Das Diekircher Bier wird auch in Zukunft in jener Stadt gebraut, der es seinen Namen zu verdanken hat. 250 Gäste, darunter Premierminister Xavier Bettel, waren gestern zur feierlichen Eröffnung der neuen Brauerei in Diekirch erschienen.

25 Millionen Euro hat der Mutterkonzern AB InBev in neue Produktionsanlagen und ein neues Gebäude investiert. „Das Bier schmeckt genauso wie früher“, sagte Gilles Nackaerts, Generaldirektor der „Brasserie de Luxembourg“, gestern vor Journalisten.
Das Ziel war nicht, ein anderes Bier zu brauen: „Wir wollten unsere Verankerung in Diekirch stärken“, so der Direktor. Dies war nicht immer der Fall. Claude Haagen, Bürgermeister von Diekirch, erinnerte sich, wie die Reaktionen ausfielen, als AB InBev im Jahr 2010 bekannt gab, die alte Brauerei dichtzumachen und das Diekircher Bier im Ausland zu produzieren: „Es gab sogar Demonstrationen.“ Schließlich änderte AB InBev seine Meinung.

Die größte Brauereigruppe der Welt baute innerhalb von drei Jahren eine neue Fabrik an der Adresse 1, rue de la Brasserie in Diekirch. „Beiler François Fritsch Architectes“ designte ein komplett neues Gebäude, das auf den aktuellen Stand der Brautechnik zugeschnitten ist. „250.000 Hektoliter können wir pro Jahr herstellen“, sagte Pierre Van Vynckt, der Braumeister, gestern. Neben der Hauptmarke Diekirch soll hier in der neuen Brauerei an der Sauer auch noch Mousel, das ebenfalls von AB InBev hergestellt wird, entstehen. „Die modernen Anlagen erlauben es der Brauerei, besser auf das veränderte Verbraucherverhalten zu reagieren“, sagte Nackaerts bei einer Besichtigung.

Flexiblere Produktion

Das Besondere an der neuen Fabrik: Es kann flexibler produziert werden – sprich auch kleinere Chargen, etwa Spezialbiere, können hier gebraut werden. Der Biertrinker würde zwar weniger, dafür aber „besser“ trinken, sagte Van Vynckt diesbezüglich – „und er liebt die Abwechslung“. „Hier haben wir die Möglichkeit, zu experimentieren und unserer Kreativität freien Lauf zu lassen“, so Van Vynckt weiter. In der bisherigen Brauerei war dies nicht im gleichen Ausmaß möglich. Nun können kleinere Chargen à 150 Hektoliter hergestellt werden.

Der Mutterkonzern erlaube seinem Tochterunternehmen eine große Autonomie, so der Direktor. Die Braumeister dürfen gerne an neuen Bieren experimentieren. „Ein großes Laboratorium“, sagte der Braumeister hierzu. Beide hegen große Hoffnung, dass bald neue Biere entstehen. „Mein Traum ist es, dass sich die InBev-Gruppe eines Tages an uns inspiriert“, sagte Nackaerts. Der größte Bierbrauer der Welt bekommt in den vergangenen Jahren verstärkt Konkurrenz von Mikrobrauereien. Der Biermarkt ist im Umbruch, seit auch der Verbraucher das Experimentieren entdeckt und begonnen hat, sich für die Spezialbiere der Kleinbrauereien zu interessieren. Im Geschäft mit dem Bier braucht es also Innovation, um weiterwachsen zu können.

Mit der Herstellung der aktuellen Produktpalette ist die Brauerei nicht ausgelastet, es bleibt noch Raum nach oben. Wie die Resultate des bisherigen Experimentierens aussehen und schmecken, wollte der Generaldirektor noch nicht preisgeben. Er meinte nur, dass sich der Biertrinker auf Überraschungen einstellen soll. „Vor dem Sommer wird es einen Scoop geben“, versprach er. Dies kann ein biologischer Gerstensaft sein, ein IPA, ein Bockbier oder etwas ganz anderes. Der Direktor zeigte sich sehr verschlossen.

Neue Spezialbiere noch vor dem Sommer

Auskunftsfreudiger war er, was die Verbesserungen der Umweltauswirkungen betrifft. Die Abwärme, die im Produktionsprozess entsteht, wird nicht mehr in die Atmosphäre abgegeben, sondern aufgefangen und für den Brauprozess verwendet. Das CO2, das während des Fermentationsprozesses gebildet wird, wird eingefangen – „eine Premiere in Luxemburg“, wie die Brauerei sagt. Um 75 Prozent sollen die Emissionen im Vergleich zur alten Brauerei sinken. Das Ziel: eine CO2-neutrale Brauerei.

„Der charakteristische Duft, der Brauereien umgibt, wird auch weiterhin wahrnehmbar sein“, sagte der Braumeister. Die Einwohner der Stadt werden dies in Zukunft also nicht missen müssen. „Sie stören sich nicht an der Brauerei“, versicherte der Bürgermeister. Auch nicht jene, die in der direkten Nachbarschaft leben. Sogar der Lkw-Verkehr sei kein Problem für die Einwohner Diekirchs. Bisher habe es nur eine einzige Reklamation gegeben. Die Bewohner seien froh, dass die Zukunft der Brauerei, die nun schon seit fast 150 Jahren in Diekirch steht, gesichert sei.

Der Lkw-Verkehr wird indes kaum zunehmen. So, wie es bisher schon der Fall war, begeben sich die Diekirch- und Mousel-Biere nach Abschluss des Brauprozesses auf eine längere Reise. In eine neue Abfüllanlage investierte der Konzern nicht. So werden in Zukunft auch weiterhin Tanklastwagen die Reise nach Louvain in Belgien antreten. Dort hat AB InBev eine Abfüllanlage „mit einer großen Kapazität“, so der Braumeister.
Das Hin- und Herfahren habe zwar Auswirkung auf den ökologischen Fußabdruck, „der Bau und der Betrieb einer eigenen Abfüllanlage würde aber mehr CO2 produzieren“, sagte der Braumeister. „Das haben wir nachgerechnet.“

1 Kommentar

  1. Dass sech keen un der Braueri stéiert, naja. Ech ka mech nach gutt un den eklege Geroch min. 1x an der Woch moies erenneren am Lycée. Vläit as jo lo domatt Schluss.

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