Der F91 Düdelingen ist am Dienstag in Jerewan gelandet. In der armenischen Hauptstadt wird am Donnerstag (17.00 Uhr MESZ) das Europa-League-Play-off-Hinspiel gegen Ararat-Armenia ausgetragen. Mit an Bord ist auch Neuzugang Charles Morren, der sich in kürzester Zeit zu einem wichtigen Puzzleteil im F91-Mittelfeld entwickelt hat.

Vorverkauf am Freitag

Der Vorverkauf des F91 Düdelingen für das Heimspiel gegen Ararat-Armenia Jerewan wird nicht wie am Dienstag angekündigt am Donnerstag, sondern erst am Freitag stattfinden. Die Tickets können zwischen 17.30 und 20.00 Uhr wie gewohnt im F91-Büro erworben werden (place de l’Hôtel de ville).

Charles Morren weiß, was Provinzfußball bedeutet, und geht deshalb mit der nötigen Demut an seine Aufgaben heran. Nach einem zweijährigen Aufenthalt im Nachwuchsleistungszentrum des belgischen Traditionsvereins RAEC Mons (U12 und U13) kehrte der Mittelfeldspieler als junger Teenager zu seinem Heimatverein Lessines-Ollingies zurück. „Ich hatte meine Probleme mit den vielen Anreisen und habe es deshalb bevorzugt, mit meinen Kumpels zu spielen“, sagt der Neu-Düdelinger.

Beim Viertligisten aus der Provinz Hainaut blieb er bis zu seinem 22. Lebensjahr, weil er seine Ausbildung zum Physiotherapeuten in den Mittelpunkt stellte. Erst als diese erfolgreich abgeschlossen war, unterschrieb er seinen ersten Profivertrag bei der Union Saint-Gilloise. Mit der Mannschaft aus Brüssel schaffte er den Aufstieg von der zweiten in die erste Division. Morren wurde Publikumsliebling wegen seiner Einstellung und Kapitän aufgrund seiner Arbeitsmoral. „Ich habe immer versucht, alles zu geben. Nicht mehr und nicht weniger“, erklärt der Mittelfeldspieler sein Erfolgsrezept.

Eine schwere Entscheidung

Steckbrief

Name: Charles Morren

Geboren am: 28.2.1992

Nationalität: Belgier

Position: Zentrales Mittelfeld

Bisherige Vereine:
Lessines-Ollignies,
RAEC Mons,
Lessines-Ollignies,
Union Saint-Gilloise (alle B),
F91 (seit 1.7.2019)

Sportliche Bilanz beim F91:
5 Spiele, kein Tor (im Europapokal)

In der vergangenen Saison war er in Saint-Gilles aber nicht mehr erste Wahl. Morren stand trotzdem in der Startelf, als sein Verein den RSC Anderlecht im 1/16-Finale sensationell mit 3:0 aus dem Pokal fegte. Ende der Saison kam er jedoch zu der Erkenntnis, dass seine Zeit abgelaufen war. „Es war eine schwere Entscheidung, die Union Saint-Gilloise zu verlassen. Nach fünf Jahren dort war es mein Herzensverein geworden. Ich habe jedoch gemerkt, dass ich in Zukunft nicht mehr erste Wahl sein würde und wollte eine weitere Saison mit wenigen Einsätzen unbedingt vermeiden“, erklärt Morren seine Entscheidung.

Im vergangenen Juni flatterte das Angebot des F91 ins Haus. „Ein Spielerberater, der wusste, dass Emilio Ferrera Düdelingen übernehmen würde, hat ihm mein Profil angeboten. Ich fand es interessant, einmal die Chance zu bekommen, Champions oder Europa League spielen zu können und habe das Angebot angenommen“, so der 27-Jährige.

In Ferrera fand er einen Trainer vor, der in Belgien einen Namen und ein Image hat. Taktisch genial, aber oft nicht einfach im Umgang mit den Spielern, so lauten die Vorurteile. Auch seinem ehemaligen Trainer Marc Grosjean (2009 bis 2011 beim F91) werden ähnliche Charaktereigenschaften nachgesagt. „Emilio Ferrera fordert sehr viel, ist streng und kann hart im Umgang sein. Meiner Meinung nach braucht man dies jedoch, um sich im Profibereich zu behaupten. Er ist ein ähnlicher Typ wie Grosjean, und das war auch einer der Gründe, warum ich Düdelingen eine Zusage gegeben habe“, sagt Morren.

Nicht nur Botaniker Charles Morren

In Düdelingen war er zu Beginn einer von 29 Neuzugängen. Einer von vielen ohne Namen in Luxemburg. Den hat sich Morren mittlerweile gemacht. Seit er das Mittelfeld nach seiner Einwechslung im Hinspiel gegen FK Shkëndija (2:1) stabilisierte, ist er aus den Plänen von F91-Trainer Emilio Ferrera nicht mehr wegzudenken. Leidtragender dieser Entwicklung ist sein Teamkollege Mickaël Garos, der seit diesem Schlüsselmoment in der Europa League die Bank drückt. Morren nimmt die Rolle des kleinen Arbeiters ein, während sein Nebenmann Mario Pokar für die kreativen Momente im F91-Spiel verantwortlich ist.

Auch das Kapitänsamt, das er in Belgien während zwei Jahren ausübte, musste er zunächst einmal ad acta legen. In Düdelingen sind die Routiniers Tom Schnell und Jonathan Joubert nämlich die Chefs auf dem Platz. „Kapitän zu sein, ist eine schöne Sache, aber sie ist kein Muss. In Düdelingen ist das nicht meine Rolle. Ich bin neu im Verein, versuche zurzeit, mich gut einzugliedern. Tom Schnell ist der perfekte Kapitän für den F91.“

Morren kennt seine Aufgabe und wird auch am Donnerstag gegen Ararat-Armenia versuchen, diese zu verrichten. „Der Gegner kann Fußball spielen und hat einige starke Individualisten. Allerdings ist der Verein neu und die Kohäsion zwischen den Spielern ist vielleicht noch nicht die beste. Unser Team besteht zwar auch fast nur aus neuen Spielern, aber ich denke, dass wir uns in den vergangenen Wochen gut entwickelt haben und dabei sind, zu wachsen.“

Und einen Namen will sich Morren auch noch machen. Bisher hat nur der gleichnamige belgische Botaniker Charles Morren, der im 19. Jahrhundert herausfand, wie die Vanille bestäubt wird, einen Wikipedia-Eintrag. Der Fußballer ist der Online-Enzyklopädie noch unbekannt. Eine Möglichkeit, dies zu ändern, ist die Qualifikation für die nächste Runde und damit die nächste luxemburgische Sensation auf internationalem Parkett. „Es wäre Wahnsinn, gegen Topvereine in der Gruppenphase antreten zu können. Wir haben das Ziel jetzt vor Augen und müssen diese Chance ergreifen“, sagt der Belgier selbstbewusst.

Kommentieren Sie den Artikel


Please enter your comment!
Please enter your name here