er hatte rund 5.000 Freundschaften auf Facebook, ähnlich viele wie Premierminister Xavier Bettel. Wenn B. einen Luxusartikel oder einen neuen Wagen kaufte, prahlte er damit bei seinen Freunden über Facebook. Er genoss es, anerkannt zu sein”, sagte ein Polizeibeamter. Dem Angeklagten wird auch illegaler Autohandel vorgeworfen. B. hatte zwischen 2013 und 2015 ein Verhältnis mit Laura S. Diese muss sich ebenfalls vor den Richtern verantworten. B. soll ihr des Öfteren Bargeld gegeben und ihr ein Luxusleben ermöglicht haben.

Der Polizei erklärte die Frau, sie habe immer gedacht, das Geld stamme von den Autoverkäufen. Von dem illegalen Rauschgifthandel wusste sie angeblich nichts. B. soll seine damalige Partnerin ebenfalls erpresst haben und ihr zum Teil auch gedroht haben. Diese erstattete sogar Anzeige bei der Polizei gegen ihn.

In der Akte geht auch immer wieder die Rede über die einzelnen Verstrickungen, die die Angeklagten zu den Hells Angels hatten. Der Ermittler schlussfolgerte, dass B. Mitglied der Bande wurde, um sich finanziell zu bereichern. “Von Mai 2012 bis zum Jahr 2014 war er Mitglied beim Motorradclub und er hat diese Mitgliedschaft als Sprungbrett für seine spätere Karriere als Rauschgifthändler genutzt. Eine Mitgliedschaft bei den Hells Angels ist nicht für jedermann zugänglich.

Ein Porsche und mehrere Rolex  

Auch hat er dort den Mitangeklagten P. kennengelernt, der ein ‘full member’ war. B. hingegen war Prospect. P. soll das Kokain über den Hafen von Antwerpen nach ganz Europa gebracht haben. Gegen ihn läuft zurzeit ein ähnliches Verfahren in Belgien. Die Rede geht von 900 Kilogramm Kokain, die aus Ecuador nach Europa geschleust wurden. Das Ziel der Bande war eindeutig, sich finanziell zu bereichern”, sagte der Ermittler. Auch gab der Polizeibeamte an, das Kokain sei von einer sehr guten Qualität gewesen. Der Verkaufspreis lag zwischen 29.000 und 31.000 Euro pro Kilo.

Anschließend erklärte jener Ermittler, der die finanzielle Situation von B. untersucht hatte, die Vorgehensweise des Angeklagten. “Die Ausgaben wurden meistens in bar getätigt. Fakt ist, dass es B. finanziell sehr gut ging, ohne einer legalen Arbeit nachzugehen. Unter anderem besaß er einen Porsche 911 Turbo und mehrere Rolex”, so der Beamte. Am kommenden Dienstag wird der Ermittler auf alle Details eingehen, wie B. zu seinem Vermögen gekommen ist.

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