Seit letztem Mittwoch ist die belgische Polizei wieder dabei, in Sachen „Tueurs du Brabant“ zu ermitteln. Durch einen Zeugenaufruf erhofft man sich neue Hinweise. In den Jahren 1982 bis 1986 kamen insgesamt 28 Menschen ums Leben, als eine Bande von rücksichtslosen Killern eine ganze Reihe von Überfällen auf Restaurants, Geschäfte und Supermärkte beging. Die Täter wurden nie gefasst. Und das ist nicht die einzige Parallele zur „Affär Bommeleeër“.

Maubeuge ist eine französische Kleinstadt im Département Nord direkt an der belgischen Grenze. Ihr Ursprung geht auf das 7. Jahrhundert zurück. Unter Louis XIV von Vauban wurde sie zur Festungsstadt ausgebaut. Im Ersten Weltkrieg wurde sie von der deutschen Truppe belagert, im Zweiten Weltkrieg schoss die Wehrmacht das historische Stadtzentrum in Brand.

Maubeuge ist auch Schauplatz des ersten Überfalls der sogenannten „Tueurs du Brabant“, die zwischen 1982 bis 1985 unser Nachbarland unsicher machten. Am 14. August 1982, also an einem Samstag, griffen maskierte Männer dort ein Lebensmittelgeschäft an. Dabei gab es einen Verletzten. Dies war der Beginn einer Verbrechensserie, die in der Form nicht nur beispiellos war, sondern auch stark an jene erinnert, die unser Land zwischen 1984 und 1986 in Angst und Schrecken versetzte.

Sechs Wochen nach dem Angriff auf das Lebensmittelgeschäft, genauer gesagt am 30. September 1982, wird ein Mann bei einem Angriff auf ein Waffengeschäft getötet – diesmal allerdings im belgischen Wavre. Drei Menschen werden dabei verletzt. Noch am selben Tag werden zwei Menschen bei Schüssen auf Mitglieder der „Brigade de surveillance et de recherche“ der Gendarmerie in Hoeilaart verletzt. Dann herrscht Funkstille. Fast drei Monate passiert nichts mehr – bis am Tag vor Heiligabend, als ein Mann bei einem Überfall auf das Brüsseler Hotel Chevalier getötet wird.

Parallelen zum „Bommeleeër“

Fast scheint es, als hätte die Killerbande von Brabant eine Art „Anlauf“ gebraucht. So wie auch die „Bommeleeër“: Nach den beiden Attentaten auf Hochspannungsmasten in Beidweiler am 30. Mai und 2. Juni 1984, die gemeinhin als Testläufe angesehen werden, ist es bis Ende April 1985 ruhig. Doch zurück nach Belgien. In den kommenden Monaten zieht sich eine regelrechte Blutspur durch die Provinz Brabant. Bei Überfällen auf Supermärkte der Kette Colruyt und Delhaize sowie bei Angriffen auf Einzelwarenhändler sterben zehn Menschen im Kugelhagel. Acht weitere werden zum Teil schwer verletzt. Die Angreifer gehen nicht nur mit militärischer Präzision vor, sondern auch mit äußerster Brutalität.

Doch nicht nur das: Die Ermittler tappen völlig im Dunkeln, was die Unruhe in der Bevölkerung nur noch verstärkt. Der belgische Staat ist machtlos und bekommt von den „Tueurs du Brabant“ gnadenlos aufgezeigt, wie schlecht es um seine innere Sicherheit bestellt ist und wie hilflos der Staat ist, wenn es darum geht, seine Bürger vor der Willkür einer Killer-Gang zu schützen.

Genauso verhält es sich in der „Affär Bommeleeer“, wobei es die „Bommeleeër“ nicht auf Menschenleben abgesehen hatten. Dennoch wurden bei den 20 Attentaten eine Reihe Menschen verletzt, darunter einer schwer. Glimpflich verlief allerdings das Attentat mit der Sprengfalle (Booby Trap) Anfang Juli 1985 in Asselscheuer. Nicht vergessen werde sollte auch, dass ein junger Soldat, der dazu eingeteilt wurde, Flugzeuge auf Findel zu überwachen, bei einem Unfall zwischen Senningerberg und „Waldhaff“ ums Leben kam.

Wie dem auch sei. Auch die „Bommeleeër“ agieren mit militärischer Präzision. Die Abläufe sind minutiös geplant und setzen reichlich Insiderwissen voraus. Und die Behörden? Auch in Luxemburg tappen sie völlig im Dunkeln. Nicht außer Acht gelassen werden darf in dem Zusammenhang allerdings, dass die polizeilichen Ermittlungen alles andere als mit großem Eifer und der notwendigen Seriosität vorangetrieben wurden. Vielmehr ging es eher darum, diese zu boykottieren.

Staatsterror?

Insgesamt 28 Tote und zig Verletzte – das ist die Bilanz nach vier Jahren Terror in Brabant. Allein beim letzten Angriff auf einen Supermarkt am 9. November 1985 in Aalst sterben acht Menschen im Kugelhagel. Dann ist der ganze Spuk vorbei. Die „Tueurs du Brabant“ verschwinden so geheimnisvoll von der Bildfläche, wie sie aufgetaucht waren. Und dies ist eine weitere Parallele zu den „Bommeleeër“, deren Serie am 25. März 1986 endet.

Seitdem ranken sich jede Menge Gerüchte und Verschwörungstheorien um diese Attentatsserien. Wurden die Täter von höchsten Stellen gedeckt? Waren die politisch Verantwortlichen eingeweiht? Handelte es sich um sogenannten Staatsterror? Sind die „Tueurs du Brabant“ wie auch die „Bommeleeër“ in einem internationalen Kontext zu sehen und Teil einer Strategie im Rahmen des Kalten Krieges? Denn der hatte Europa Mitte der 80er Jahre noch fest im Griff.

Immer wieder werden und wurden auch Stimmen laut, die die „Tueurs du Brabant“ genauso wie die „Bommeleeër“ in die Nähe des „Stay behind“-Netzwerkes rücken. Allerdings lieferte eine Untersuchungskommission des belgischen Parlaments keine Ergebnisse, da die Parlamentarier massiv durch die belgischen Geheimdienste behindert wurden. In Luxemburg kam derweil erst gar keine „commission d’enquête“ zustande, nachdem Premierminister Jacques Santer am 14. November 1990 die Existenz jenes Netzwerkes enthüllt hatte.

Es ist zweifellos schwierig, zu dem Punkt zu gelangen, an dem der Staat über seine eigenen Verbrechen spricht. Denn eine solche Ungeheuerlichkeit dürfte es in westeuropäischen Demokratien nicht geben. Dennoch wurde sowohl in Belgien als auch in Luxemburg des Öfteren Krieg „gespielt“. Und vielleicht lief dabei einiges aus dem Ruder …

 

1 Kommentar

  1. “die unser Land zwischen 1984 und 1986 in Angst und Schrecken versetzte”? Ech faerten di Behaaptung ass eng Grimmel iwwerdriwwen. Et besteet dach kee Verglach mam “Bommelee’er”.
    De Biirger wor héchstens gespaant (an dat nach bis haut) wien dee Bommelee’er wuel ass.

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