Rund zweieinhalb Stunden lang stellte die grün-schwarze Koalition am Mittwoch ihre Pläne, Projekte und Visionen für kommendes Jahr und die Zeit darüber hinaus vor. Die Diskussionen und die Abstimmung über das Budget finden am 14. Dezember statt.

Als “nachhaltig, weitsichtig und gerecht” bezeichnete der Differdinger Bürgermeister Roberto Traversini (“déi gréng”) in seiner Ansprache das Budget 2019. “Wir stehen richtig gut da und haben es mittlerweile fertiggebracht, unsere Stadt zu sanieren”, so Traversini weiter. Die Gründe seien vielfältiger Natur: einerseits der neue Finanzierungsmodus für die Gemeinden seitens des Staates. Andererseits verfüge die Stadt Differdingen über eine Reihe von Einnahmequellen, auf die andere Gemeinden neidvoll blicken würden. Hinzu komme, dass man versucht habe, alle möglichen Subsidien und staatlichen Beihilfen zu ergattern.

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, dass im ordentlichen Haushalt Einnahmen in Höhe von 116.484.260 Euro und Ausgaben von 87.675.515 Euro vorgesehen sind, was einen Bonus von knapp 29 Millionen ausmacht. Demgegenüber stehen im außerordentlichen Haushalt Einnahmen in Höhe von 55.791.063 Euro und Ausgaben von 85.796.565 Euro, was einem Minus von rund 30 Millionen entspricht. Die erhöhten Ausgaben im ordentlichen Haushalt seien damit zu erklären, dass in den vergangenen 18 Monaten insgesamt 198 Mitarbeiter bei der Differdinger Gemeinde eingestellt worden seien, erklärte Traversini. Die Gehälter der Gemeindebediensteten stehen mit 43 Millionen zu Buche, wovon 13 Millionen vom Staat zurückerstattet werden.

Als positiv bewertete Traversini den Umstand, dass mittlerweile 4,5 Millionen der Einnahmen von Mieten stammen. Der Ankauf von Geschäftsflächen im Stadtzentrum sowie die Mieteinnahmen aus dem 1535° Creative Hub würden nach und nach ihre Früchte tragen.

Stromleitung über Niederkorn kommt weg

Die 85 Millionen Ausgaben im außerordentlichen Haushalt seien derweil der Beleg dafür, dass massiv in die Zukunft investiert werde. Die Zukunft und die Stadtentwicklung seien in der Hinsicht eng miteinander verbunden. So gehöre die Hochspannungsleitung, die gegenwärtig noch große Teile von Niederkorn überquere, bald der Vergangenheit an. Die Kosten dafür wurden mittlerweile halbiert, betragen aber dennoch 3,4 Millionen.

Sechs Millionen werden ausgegeben, um Bauland aufzukaufen. Dies sei notwendig, so der Bürgermeister, um in Zukunft in der Lage zu sein, Grundstücke tauschen zu können. Ziel sei es, dass Differdingen wie bislang eine wichtige Rolle in Sachen Wohnungsbau spiele und sich einsetze, um bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Apropos Niederkorn: Bekannt wurde am Mittwoch ebenfalls, dass der Kreisverkehr in Niederkorn ausgedient hat und eine neue Verkehrsführung in Planung ist. Eine weitere Priorität sei es, das Stadtzentrum von Differdingen autofrei zu bekommen. Es soll in Zukunft den Fußgängern und den Einwohnern gehören, was gleichbedeutend mit einem Plus an Lebensqualität sei, so Traversini.

Dies war denn auch das Stichwort für den nächsten Punkt: mehr Plätze in Kindertagesstätten, damit der Nachwuchs in sicheren Händen ist. Und in neue Schulen in den verschiedenen Stadtvierteln investieren sowie die bestehende Infrastruktur renovieren. Differdingen verfüge über vier Jugendhäuser, was verdeutliche, wie sehr ihm gerade dieses Thema am Herzen liege. In dem Zusammenhang erwähnte Traversini dann auch die 37 Wohnungen, die minderbemittelten Jugendlichen seit Kurzem bereitgestellt werden.

