Die luxemburgische Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zum Todesfall eingestellt. Der Sechsjährige war vor einem halben Jahr in Grevenmacher ertrunken. Jetzt übt der Vater Kritik.

Von Bernd Wientjes

Maziyar Movafagh ist geschockt. Der 45-Jährige will wissen, warum sein sechsjähriger Sohn Paydar im Juli vergangenen Jahres gestorben ist. Der Junge war am 27. Juli 2018 im Freibad im luxemburgischen Grevenmacher ertrunken. Jetzt hat die luxemburgische Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sie die Ermittlungen in dem Fall eingestellt hat. Die Untersuchung habe ergeben, dass den im Schwimmbad an dem Tag anwesenden Bademeistern und auch den Rettungskräften kein Fehlverhalten und keine Fahrlässigkeit nachgewiesen werden könne.

„Ich will wissen, wer schuld ist am Tod meines Jungen“, sagt Movafagh am Mittwoch (6.2.), nachdem er aus der Zeitung erfahren hat, dass die Ermittlungen eingestellt worden sind. Seit dem tragischen Todesfall habe die Staatsanwaltschaft keinen Kontakt zu ihm gesucht, obwohl er mehrmals versucht habe, mit der Behörde und mit der Polizei zu sprechen.

Der 45-Jährige, der in der Nähe von Düsseldorf lebt, ist getrennt von der Mutter des Jungen. Diese lebt in Luxemburg und war an jenem Freitag im Juli mit dem Sechsjährigen im Schwimmbad. Kurz nach 16 Uhr ging der sechsjährige Paydar vor den Augen der über 1.000 Schwimmbad-Besucher an diesem heißen Sommertag im Nichtschwimmerbecken unter und blieb am Boden liegen. Bademeister bargen den Jungen und leisteten Erste Hilfe.  Fünf Tage später starb Paydar im Krankenhaus in Luxemburg.

Kurz nach dem Unfall hatten sich zwei Zeugen aus Konz beim Trierischen Volksfreund gemeldet. Sie warfen den Bademeistern des direkt an der Mosel gelegenen Freibads vor, nicht genug aufgepasst zu haben.

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Vorwürfe nach tödlichem Badeunfall [Premium]

 

An dem Pool für Kleinkinder und am Nichtschwimmerbecken habe sich kein Personal befunden, sagte damals eine Frau, die mit im Schwimmbad war. Den Rettungseinsatz bezeichnete sie als chaotisch: Eintreffende Sanitäter hätten durch den umständlichen Zugang zum umzäunten Ort wertvolle Zeit verloren, die Polizei sei sogar erst nach einer Stunde eingetroffen. Kurz nachdem die Frau und ihre Tochter ihre Vorwürfe via Facebook öffentlich gemacht hatten, erhielten sie eine E-Mail des Grevenmacher Bürgermeisters, der den Frauen Verleumdung vorwarf und  ihnen mit einer Klage drohte. Das Schwimmbad ist in Trägerschaft der Gemeinde.

Movafagh sieht eine Mitschuld am Tod seines Jungen auch bei dem Bürgermeister. Er habe nicht dafür gesorgt, dass in dem überfüllten Schwimmbad ausreichend Bademeister eingesetzt worden seien. „Ich will die Wahrheit wissen“, sagt der 45-Jährige, der sich nach eigener Aussage seit dem Tod des Jungen in psychologischer Behandlung befindet. Er werde so lange keine Ruhe geben, bis ihm jemand Antwort darauf geben könne, wer an dem Unfall Schuld trage. „Notfalls“, sagt er, „werde ich mit Freunden nach Luxemburg fahren und mit dem Foto meines Jungen vor der Staatsanwaltschaft so lange demonstrieren, bis einer mit mir redet.“

Der Autor ist Redakteur beim Trierischen Volksfreund. 

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