Bei der CFL wächst die Zahl der Passagiere um drei bis fünf Prozent pro Jahr (ein Plus von 75 Prozent in den vergangenen 15 Jahren!). Resultat: Zur Rush-Hour sind die Bahnen bereits heute heillos überlastet. Doch jetzt soll Remedur geschaffen werden: Die nationale Eisenbahngesellschaft bestellt 34 neue Elektrotriebwagen („Automotrices“) beim französischen Hersteller Alstom. Das Unternehmen stellt unter anderem die TGV–Züge der SNCF her.

Mit den neuen Zügen wird sich die Sitzplatzkapazität bei der CFL von derzeit 27.200 auf 39.100 steigern. Das bedeutet einen Zuwachs von satten 44 Prozent. Ausgeliefert wird das neue Material zwischen Dezember 2021 und Ende 2024. Insgesamt bezahlt die CFL 350 Millionen Euro.

Überwiegend doppelstöckig mit bis zu 692 Sitzen

Bei der neuen CFL-Baureihe handelt es sich um um überwiegend doppelstöckige Fahrzeuge (mehrere Wagenkästen sind einstöckig) mit hoher Passagier-Kapazität aus der Alstom-Produktfamilie „Coradia“. Aus der Coradia-Reihe stammen auch die ab 2005 von der CFL beschafften „Duplex“-Doppelstock-Triebwagen der TER2ng-Reihe 2200. Diese Züge waren in Lokführerkreisen auch als „Duscholux“ bekannt – weil die Führerstände zu Beginn nicht unbedingt im wünschenswertem Maße regendicht waren.

Ein Teil der neuen Coradia-Automotrices wird auf einer Länge von 160 Metern 692 Sitzplätze bieten, ein anderer 334 Sitze auf 80 Metern Länge. Zum Vergleich: Eine auf von derzeit 45 auf 55 Meter verlängerte Luxtram wird rund 550 Menschen befördern können. Die weitaus meisten davon aus Kapazitätsgründen allerdings stehend. Die CFL betonen in einer Mitteilung, dass die neuen Züge mit einem Komfort ausgestattet sein werden, der auch das „Lesen und Ausruhen“ ermöglichen soll.

Die CFL-Coradias werden genau wie die Stater Tram in Spanien gebaut. Während die Luxtrams von CAF in Saragossa hergestellt werden, werden die Coradias in Barcelona zusammengesetzt. Entworfen und designt wurden sie im Alstom-Werk Valenciennes in Nordfrankreich.

Reihe 2000 geht in Ruhestand

Die CFL schafft die neuen Coradias unter anderem deshalb, damit sie ihr derzeit ältestes Rollmaterial – die ab 1990 beschafften Automotrices der Reihe 2000 („Z2“) – außer Dienst stellen kann. Diese Züge wurden ebenfalls von Alstom gebaut, damals noch von der „Alsthom“-Tochter De Dietrich. Die robusten Fahrzeuge sind zwar noch längst nicht am Ende ihrer Lebensdauer angelangt. Mit ihren schmalen Türen eignen sie sich aber zusehends schlechter für einen hoch ausgelasteten S-Bahn-Betrieb, zu welchem sich der Passagierverkehr in unserer Region mittlerweile ausgewachsen hat. Zahlreiche und breite Türen sollen daher bei den neuen Coradia einen hohen „Fahrgastfluss“ (d.h. den schnellen Austausch der aussteigenden gegen die einsteigenden Passagiere) garantieren.

Zudem mussten die CFL-Kunden an Bord der Z2 auf den mittlerweile als selbstverständlich vorausgesetzten Luxus einer Klimaanlage verzichten. Das ist bei den Neuzugängen anders. Die neuen CFL-Coradia sind 160 km/h schnell und werden natürlich den letzten Stand der Technik repräsentieren. Sie bieten an Bord unter anderem WLAN und LED-Beleuchtung. Sie sind für Frankreich und Belgien (dort aber nur unter 25kV/50Hz, also nicht unter 3kV Gleichstrom) zugelassen und selbstverständlich mit dem modernen Leit- und Steuerungssystem ERTMS („European Rail Traffic Management System“) ausgestattet, von dem das Zugbeeinflussungssystem ETCS („European Train Control System“) einen Teil darstellt.

Für Belgien ist zudem das dort noch übliche Sicherheitssystem TBL 1+ an Bord. Die Züge können (wegen der Bahnsteige in Luxemburg) maximal 240 Meter lang sein: Demnach entweder drei gekuppelte Einheiten à 80 Meter oder eine mit 160 Meter Länge, an die eine 80-Meter-Einheit gekuppelt ist.

1 Kommentar

  1. Dass die “Z2” heute wegen ihren ungeeigneten, schmalen Türen ausgemustert werden, da sie sich nicht für den S-Bahn-Betrieb eignen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schon in den 1980ern gab es Stimmen, die sich für ein fortschrittliches S-Bahn-Netz in Luxemburg aussprachen (so zB die “Aktioun Öffentlichen Transport”) mit mehr Haltestellen und Zügen, die besser dafür geeignet waren. Aber nein, die CFL glaubte nicht an ein solches Konzept und schaffte dann wieder konventionelle, wenig beschleunigungsstarke Züge an, mit schmalen Türen, die “Z2” halt. Bei der CFL scheint fortschrittliches Denken seit jeher unterentwickelt. Andererseits finde ich es gewagt, die “Z2” als “robust” und “noch längst nicht am Ende ihrer Lebensdauer angelangt” dazustellen. Als häufiger Benutzer der Strecke nach Diekirch, wo diese fast nur zum Einsatz kommt, hat man eher das Gefühl, dass die Züge es nicht mehr bis 2022 schaffen …

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