Luxemburg trauert: Großherzog Jean ist gestorben. Premierminister Xavier Bettel hat das ehemalige Staatsoberhaupt am Dienstagmorgen in einer Ansprache als Helden bezeichnet. Die Regierung hat bis zur Beerdigung am 4. Mai die Staatstrauer ausgerufen.

“Ein Held, ein Vorbild, ein gutherziger Mensch.” Bei einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen fand Premierminister Xavier Bettel (DP) nur gute Worte für den verstorbenen Großherzog Jean. “Ich will im Namen der Regierung und des Landes der Familie mein tiefstes Mitgefühl mitteilen”, sagte der Premierminister. “Er hat Spuren hinterlassen, die für immer bleiben werden.” Im Zweiten Weltkrieg habe er sich für die Werte und Überzeugungen von Luxemburg eingesetzt. “Nach dem Krieg hat er geholfen, das Land wieder aufzubauen.”

Jean verstarb im Alter von 98 Jahren kurz nach Mitternacht im Kreis seiner Familie. Die Regierung hat am Dienstag bei einem Ministerrat eine Schweigeminute eingelegt und beschlossen, eine nationale Staatstrauer bis zur Beerdigung am 4. Mai auszurufen. Zahlreiche Pressekonferenzen und Veranstaltungen wurden abgesagt. Um 12.15 Uhr läuteten in Luxemburg die Glocken aller Kirchen. Er war von 1964 bis zum Jahr 2000 Großherzog, bevor sein Sohn Henri die Herrschaft übernahm.

„Nah an den Luxemburgern“

Das Parlament hat beschlossen, seine Sitzung von Dienstagnachmittag auf Mittwochmorgen zu verlegen. Am Dienstag hätte über das Budget debattiert werden sollen. “Wir haben den Großherzog alle gemocht”, meinte Parlamentspräsident Fernand Etgen (DP). “Besonders geschätzt waren seine Menschlichkeit und sein Engagement.” Bevor die Sitzung am Mittwoch beginnt, werden Etgen und Premierminister Bettel eine Rede im Plenarsaal halten. Das politische Geschäft werde bis zum 4. Mai wegen der Staatstrauer mit mehr Zurückhaltung weiterlaufen. Am 3. Mai wird eine Zeremonie im Parlament abgehalten.

“Wir werden Großherzog Jean als einen diskreten Menschen in Erinnerung behalten, der sich für das ganze Land eingesetzt hat”, meinte DP-Fraktionschef Eugène Berger. Josée Lorsché von den Grünen sagte, der Großherzog sei für ihre Partei eine große Persönlichkeit gewesen. Auch wegen seiner Naturverbundenheit. “Ein guter Mann hat uns verlassen”, sagte LSAP-Fraktionschef Alex Bodry. Jean sei ein Großherzog gewesen, der sehr menschlich geblieben sei. “Er mochte die Menschen und die Menschen mochten ihn.”

Martine Hansen, die Fraktionschefin der CSV, nannte ihn ein “Symbol der Menschlichkeit”. Gast Gybérien von der ADR erzählte, dass er bei einer Diskussion mit dem Großherzog einen sehr netten Menschen erlebt habe. “Er stand über der Politik”, sagt Gybérien. Die Jugend, die sozialen Probleme und die Natur seien seine Prioritäten gewesen. “Mit ihm geht ein Teil unserer Geschichte.”

„Hohe Werte und Vertrauen in Gott“

Der Großherzog war nicht nur bei Politikern beliebt. Er war auch sehr gläubig. Das Erzbistum von Luxemburg schrieb in einer Mitteilung, dass die Messe am Sonntag in der Kathedrale, die vom Erzbischof abgehalten wird, ganz im Zeichen des Verstorbenen stehen werde. “In meinem Namen und im Namen der katholischen Kirche in Luxemburg will ich der großherzoglichen Familie in diesem schweren Moment unser tiefstes christliches Mitgefühl ausdrücken”, schrieb der Erzbischof Jean-Claude Hollerich. “Eng verbunden mit dem Volk hat er sich in seinem Handeln von hohen Werten leiten lassen und auch auf die Hilfe von Gott vertraut.”

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Jean Chef-Scout in Luxemburg. “74 Jahre lang Chef-Scout sein, davon 19 Jahre als Erbgroßherzog und 36 Jahre lang als Staatschef, das ist einzigartig”, schrieb der Luxemburger Pfadfinder-Verband “Scouting in Luxembourg”. Der Großherzog sei ein Vorbild für Jung und Alt. “Die tausenden Pfadfinder in Luxemburg werden euch nicht vergessen”, schreibt der Verband.

„Ich Dien“ – Großherzog Jean war das personifizierte Pflichtgefühl

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