Erstaunlich, lustig, vermeidbar, geplant? Welches Wort nutzen, um die missratene Pressekonferenz von Boris Johnson und Xavier Bettel am Montag zu beschreiben? Im Wortschatz der Diplomaten liegt eine passende Bezeichnung griffbereit: Es war ein Eklat.

Jahrzehntelang wurde darüber gewitzelt, die luxemburgische Außenpolitik würde vom Motto getrieben: „Mach es wie die Belgier. Und falls Du vor den Belgiern abstimmen musst, verschwinde einfach aufs Klo.“ Luxemburg war diskret, verteidigte seine direkten Interessen im Hintergrund, ging auf der Weltbühne hingegen keine Risiken ein. Doch das scheint lange, lange her.

Man ist versucht, die Ursache in den deutschen Talkshows zu suchen. Es fing an mit Jean-Claude Juncker, der stets mit einem lockeren Spruch durch die Fernsehstudios reiste. Es wurde perfektioniert von Jean Asselborn, der spätestens mit der Flüchtlingskrise nicht nur in der Form aufzufallen wusste, sondern auch in der Sache jede Konfliktscheu verlor. Xavier Bettels Auftritt in Abwesenheit von Boris Johnson war lediglich ein Höhepunkt dieser Entwicklung.

Bei den Luxemburgern kommen diese Auftritte eher gut an. Wir sind wer, verstecken uns nicht, können mitreden, wenn nicht sogar zeigen, wo es langgeht. Dennoch bleibt zu oft ein schaler Nachgeschmack. Asselborn wurde vor Jahren nachgesagt, bei so manchem seiner kühnen Auftritte wäre er eigentlich nur der Wasserträger seines damaligen deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier.

Über die Schärfe von Xavier Bettels Aussagen zum Brexit darf man sich auch wundern. Denn eigentlich gehört Luxemburg nicht zu den Vertretern einer harten Linie. Zu groß ist die Sorge am Finanzplatz, ein allzu harter Brexit könne die engen Beziehungen zwischen Londoner City und Kirchberger Bankentempeln stören. Bettel muss somit mit dem Verdacht leben, seine scharfe Rhetorik sei weniger der Regierungspolitik als seinem engen Verhältnis zu Emmanuel Macron geschuldet. Der französische Präsident gilt als Brexit-Hardliner.

Boris Johnsons Flucht vor ein paar lautstarken britischen Expats wird nicht als Heldentat in die Geschichtsbücher eingehen. Dennoch war es kein guter Tag für den Ruf Luxemburgs. Als Gastgeber hatte das Land eigentlich die Pflicht, eine geregelt ablaufende Pressekonferenz zu organisieren. Dies umso mehr, als das Zusammenkommen der beiden Regierungschefs lediglich ein Nebenprodukt von Junckers Unlust war, am Montag noch kurz nach Brüssel zu fahren, ehe er am Mittwoch in Straßburg erwartet wird. Johnsons Besuch bei Bettel war somit vor allem diplomatischer Höflichkeit geschuldet. Doch Undank ist der Welt Lohn.

Rein von der Logistik her war es schwierig, die Pressekonferenz mit immerhin 140 Journalisten aus dem Hof des Saint-Maximin an der place Clairefontaine in letzter Minute in einen Saal zu verlegen. Das bedeutet jedoch nicht, dass Xavier Bettels aggressive One-Man-Show nötig oder im langfristigen Interesse Luxemburgs war. Doch dies wurde einem kurzen Adrenalinschub im Scheinwerferlicht der (halb leeren) Weltbühne geopfert.

Bettel tritt allein vor die Presse – und sieht nach Treffen mit Johnson keine Bewegung im „Albtraum“

30 Kommentare

  1. Ech weess net wat Dir sichen gitt, mee ech hunn dat ok fonnt, ewéi eisen Premier dat gemaach huet.
    An wann dir déi englesch Press liest an och kuckt, dann gesitt dir och oft genuch, ewéi schwéier en Johnson et an England huet.
    All Downing Street Pressematdeelung gëtt hien ausgebuht, hien ass deen, deen virum NHS-Bus geschwat huet.
    Verdeedegt w.e.g net esou en Ligener.
    https://fullfact.org/europe/350-million-week-boris-johnson-statistics-authority-misuse/

    • Zum Thema Ligen bei der Referendumskapagne gett ett seit e puer Deeg och en interessanten Papeier vun der Universiteit Uppsala a Schweden: “Biased Forecasts to Affect Voting Decisions? The Brexit Case”. Dei Analyse beschäfftegt sech matt den pesssimisteschen Aussoen vun Experten am Fall vun engem Votum vir den Brexit, Prognosen dei nett agetraff sin an dei am Senn vun den “donneurs d´ordres” vun deenen Etüden verfaast goufen. Manipulatioun, Iertum oder Ligen? Am “Abstract” (am Résumé) zu deem Pabeier kann een liesen: “This paper introduces macroeconomic forecasters as political agents and suggests that they use their forecasts to influence voting outcomes… The results show that forecasters with stakes and influence released much more pessimistic estimates for GDP growth than other forecasters….. The actual GDP growth rate in 2017 shows that forecasters with stakes and influence were also more incorrect than other institutions and the propaganda bias explains up to 50 percent of their forecast error…”.

