Knappe 16 Milliarden Dollar Gewinn hatte Facebook im vergangenen Jahr erwirtschaftet. 2,3 Milliarden Menschen nutzen das Angebot, dies im Durchschnitt rund eine halbe Stunde pro Tag. Facebook unternimmt so einiges, um auf diese sieben Dollar Gewinn pro Jahr und Nutzer zu kommen. Viele User wären bereit, diesen kleinen Obulus zu entrichten, um das Netzwerk nutzen zu dürfen, doch Marc Zuckerberg hat entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen. Die Teilnehmer bezahlen mit ihren Daten, die dazu genutzt werden, personalisierte Werbung zu verkaufen. Das ist das Geschäftsmodell des Internetgiganten.

Je treffsicherer diese Werbung platziert wird, umso größer sind die Chancen, dass sie angeklickt wird – und das werbende Unternehmen einen kleinen Geldbetrag an Facebook überweist. Je besser Facebook seine Nutzer kennt, umso länger kann es sie auf der Seite behalten. So erhöhen sich die Chancen, dass Anzeigen angeklickt werden. Facebook hat also starke Anreize, die Verweildauer seiner Nutzer möglichst in die Länge zu ziehen.

Nun ist es jedoch so, dass negative Posts mehr Aufmerksamkeit erregen als positive. Man ist eher geneigt, aktiv zu werden und sein Missfallen in die Tasten zu hauen, wenn man verärgert ist, als wenn man dem zustimmt, was man liest oder sieht. Negative Emotionen wirken stärker als positive. Dies ist dem Facebook-Algorithmus bewusst.

Indem die Welt als furchterregend dargestellt wird, kann die Verweildauer also erhöht werden. Das tut der Algorithmus dann auch. Das angeblich so soziale Netzwerk quillt über von Hassposts, verfälschten oder aus dem Kontext gerissenen Nachrichten, Mobbing, Rassismus und anderen hässlichen Dingen.

Facebook kennt dich nur zu genau und weiß, was dich aufregt, und sorgt dafür, dass der Nachschub an unerfreulichen Nachrichten nicht abebbt. So verdient das Unternehmen sein Geld. Doch der Datenberg, den Facebook über seine Milliarden Nutzer angehäuft hat, kann nicht nur dazu genutzt werden, um Turnschuhe oder CDs zu verkaufen. Es ist auch möglich, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Deutlich wurde dies u.a. bei den Präsidentschaftswahlen in den USA und bei der Brexit-Abstimmung.

Im Gegensatz zu Anzeigen, die ein banales Produkt verkaufen wollen, ist in diesem Fall nicht offensichtlich, wer hinter der Kampagne steckt. Die Gewinnsucht des kommerziellen Unternehmens hat also dazu geführt, dass sich nicht unbedingt die beste politische Option durchsetzt.

Nun muss jeder Nutzer für sich entscheiden, ob er weiterhin ein solches Unternehmen mit seinen Daten unterstützen will. Die rezenten Datenskandale haben schon dazu geführt, dass viele Nutzer Facebook den Rücken gekehrt haben. Der Aktienkurs hat sich in der Folge fast halbiert.

Auch viele Behörden sind aufmerksam geworden und wollen das Netzwerk stärker regulieren. Diese strengeren Regeln könnten das Geschäftsmodell infrage stellen, doch Zuckerberg wird auch hier einen Weg finden, um diese zu umgehen. Er hält sich ja bereits heute nicht an die selbst auferlegten Regeln. Was Facebook eher dazu bewegen könnte, die Datensicherheit ernst zu nehmen, wäre, wenn sich die Nutzer von dem asozialen Netzwerk abwenden würden.

7 Kommentare

  1. Ich hatte noch nie ein Konto bei Facebook. Der Datenskandal gibt mir wohl Recht. Eine Regulierung ist aber gegen die Meinungsfreiheit. Wer reguliert die Regulierer? Eine Demokratie muß auch unerwünschte Meinungen ertragen.

      • Tja, bei Facecrack ist das leider größtenteils der Fall, also Meinungsfreiheit für Hassschleudern. Anders kann man nicht erklären, wie sich dort überhaupt Trump-Fans und AfD-Fanatiker den ganzen Tag über austoben dürfen. Und einige interessante “Lëtzeboier” (kann man das essen?) gibt’s ja auch, die sich auf Facecrack in aller Natürlichkeit zeigen.
        Leider hat auch nicht nur Facepuke hat ein Problem. Auch auf Twitter, Reddit, Instagram usw. ist alles voller Nazis, Faschos, Rassisten und sonstigem Gesocks.

  2. Ohne Facebook weiss ich nicht mehr was wann und wo Was läuft in der Stadt, deshalb hab ich Facebook mit falschem Namen und ohne irgendwelche Infos über mich, ausser Fakes. Wer sagt mir wenn Jimi Hendrix im Rocas spielt oder Janis Joplin im Liquid singt. Früher gab es Plakate. Für Nationalfeiertag oder Sylvester in der Stadt braucht man kein Facbook, ausserdem meide ich diese Veranstalungen sowieso.

  3. Facebook hab ich seit einigen Jahren nicht mehr. Wurde mir einfach zu blöd, diese Filterblase, die mir nur Ramsch angeboten hat. Werbung, anscheinend auf mich zugeschnitten, was schwer ist, weil ich nie Online einkaufe, also hat der Algoritmus mir auch nur “random” Schrott gezeigt. Und “Artikel” oder “Posts” die mich “interessieren könnten” such ich mir auch selbst in Online- oder physischen Zeitungen aus.
    Also bin ich raus aus der Hass-Manipulation-Konsum-Filterblase, und lebe in der realen Wirklichkeit.
    Und da gibt es erst richtig viel Hass und Respektlosigkeit, im großen, flächendeckenden Netzwerk der Straßen.
    Was die Menschen dort “pseudo-anonym” hinter dem Lenker so alles ablassen, hinter ihrem “alias” versteckt, dem Nummernschild, das ich nicht posten darf, das weis wohl jeder.
    Mich wundert es eigentlich nicht, daß es “online” rücksichtslos zugeht. Reality bites.
    Denn gleichzeitig sind die Blechpanzerfahrer ja auch “online”..total vernetzt, und derweil sie am laufenden Meter bei laufendem Motor Ordnungswidrigkeiten produzieren, posten sie Hass- und Wutkommentare über Ihresgleichen, ein- oder gar freihändighändig am Steuer, mampfend, schminkend, rauchend, abgelnekt vom Lenker und diesem sonderbaren Schirm, der Windschutzscheibe, der einfach nicht auf hin- und herwischen reagieren will….

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