Bei der Aushebung einer Sandgrube bei Schengen wurde 1995 das Grab einer Frau aus der Zeit um 500 v. Chr. (Eisenzeit) entdeckt. In mühevoller Kleinarbeit versuchten Archäologen nun, Rückschlüsse auf das Leben der „Dame von Schengen“ zu ziehen.

Eisenzeit

Die Eisenzeit begann in Mitteleuropa um 700 v. Chr., zeitgleich mit dem Aufblühen der keltischen Kultur, und dauerte in etwa bis zur Zeitenwende (Geburt Christi). Sie wird Eisenzeit genannt, weil das Eisen die Bronze als wichtigstes Metall in der Herstellung von Waffen und diversen Geräten ablöste. (Quelle: www.cpw-online.de)

Klein war sie, die Frau, für heutige Verhältnisse sehr klein. Den Erkenntnissen der Archäologen zufolge maß die Frau, deren Grab vor 23 Jahren in Remerschen entdeckt wurde, um die 1,54 Meter. Dass es sich dabei nicht um ein Kind oder eine Jugendliche handelte, konnten die Forscher anhand von vier Zähnen feststellen, die im Grab gefunden wurden. Als die Frau starb, wird sie um die 35 Jahre alt gewesen sein. Das war vor rund 2.500 Jahren, während der Eisenzeit – also in jener Zeit, in der in unseren Gegenden Stämme der Kelten wohnten.

Die Zähne sind das Einzige, was noch von ihrem Körper übrig geblieben ist. Sogar die Knochen haben sich aufgelöst, was auf die saure Bodenbeschaffenheit am Fundort zurückzuführen ist: Je saurer der Boden, desto schneller lösen sich die Knochen auf. Die Wissenschaftler hatten nur wenige Anhaltspunkte zur Verfügung, um sich ein Bild der bestatteten Frau zu machen.

Schmuck zeigt Gesellschaftsschicht

Nicht nur Kleider machen Leute: Schon in früheren Zeiten zeigte der Schmuck eines Menschen, welcher Gesellschaftsschicht er angehörte. Im Falle der Dame von Schengen sind es Schmuckstücke, die den Archäologen Aufschluss über ihre soziale Stellung geben. Am auffälligsten sind die schweren bronzenen Armreife sowie wie Schläfenringe, die bei ihr gefunden wurden. Rückschlüsse auf ihre Kleidung konnten die Wissenschaftler anhand ihrer kleinen Spangen, Vogelfibel genannt, ziehen, die Kleidungsstücke zusammenhielten. All dies veranlasste die Forscher zur Annahme, es handele sich um eine keltische Adelige. Einer der Attraktionen der Ausstellung ist neben der Rekonstruktion des Grabes ein Hologramm, das eine Frau aus der Zeit nachbildet, anhand derer die Entwicklung der Kleidung von einem sehr einfachen Kleid aus einem Stoffstück zu einem Rock für Damen der besseren Gesellschaft dargestellt wird.

Schautafeln erklären neben der Ausstellung den Hergang der Ausgrabungen sowie die Vorgehensweise der Archäologen. In der Archäologie, erklärt Foni Le Brun-Ricalens, verantwortlicher Archäologe, gehe man nicht auf Schatzsuche und grabe einfach Sachen aus. Die Art und Weise, wie und wo Artefakte gefunden werden, sei ebenso wichtig wie das gefundene Stück selbst. Ziel der Archäologie sei es, aus allen Hinweisen Rückschlüsse auf die Vergangenheit zu ziehen.

Ad vitam aeternam

Die Dame von Schengen

Di.-So. von 10-17 Uhr
Ausstellung noch bis zum
14. Februar 2019
Biodiversum –
Centre Camille Gira
5, Bréicherwee, Remerschen

„Mit dem Untertitel der Ausstellung ‘ad vitam aeternam’ (zu Deutsch: Bis in alle Ewigkeit) wollen wir die Besucher dazu anregen, auch insgesamt über das menschliche Schicksal nachzudenken“, sagt Le Brun-Ricalens.

Interessant, fast eine Sensation, war für die Archäologen die Tatsache, dass sich in dem Grab Reste einer bi-rituellen Bestattung befanden. Winzige organische Partikel zeigten den Archäologen, dass sich im Grab Holz befunden haben musste, was auf einen Sarg schließen lässt. Neben den Überresten der Frauenleiche befand sich im Grab eine Urne mit Aschenresten einer Feuerbestattung. Beides zusammen sei äußerst selten. Warum der zweite Tote in einer Urne bei der Frau bestattet wurde, darüber können die Wissenschaftler heute nur mutmaßen. Es wird angenommen, dass er ein naher Verwandter war.

Grab unter dem Zufahrtsweg

Das Grab ist nur eines von vielen. Bei den Arbeiten an einem Zufahrtsweg für eine Sandgrube entdeckte die Firma Hein 1995 ein ganzes Gräberfeld. Zwischen 1995 und 1998 wurden anschließend in „Klosbaam“ unter der Leitung von Le Brun-Ricalens Rettungsgrabungen durchgeführt, bei der rund 50 Brandgräber aus der Bronzezeit und fünf Körperbestattungen aus der Eisenzeit freigelegt werden konnten.

Dass es bis heute dauerte, bis die Fundstücke der Öffentlichkeit präsentiert wurden, erklärte Le Brun-Ricalens damit, dass es so viele Funde aus dieser Gegend gibt und es deshalb viel Zeit in Anspruch genommen hat, bis die Funde überhaupt untersucht werden konnten. Zudem sei die Archäologin, die anfangs die Untersuchungen leitete, verstorben, und das Laboratorium habe rund zwei- bis dreimal so viel Zeit für die Untersuchungen benötigt als die Ausgrabungen selbst, die in diesem Fall vier Jahre dauerten.

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