      • “Dei Analyse beschäfftegt sech matt den pesssimisteschen Aussoen vun Experten am Fall vun engem Votum vir den Brexit, Prognosen dei nett agetraff sin…”
        Duerf een drun erënneren, dat de Brexit na nët agetrueden as, d.h. déi negativ Konsequenzen demno logescherweis och nach nët. Déi Argumentatioun erënnert un de Mann de vum 20. Stack roffällt a beim 2. Stack denkt…”Oh, schéin, bis lo s na näischt geschitt”

        • Dei Analyse beschäftegt sech matt den Etüden vun Experten dei behaapt hun datt die negativ Konsequenzen sech schon direkt am Joer noom Referendum (also 2017) giffen bemierkbaar maachen (waat nett agetrueden ass) an se nennt dei Experten politesch Akteuren (“political agents”) dei matt hieren Prognosen d´Waalverhalten wollten beaflossen … ett kann een also doriwwer streiden op dei Etüden mei eierlech an “onbefaangen” waaren wei dem Boris Johnson seng 350 Milliounen vir den NHS…

  2. Boris hat sich die Tracht Prügel redlich verdient. Ich glaube kaum, dass Luxemburg sich dafür schämen soll und auch nicht ein XB. Einzig die Brexiteers werden natürlich nicht froh sein, aber die kann man ja sowieso nicht überzeugen.

    Wird das UK eigentlich auch internet-technisch von der EU abgetrennt werden?

  3. Et kënnt vleicht hei am Land gutt un, mais den Schued deen bei esou Ego-Optrëtter um Image vum Land ugeriicht gëtt, ass mëttelfristeg virprogramméiert. Show- Effekter déi e puer Wieler Stëmmen brengen oder wou an Kommentären populistesch iwert aner Staatsmänner an Fraen hiergefall gëtt mat ëmmer nees deenen selweschten banalen, primitiven an stereotypen Virurdeeler, sinn en Zeechen vun engem Mangel un geeschteger Maturitéit, souwuel bei Politiker ewei bei hieren Wieler. Et ass en absoluten Manko un Respekt virun der Funktioun an dem Mandat vun den Persounen.

    • Sinn 1/2 Britt kann soen dei Helschent freet sech immens eisen BoJo ass noett gewielt huet nach nie eng OLfstemmung gewonn an huet en Kompromess deen hien selwer ausgehandelt huet als Aussensecretary
      an wou hien en Backstop onerlesslech fond huet selwer torpedeiert fir mat Jo soerten ze regeieren.

  4. éch gesin daat aanescht. Deen eenzégen dee kee respekt hat war de BJ deen einfach virdrun geflücht ass well en e keng Loscht hat e puer Demonstranten ze gesin.
    Zu L gët et eben Meenungsfraiheet an domat muss och e BJ op enger Pressekonferenz rechnen.
    Wann der déi Englësch Press liest sin der net vill déi dem XB eppes virwerfen, mee ganz vill déi op de BJ klappen.
    Eisen Premier huet gesoot waat vill Leit denken, an en huet d’europäësch Iddi verteidégt, eng Iddi déi den Englänner souwiesou scho nie ganz gepasst huet.
    An och wann en harden Brexit fir Lëtzebuerg sécherléch nët ouni Spueren ausgoen waert, ass daat awer nach ëmmer kee Grond séch an en Hannerzëmmer ze verkrauchen an séch nët der GANZER Press stellen ze wëllen.
    Ech soen just : Gudd gemaach Haer Bëttel

  5. Man könnte natürlich auch sagen, dass auf einen groben Klotz ein ebensolcher Keil gehört. Mein Mitgefühl mit BOJO hält sich in engsten Grenzen…..Luxemburg wird die 5 Minutes of Fame des Premiers überleben.

    • Ist natürlich peinlich für den Premierminister eines Weltreiches, wenn ihn erst ein luxemburgischer Ex-Premier und dann ein luxemburgischer Premier mal so richtig auflaufen lassen. Und heute hat Juncker ja im EU-Parlament gleich noch ein Tracht Prügel nachgeschüttet.