Festhalten am Windpark

Auch in puncto Nachhaltigkeit werde die Gemeinde in Zukunft Akzente setzen. Es gehe darum, wegzukommen von den atomaren und fossilen Energiequellen. Aus diesem Grund werde nach wie vor an dem geplanten Windpark festgehalten.

Auch ein Verbot von Plastikbechern bei Veranstaltungen und Festen wird ins Auge gefasst, wohl wissend, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei. Ziel sei es zudem, weiter Energie zu sparen und das Stadtzentrum mit neuen kreativen Konzepten zu beleben.

Auch das Thema Parken und Mobilität kam nicht zu kurz. Als soziale und gerechte Maßnahme bezeichnete Traversini die Tatsache, dass in Zukunft viel für die Senioren getan werde, aber auch für die Studenten, die in den Genuss von weiteren Wohnungen kommen sollen. Die humanitäre Unterstützung für Frauen und Kinder in Afrika wird indes von 30.000 Euro auf 300.000 Euro erhöht.

Berichtigter Haushalt 2018:
Ordentliche Einnahmen:
110.117.807,51 Euro
Ordentliche Ausgaben:
82.363.146,60 Euro
Überschuss: 27.754.660,91

Außerordentliche Einnahmen:
31.670.918 Euro
Außerordentliche Ausgaben: 65.180.028,01 Euro

 Defizit:
33.509.110,01 Euro

Allgemeiner Gewinn:
2.950.490,04

Haushalt 2019:
Ordentliche Einnahmen:
116.484.260 Euro
Ordentliche Ausgaben:
87.675.516,25 Euro
Überschuss: 28.808.743,75

Außerordentliches Einnahmen:
55.791.063 Euro
Außerordentliche Ausgaben:
85.796.565,25 Euro

Defizit:
30.005.502,25 Euro

Allgemeiner Gewinn:
1.753.731,54 Euro

Auch im Sport werden die Hebel angesetzt. Die Gemeinde wird weiterhin einen Teil der Mitgliederbeiträge übernehmen, weil man der Überzeugung ist, dass die Vereine eine extrem wichtige Arbeit im Jugendbereich leisten. Die Infrastrukturen auf “Thillebierg” werden modernisiert. Zudem soll ein Leichtathletik-Terrain entstehen.

Was den Bereich Kultur betrifft, so kann Traversini immer noch nicht nachvollziehen, warum Differdingen vom Kulturministerium in Sachen Programmierung im “Aalt Stadhaus” in den vergangenen fünf Jahren außen vor gelassen wurde. Er hoffe, dass sich diese Situation unter der neuen Ministerin endlich ändern werde.

Das Image der Stadt aufwerten

Auch in Sachen Unesco-Biosphärenreservat fand Traversini deutliche Worte: Das Label sei nicht nur eine einmalige Gelegenheit, um die ganze Region um Differdingen aufzuwerten, sondern auch gut fürs nationale Image von Differdingen selbst. “Wir haben hier viel mehr zu bieten, als gemeinhin bekannt und gedacht wird. Wir werden ständig unterschätzt”, so Traversini, der mit den Worten schloss, dass das Budget 2019 einerseits sehr ehrgeizig sei und andererseits nah an den Bürgern. Probleme gebe es immer, aber man sei stets bemüht, Auswege zu finden – immer im Sinne von mehr Lebensqualität. Man könne ihm und seiner Mannschaft jedenfalls eines nicht vorwerfen: dass man nicht bestrebt sei, ständig nach neuen Lösungen zu suchen.

 

 

1 Kommentar

  1. Komisch. Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch baut quer durchs Land Kreisel und sogar neuerdings Tubokreisel was das Zeug hält. Derweil spezialisiert sich Parteikollege Traversini auf den Rückbau dieser Verkehrskreisel. Nach dem an der Emile Mark-Strasse in Differdingen ist nun also auch der in Niederkorn dran … Wie nachhaltig die 3,4 Millionen für die unterirdische Umverlegung einer Hochsopannungsleitung sind, wird sich spätestens dann zeigen, wenn bei einer Panne die Bagger anrücken müssen um das ganze Ding wieder auszubuddeln.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here