Le loup est dans la bergerie! Aber müssen wir deswegen gleich in Panik verfallen? Das ist hier die Frage. Worum geht’s? Nun, der weltweit größte Anbieter von Eisenbahnfahrzeugen, die “China Railway Rolling Stock Corporation” (CRRC), hat die Lokomotivproduktion des deutschen Vossloh-Konzerns erworben. Vossloh ist hier im Land kein Unbekannter: Ein großer Teil des Lokomotivparks von CFL Cargo stammt von diesem in der schleswig-holsteinischen Hafenstadt Kiel beheimateten Hersteller. Bereits die Arbed hatte ihre gesamte heutige Flotte an Rangiermaschinen vor rund einem halben Jahrhundert von der Vorgängergesellschaft “Maschinenbau Kiel” (MaK) bezogen.

Die Vossloh-Lokomotiven gelten als Referenz, wie nicht zuletzt die derzeit von CFL Cargo in Dienst gestellte 1.800 kW starke dieselelektrische Reihe DE18 bezeugt. Und doch geht, wie das Handelsblatt schreibt, dieser europäische Hersteller von Qualitätsprodukten für einen Betrag “im niedrigen einstelligen Millionenbereich” an die Chinesen über. Was darauf zurückzuführen ist, dass der Vossloh-Lokomotivbau seit Jahren zum Teil erhebliche Verluste vor sich herschiebt.

Die Vossloh-Sparte Gleisbau ist übrigens von dieser Transaktion nicht betroffen: Erinnern wir daran, dass die Vossloh-Tochter “Vossloh Cogifer Kihn” in Rümelingen Weichen u.a. sowohl für den TGV als auch für Luxtram baut. Letztere übrigens mithilfe von Rillenschienen aus dem Rodanger Arcelor-Walzwerk.

CRRC ist nicht unbedingt so sehr an europäischen Dieselloks interessiert als vielmehr am Zugang zu den EU-Märkten für Eisenbahn-Rollmaterial. Und weil solche Dieselloks überall in Europa relativ problemlos verkehren können – weil sie nicht an eines oder mehrere der vier in unseren Breiten üblichen Stromsysteme angepasst werden müssen –, hat Vossloh im Laufe der Jahre große Erfahrung bei der Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen quer durch den Kontinent ansammeln können. Genau dieses Know-how wollen sich die Chinesen zunutze machen, um ihre eigenen Produkte auch innerhalb der EU anbieten zu können. Wobei CRRC jüngst sogar hybride Loks (dieselelektrisch und rein elektrisch) an die Deutsche-Bahn-Tochter DB Netz verkauft hat.

Für den Standort Kiel besteht die Gefahr nun darin, dass der Ostseemetropole in Zukunft hauptsächlich die Entwicklungsabteilung samt ihrer hochqualifizierten Ingenieure erhalten bleibt, während sich die industrielle Tätigkeit zunehmend auf den Zusammenbau von in China hergestellten Komponenten beschränken wird. Vor allem aber dürfte der quasi unentgeltliche Technologie-Transfer aus Kiel nach China der europäischen Konkurrenz Sorgen bereiten. Andererseits sitzt CRRC, wie viele chinesische Großkonzerne, auf einem riesigen Haufen Cash, der dazu dienen könnte, die Vossloh-Lokomotivsparte nachhaltig zu rekapitalisieren und somit schlicht und ergreifend vor dem Untergang zu bewahren.

Der Vossloh-Kauf durch CRRC stellt aber auf jeden Fall die Entscheidung der Europäischen Kommission vom Februar dieses Jahres infrage, die eine Fusion der Eisenbahnsparten von Alstom und Siemens aus kartellrechtlichen Gründen verboten hatte.

Wenn schon ein chinesischer 500-Pfund-Gorilla in den europäischen Ring steigen darf, so sollte ihm doch ein zumindest ebenbürtiger europäischer Widersacher entgegentreten können.

12 Kommentare

  1. China kauft noch ganz andere Sachen auf als Vossloh. Da werden uns in Europa in Zukunft noch Hören und Sehen vergehen. Ob man will oder nicht, so wie es aussieht, gehört die Zukunft China.

  2. Was Jammert ihr, wir haben unser “Kow How” ja auch an die Chinesen verkauft. Die haben damals geschuftet wie im Arbeitslager, habe zweimal in Belval reinschauen dürfen.

  3. 1996 war es recht unangenehm, mit den Chinesen in Kontakt zu treten, man sah, dass die unter irgendeiner Fuchtel standen. Wie es heute aussieht? Wäre noch zu prüfen!

  4. Um Weltmart geet neischt méi ouni d’Chinesen. Eigentlech as et jo och schon ze spéit fir d’Chinesen an aner Asiaten an Europa auszegrenzen. Firwat och. Sie sin eis meschtens weit viraus an mir mussen sie kopéieren vir net ofgehang ze gin. Vir un 15-20 Joer war et nach emgedréint. Een Beispiel: Déi dichteg VW Helden kennten an Zukunft nie een Elektro Auto ubidden wann se net alles géifen aus China an Südkorea bezéien. Sie selwer kennen, jo haut nach, kaum een propperen Benzin Motor bauen deen d’Euro 5 Norm erfellt.

    • Virwat ass dat da komm, dass op eemol d’Chinesen eis haushéich iwwerléie sinn? Well mir arrogant a ze bequem gi sinn! An ët ass nach nët eriwwer.

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