In Luxemburg wurde bisher auf neu entstandene Beförderungsbedürfnisse hauptsächlich post festum reagiert: Erst einmal klotzt man ein Neubauviertel wie die Cloche d’Or in die Pampa. Daraufhin stellt man völlig verdattert fest, dass ein solches Viertel enorme Mobilitätsbedürfnisse generiert. Und dann erst probiert man mit irgendwelchem notdürftigem Flickwerk, des aus derlei Improvisation notwendigerweise resultierenden Verkehrschaos mehr schlecht als recht Herr zu werden.

Als Verkehrsminister François Bausch am Montag das Projekt einer Express-Tram zwischen Belval und Kirchberg präsentierte, unterstrich er völlig zu Recht, dass eine moderne Verkehrspolitik proaktiv, vorausschauend planen muss: Wir wissen heute schon, dass in 15 Jahren die Mobilitätsbedürfnisse zwischen der lothringisch-luxemburgischen Grenzregion und unserer Hauptstadt um etwa 50% gegenüber heute anwachsen werden.
Also müssen wir heute schon mit der Planung und möglichst schnellen materiellen Umsetzung eines neuen Transportvektors beginnen, der dazu geeignet ist, diese Entwicklung in für Mensch und Umwelt verkraftbare Bahnen zu leiten.

Und nein, das Fabelwesen Monorail ist nicht dazu geeignet, dem zwischen den Ballungsräumen immer schlimmer werdenden Stauschlamassel Abhilfe zu verschaffen. Es ist weit teurer und umständlicher im Bau, als es die hinter dem Projekt stehenden Privatinteressen immer wieder glauben machen wollen. Es ist zudem vom urbanistischen Standpunkt her für Städte wie Esch und Luxemburg ähnlich gut geeignet wie ein Hilti-Bohrhammer für den Zahnarzt.

Wie bei der Luxtram hat der reichhaltige Erfahrungsschatz, der in den vergangenen Jahrzehnten im Ausland gesammelt werden konnte, auch für die Achse Belval-Kirchberg deutlich gemacht, dass eine moderne Tram der am besten geeignete Verkehrsträger sein dürfte.

Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz hat mit ihrer Straßenbahn-Neubaustrecke zum Lerchenberg gezeigt, wie sowas geht: Die “Mainzelbahn” heißt so, weil sie u.a. die ZDF-Zentrale auf dem Lerchenberg mit der Mainzer Innenstadt verbindet. Am Streckenverlauf liegen nicht nur eine Menge derzeit noch unbebauter Wiesen und Felder, sondern auch das neue Fußballstadion und ein neuer Campus der Uni. Etliche Wohnviertel sowie Industrie- oder Handelszonen sind geplant.

Die Devise: Wo immer zusätzliche Mobilitätsbedürfnisse auftauchen, die Tram ist schon da.
Wie die schlauen Igel aus der Fabel.

Man kann daher nur begrüßen, wenn auch in Luxemburg nun endlich langfristig angelegte Planungsprozeduren angewendet werden würden, die es erlaubten, zukünftige Verkehrsprobleme gar nicht erst entstehen zu lassen. 2035 ist nämlich sowohl “erst” wie auch “schon” in 17 Jahren.

Das Pferd soll inskünftig nicht mehr von hinten aufgezäumt werden. Was schlicht und ergreifend die intelligentere Art und Weise, Verkehrspolitik zu betreiben, darstellen würde.

6 Kommentare

    • @ Grober: In meinem Bericht in unserer Dienstagnummer (haben Sie den gelesen?) steht, dass wir zusätzliche Kapazität auf der Achse Esch-Luxemburg brauchen, und dass die bestehende CFL-Strecke diese zusätzliche Kapazität nur zum kleinen Teil aufnehmen kann. Außerdem steht dort, dass die bestehende Bahn einen Umweg über Bettemburg macht. Zudem erschließt die neue Tram Siedlungsgebiete und gewerbliche Zonen in Esch-Nord, Schifflingen, Foetz, Cessingen und eventuell Leudelingen, die nicht von der CFL bedient werden.

  1. Seit wann sind verschiedene Leute so unkritisch gegenüber vom Staat bestellten Etüden, Tram ist und und bleibt unflexibel, ich fahre Bus und brauch nicht umzusteigen und werde in meinem Dorf abgesetzt, einfacher geht’s nicht, mit Zug und Tram funktioniert dies leider nicht, es sei denn ich würde in Esch wohnen, man könnte ja auch ein paar Wagons mehr anhängen oder zusätzliche RGTR Busse einsetzen, man hätte automatisch viele Autos von der Autobahn weg und käme direkt in sein Dorf ohne umzusteigen, und dann die Mobiltätsbedürfnisse, die anscheinend um 50 % ansteigen, ich glaub das wird nix mit dem proklamierten kontrolliertem Wachstum

  2. BTB war das tolle Konzept was vor 20 Jahren von den Stadt Politikern – die DP verworfen wurde. Leit ist die damalige Ministerin Delvaux damals eingeknickt. Denn was Bausch jetzt vorschlägt war damals geplant. Das BTB Projekt war günstiger und weitreichender weil es sich um eine regionale Trambahn handelte, die auch das bestehende Schienennetz nutzt, und es somit erlaubt Pendler ohne Umsteigen zu transportieren.
    Der Tram in seiner jetzigen Form bringt den Pendlern recht wenig denn insgesamt werden viele direkten Busverbindungen dadurch gestrichen. Jedes weitere Umsteigen sengt die Attraktivität eines Transportmediums enorm.
    Fazit: wir haben 15 Jahre Zeit verloren und die Transportprobleme zu entschärfen

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