  6. Zu 100% “richtig” hat sich sicherlich keine der beiden Parteien verhalten. Den Negativ-Anteil sehe ich bei Johnson allerdings deutlich höher (99,9%, ungefähr) als bei Bettel (5%, und auch nur weil er als Gastgeber protokollarische Pflichten hat). Aber sonst? Johnson kriegt das was er verdient. Wenn das Essen mit Juncker nicht in Lux. gewesen wäre (wieso eigentlich? ist das Berlaymont zu oder gibt es in Brüssel keine Restaurants?), wäre es ja gar nicht mal zu diesem (Pflicht)-Besuch gekommen, denn ein Premier kann nicht einfach mal in ein Land reisen ohne zumindest auch einen Arbeits-/Höflichkeitsbesuch bei seinem Gegenpart zu machen. Und wieso soll Bettel eine Macron-Marionette sein? Vielleicht war er ja auch eine Juncker-Marionette? Oder eine Marionette von allen, denen die ganze Chose auch auf den Senkel geht, die sich nur nicht trauen Tacheles zu reden oder glauben es nicht können zu dürfen – d.h. von der ganzen EU-27? Vielleicht hat es sich auch wirklich nur spontan ergeben, ganz der Instinktpolitiker der Bettel ist? Macron hat er in dem Fall mit Sicherheit aus dem Herzen gesprochen, aber sehr vielen andern auch. Imageschaden für Lux.?? Naja, ich weiss nicht… für mich unter dem Strich dann doch eher Gewinn.

    • Das Essen hat hier in Luxemburg stattgefunden, da Juncker massive Unlust verspürt hat, nur wegen Boris nach Brüssel zu jetten. Was ja irgendwie verständlich ist.
      Dass Juncker und Bettel (die beide durchaus miteinander reden können) ihn koordiniert und doppelt haben auflaufen lassen, glaub ich nicht ganz. Dass aber da irgendwie keine Kommunikation zur Herangehensweise herrscht kann ich mir auch nicht vorstellen…

  7. commnetaire bien réfléchi et nuancé (faut peut-être suggerer de donner un cours à notre Statsminister. des problèmes logistiques pour acceullir 140 journalists à l’interieur ? et alors… why should we care ? au moins 125 n’ont rien fait d’autre les dernières 5 années de critiquer et inculper notre pays de tous et n’importe quoi. ce ne sont pas ces gens qui vont apporter qq chose pour notre pays…

  8. Eng Sach as mol ganz klor. Den Standpukt vun der Pressekonferenz war net gut gewielt. Et war jo dovun auszegoen dass Demonstranten hannert dem Gelänner den BoJo géifen auspeiffen an dat alles géif an d’Box goen. Een ganz decken Fehler vum Organisator. Och wann den BoJo een Delpes an Liegener as, eng fair chance hätt en missen kréien fir sein Kabes rof ze leieren. Den Här Bettel deen emmer nemmen gewient war zei zu Lëtzebuerg fir un puer gapsenden Reporter seng Erklärungen ofzegin as vir un dem Koup auslännischen Journalisten een Meter méi grouss gin an wollt och mol eng Kéier an sengem Liewen Fidel Castro spillen. Hien huet seng Sach och gut gemach, an awer, seng Erklärung geet et an der grousser Welt enner. Premier vum Zwerg Lëtzebuerg? Wat as schon Lëtzebuerg op der Weltkart. Een Stroos an der Géigend vun Tréier. Mat engem Aussenminister deen schon 18 Joer lang dobaussen vir Heiterkeet an Spott suergt an net kann serieus geholl gin. Haut as dem Här Bettel sein Optrett op der Weltbühn schon vergiess awer den BoJo as dat nach net. Hien dackelt nach emmer monter duerch d’EU. Hoffentlech net méi lang.

    • Den Asselborns Jang gëtt duerchaus seriö geholl, och wann de “Muller Guy” reegelméisseg hei op dem Tageblatt Commentairë fléie léisst, déi de Contraire suggeréieren. Datt de Jang bei Faschisten à la Salvini net gutt ukënnt… öhm… wann dat alles ass?

      “Den Standpukt vun der Pressekonferenz war net gut gewielt.”
      Huet de “Muller Guy” eng aner Propose fir rapid eng Pressekonferenz ofzehalen no engem Treffen am Hôtel? Dovun ofgesinn ass bei eis Meenungsfräiheet. An iwweregens ass et och interessant, datt aner Riede vun eise Politiker a frieme Gäscht net sou gestéiert ginn. Vläicht hunn d’Demonstrante jo Recht, ne?

