Nach dem Ausstieg der USA aus dem Iran-Abkommen wird in Europa abgeschätzt, welche Auswirkungen der Beschluss des US-Präsidenten vom Dienstagabend haben wird.

Die USA blockieren mit dem Ausstieg aus dem Abkommen den internationalen Handel mit einem Markt von 80 Millionen Konsumenten. Der Handel mit dem Iran hatte gerade erst wieder Fahrt aufgenommen, droht nun aber erheblich eingeschränkt zu werden. Als erstes Unternehmen wird Airbus betroffen. Der Flugzeugbauer hatte gerade einen Auftrag mit Iran Air über 16 Milliarden Euro abgeschlossen. Airbus muss nun um die Exportlizenzen aus den USA fürchten. Zehn Prozent der Zulieferungen zum Bau von Airbus-Flugzeugen kommen aus den USA. Für jedes einzelne Teil benötigt der Luftfahrt-Hersteller eine Exportlizenz.

Das US Finanzministerium hat bereits mitgeteilt, dass Airbus bis zu 90 Tage Zeit hat, neue Aufträge mit dem Iran zurückzuwickeln. Airbus wird etwa 10 Milliarden Euro an Umsatz verlieren. Eine Chance, sich um die Folgen zu winden, hat das Unternehmen nicht. Es hat seit einem Jahr eine Produktion der A320-Familie in Mobile in Alabama aufgenommen.

Allerdings schädigt Präsident Trump auch seine eigene Industrie. Boeing verliert durch die präsidiale Verfügung ebenfalls einen Milliardenauftrag. Das wird weder die Kongressabgeordneten noch den Senator des US Bundesstaates Washington freuen. Rund um Seattle stehen möglicherweise Tausende von Arbeitsplätzen zur Disposition.

Chemie-Industrie

Nicht nur Airbus ist in Deutschland und in Frankreich betroffen. Die gesamte deutsche Chemie-Industrie ist im Süden von Alabama vertreten und wird durch diese Abhängigkeit den amerikanischen Blockade-Wünschen Folge leisten müssen. Abhängigkeiten bestehen auch bei der Automobilindustrie. Mercedes fertigt in den Südstaaten mittlerweile alle Modelle. Die M-Klasse ist sogar in den USA entwickelt worden. Exporte – auch wenn sie aus Deutschland erfolgen – verbieten sich daher für das Unternehmen. Das gilt auch für Volkswagen und für BMW. Die US-Justiz wird sofort eingreifen. Deutsche Bank, BNP Paribas und auch die Société Générale haben Erfahrungen damit gesammelt, was geschieht, wenn US-Blockaden umgangen werden.

Direkt nicht betroffen ist der deutsche Siemens-Konzern. Man werde, so der Finanzvorstand Ralf Thomas, die Dinge, die man begonnen habe, „im rechtlichen Rahmen“ auch zu Ende bringen, zitiert ihn die Tageszeitung Handelsblatt. Thomas beurteilt die Situation gelassen. Vor fünf Jahren hätte eine solche Entscheidung das Welt-Investitionsklima noch beeinflusst. Heute sei er sich da nicht so sicher, wird er weiter zitiert.

Steigende Ölpreise

In Frankreich ist der Mineralöl-Gigant Total betroffen, der im Iran ein großes Erdöl-Feld entwickeln wollte. Aber auch Peugeot, Marktführer bei den Auto-Exporten, ist blockiert, weil das Unternehmen Teile von US-Zulieferern benutzt. Gleiches gilt für Renault, wobei hier zu prüfen ist, wie sich der japanische Renault-Partner Nissan zu den US-Blockaden verhalten wird.

Der Erdöl-Preis legte am Mittwoch zu. Die Nordsee-Marke Brent stieg auf 77 Dollar pro Fass (157 Liter) an. Der iranische Anteil an der Welt-Erdölförderung liegt bei drei Prozent. Er wird ausfallen. An den Märkten heißt es, dass die USA auf Saudi-Arabien Druck ausgeübt hätten, um den iranischen Anteil auszugleichen. Saudi-Arabien jedenfalls hat am Mittwoch mitgeteilt, den iranischen Anteil durch eine höhere Produktion auszugleichen. Den Preisanstieg hat das nicht verhindern können.

Der Iran kann bestimmte ausfallende Geschäfte mit Russland kompensieren. Im Flugbereich soll es bereits Kontakte mit russischen Herstellern geben.

5 Kommentare

  1. Da sitzt ein Wahnsinniger im Weissen Haus, auf den kein Verlass ist und dessen Reaktionen unberechenbar sind. Er benimmt sich im Grunde wie ein pubertierender 13 jähriger. Absolut verantwortungslos . Eine Lachnummer, wenn nicht der Weltfrieden in Gefahr wäre. Was ist aus den USA geworden unter diesem tolpatschigen Mr. President ?

    • Genau. Und leider ist er von vielen Lachnummern umgeben die ihm nicht die Stirn bieten.
      Da hatte Bill Clinton doch mehr Schwierigkeiten. Mal gespannt wieviel Porzellan der Trumpel noch zerschlagen darf bevor der Senat reagiert.

  2. EU Firma’en sollten hir US Firma’en ob Eis lee’en an Milio’unen vun Arbechtsplaatzen ob d’Strooss schecken ! Dann geht vlaicht dem Trumpy een Speicherliicht op !

  3. Mir scheint daß hier aber indirekt von den USA auf die europäische Industrie gezielt wird. Mir leuchtet nämlich nicht ein daß diese Konsequenzen die im Tageblatt aufgelistet sind, nicht auf höchster Ebene in Amerika bekannt sind. So blöd können amerikanische Ökonomen die zu den besten in der Welt zählen, nicht sein. Da steckt mehr dahinter was wir vielleicht nicht sehen wollen. Das “America first” wird knallhart auf allen Ebenen durchgezogen!

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