      “Och wann den BoJo een Delpes an Liegener as, eng fair chance hätt en missen kréien fir sein Kabes rof ze leieren.”
      Nee. Meenungsfräiheet ass eng Saach. Seng Meenung, ouni Fakten an ouni Beweiser, gouf genuch gehéiert. Et gouf all kéiers kloer bewisen, datt et Kabes wier. Da muss een deem Kabes net erëm nolauschtere wa gläichzäiteg engem Land mat 60 Milliounen Awunner deem seng eegen Zukunft ëm d’Ouere flitt, well e puer Räicher _fir_ a vill aarm Leit _géint_ hir Interesse gewielt hunn.

  9. Unter’m Strich ist die missratene Pressekonferenz ein Gewinn für den BOJO.
    Weil: die Regenbogenpresse jetzt das Kontinent wieder als Feind darstellen kann und als Ursache vom Brexitchaos.
    Die Yellowpress ist ja der Sockel und das Sprachrohr der Populisten und Brexeteers. Britten sind nun mal sehr strategisch denkende Personen und Konsens ist Ihnen Fremd. The winner takes it all. Das Rheinländische Modell unbekannt. Daher auch die Pattstellung im UK Parlament. Der Fehler wird immer wieder mit dem Zeigefinger beim Opponenten gesucht und angezeigt. So auch hier: Luxemburg wird in der Yellowpress als Bösewicht dargestellt und Boris ist froh über diese Berichterstattung. Eine manipulative, opportunistische Berichterstattung die vor von seiner Wählerschaft ohne kritische Einstellung konsumiert wird. Leider: 1- 0 für Boris – Bettel.
    Strategisch eben eine Fehleinschätzung seitens Luxemburg.

    • Was sind “Britten” und “Brexeteers”? Ansonsten hat Boris quer durch die Bank nur Prügel in der Presse bezogen und wird selbst im eigenen Land dafür ausgelacht, dass er von zwei luxemburgischen Politikern rhetorisch in die Schranken verwiesen wurde und vor ein paar Dutzend Demonstranten flüchten wollte.

  10. Von den 25 bis 30 ‘Demonstranten’ (vielleicht waren es auch ein paar mehr, und nicht nur Expats) war viel mehr Gesang (Beethoven) als Buh-Rufe zu hören. Man hätte Boris Johnson zugehört, obwohl lange auf die Pressekonferenz gewartet wurde, unter Hochhalten der Europaflagge und sogar des Union Jack. Leider hat es ihm besser ‘in den Kram’ gepasst, Herrn Bettel einfach stehen zu lassen. Dem Staatsminister sei alles Lob für seine Worte gegönnt.

  11. Den Bojo huet sech sengen Mattbierger hei zu Letezbuerg( Inselbewunner, dei hei bei eis liewen) net gestallt an ass a mengen Aen ee richtegen Feigling matt grousser Sch…..🤡

  12. @KTG; Een “Asselborns Jang” kennen ech net. Ech wees awer dass et een Här Asselborn get. ” Fir rapid eng Pressekonferenz ofzehalen no engem Treffen am Hôtel” Ech denken dass dir do den Hôtel St. Maximin, den neien Setz vum Premier gemengt hut. Dat as net irgend een Hôtel. Dest Gebei as vir un kurzem ganz renowéiert gin an ech gin dovunner aus dass et do een groussen Sall get fir Pressekonferenzen ofzehalen. Sos hät den Architekt schlecht Arbecht gemach. Wat lo dat “rapid” ugeet mengen ech dass virdrun genug Deeg zur Verfügung stongen fir dat ordentlech virzebereden.

    • Déi Remarque ass witzeg vun engem, dee reegelméisseg hei untrëtt fir dee Minister duerch de Kakao ze zéien. Ech zitéieren emol de “Muller Guy”: “Dommheet as keen Privileg vun Memberen vun Lenks oder Rietsparteien. Asselborn as dat beschten Beispiel.”
      Freet sech wien hei respektlos ass. “Wer im Steinhaus sitzt, sollte nicht mit Glasscherben werfen.” oder sou ähnlech. Gell?

  13. Ech fannen de X.B. huet alles richtesch gematt, henn huet dat gesott watt anner denken awer sech trauen ze soen .
    Merkel an konsorten.
    Den einzejen denn dat och esou giff machen an soen ass de E.Macron.

    • Och e gewësse JCJ léisst duerchaus spatz Remarquë fléien, an de Macron ass däitlech méi subtil wéi den XB do war. Datt se Schlécken a Kéis iesse waren, war natierlech och ganz subtil vum JCJ, an datt de JCJ dono gesot huet, hien hätt d’Rechnung iwwerholl, well e keng aner Méiglechkeet gehat hätt, war och net vu schlechten Elteren.

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