Auf einer Fahrt entlang der Mosel ist die Baustelle am Ufer nicht zu übersehen. Berge und ein Kran ragen neben der Straße auf. Erde wird bewegt, um zu bauen. Das Winzerdorf Ehnen bekommt einen eigenen Schiffsanleger, der den Namen verdient. Das ist aber nur der Anfang auf dem Weg zu einem der „Must be“-Plätze an der Mosel.

„Direkt nach der Wahl haben wir als Schöffenrat die Köpfe zusammengesteckt, um die Wiese gegenüber dem zukünftigen ,Centre mosellan‘ besser zu nutzen“, sagt Max Hengel (42), Bürgermeister von Wormeldingen. Ehnen ist eine der Ortschaften, die zu Wormeldingen gehört. Ahn, Machtum, Dreiborn und der Weiler „Kapenacker“ sind weitere Teile der (Noch-)Majorzgemeinde. „Wir wachsen“, sagt der Rathauschef, der bei den letzten Kommunalwahlen 2017 in diese Position gewählt wurde. Bei den nächsten Wahlen wird voraussichtlich schon im Proporzsystem und damit nach Parteiliste gewählt. Hengel macht kein Geheimnis daraus, dass er eine Parteikarte hat. Kann er auch nicht. Er ist hauptberuflich politischer Berater der CSV und seit den Nationalwahlen 2018 erster Ersatz für die drei Osten-Deputierten im Parlament.

“Village pittoresque”: Ehnen hat touristisches Potenzial 

Beim Köpfezusammenstecken ist herausgekommen, dass die schon länger existierenden Pläne zur Aufwertung der Wiese neben der Mosel wieder auf den Tisch kommen. Eine Studie bescheinigt Ehnen ideale Bedingungen für den Wassertourismus. Zum anderen hat die Moselkommission, die unter anderem für die Sicherheit an der Mosel verantwortlich ist, dem existierenden „Ponton“ für die Moselrundfahrtschiffe eine „mangelhaft“ bescheinigt. „Zu alt und zu nahe am Fahrrinnenrand der Schiffe“, ist die Begründung. Es bestand Handlungsbedarf. Deshalb entsteht jetzt ein 160 Meter langer Anleger, an dem auch andere als die Rundfahrtschiffe anlegen können. Er soll Freizeitschiffer gleichermaßen ansprechen, die dort nach Abschluss der Arbeiten einen Anschluss ans Stromnetz finden werden. Die Hoffnung ist klar: „Das bringt Flair ans Ufer und Leben ins Dorf“, sagt Hengel, der auf die touristisch interessanten Besonderheiten Ehnens verweist.

Das Moseldorf hat die einzige runde Kirche im Land, enge Gassen, die den Zusatz „pittoresque“ auf den Hinweistafeln rechtfertigen und das Weinmuseum, das derzeit im Umbau zu einem „Centre mosellan“ ist. Dieses Angebot soll die bis jetzt brachliegende grüne Wiese neben der Mosel ergänzen. Hengel spricht von Picknick-Plätzen, Spielplatz, Kiosk, Toiletten und Parkplätzen. „Heute wohnen die Menschen auf immer engerem Raum ohne Garten“, sagt er. „Für sie muss es auch etwas geben.“ Überlegungen, einen Freizeithafen wie in Schwebsingen zu bauen, gab es ebenfalls – zumal Schwebsingen auf luxemburgischem Gebiet der einzige an der Mosel ist. „Zu aufwendig und nicht realisierbar“, sagt Hengel.

“Casinoturm” wird zu “Gite”

Der Bereich ist hochwassergefährdet. 1,5 Millionen Euro kostet die Anlegestelle, Bauherr ist die Straßenbauverwaltung. Die Gemeinde trägt die Hälfte der Kosten und profitiert von den Hilfen des Tourismusministeriums, sodass nur rund 400.000 Euro die Gemeindekasse belasten. Tourismusminister Lex Delles hat vor noch nicht allzu langer Zeit seine „Roadshow“ beendet, die ihn mit dem Angebot, beim Aufbau der touristischen Infrastruktur finanziell zu helfen, durch das ganze Land geführt hat. 60 Millionen Euro hat die Regierung zur Verfügung gestellt.

Parallel will die Gemeinde den leer stehenden alten „Casinoturm“ renovieren und zu „Gites“ umbauen. Die Arbeiten kosten 600.000 Euro und sollen noch dieses Jahr beginnen, denn eine Schwäche des Moseltourismus ist auch in Ehnen bekannt. Es gibt zu wenige Übernachtungsmöglichkeiten vor Ort. Die nächsten Möglichkeiten sind in Grevenmacher oder Stadtbredimus. In dem Gebäude in Ehnen sollen anschließend bis zu sechs Besucher übernachten können. „Damit retten wir die Welt nicht, aber es ist mal wenigstens eine Möglichkeit, bei uns unterzukommen“, sagt Hengel.

Neues Chalet für den Wassersportclub

Nicht nur die Gemeinde scheint zufrieden, dass nun endlich etwas passiert. Direkt neben der Baustelle logiert der „Sports nautiques mosellans Ehnen“ (SNME) und belegt mit seinem Angebot die Feststellungen der Studie zum Wassertourismus in Ehnen. „Bei gutem Wetter brechend voll, coole Leute, tolle Boote“, steht in den Bewertungen auf Facebook. Letztes Wochenende erst wurden dort die „Wake Surf Nationals“ mit 16 Teilnehmern aus Luxemburg veranstaltet. „Es ist gut, dass investiert wird“, sagt Marc Wester (36), Präsident des SNME. Der Club mit 120 Mitgliedern ist seit 36 Jahren an der Mosel angesiedelt und will nach eigenen Angaben nun auch investieren. „Wir haben die Genehmigung für ein neues ökologisches Chalet angefragt“, bestätigt Wester und verweist stolz darauf, dass der Club über drei eigne Boote verfügt, um das Angebot für Wakeboarder, Wasserski- und Barfußfahrer zu gewährleisten. Der jüngste Sportler ist nach Clubangaben sieben Jahre alt, der älteste 70. Im Notfall stehen noch zwei Boote von Privatleuten zur Verfügung. „Dass wir mal niemanden über die Mosel fahren können, kommt praktisch nicht vor“, sagt Wester.

Neben der Lage an der Mosel und dem Dorf als Sehenswürdigkeit an sich ist Ehnen ein Winzerdorf. 18 Privat- und Genossenschaftswinzer beteiligen sich Mitte September in ganz Wormeldingen am „Riesling Open“. Lagen wie „Wuermer Koeppchen“ kennen alle Weinfans. Wormeldingen ist mit 360 Hektar Weinbergen das größte der Anbaugebiete an der luxemburgischen Mosel.

4 Kommentare

  1. Ech weess net ob dat eng gutt Saach ass, wann d’Landgemengen op eemol an de Proporzsystem falen. Well da gëtt op eemol d’Politik vun uewen erof, aus de Parteizentralen an der Stad diktéiert.
    Ech fannen et besser, wann d’Landgemengen eng onparteiesch Politik am Interesse vun de Bierger maachen.

  2. Ech huelen un hien hofft op Superräicher mat Waasserstoffyachten.
    Dat gëtt nach flott, wann e Privatier do uleet an d’ganz Nuecht dee knaschtegen Diesel leeft, do wänzelen d’Leit sech um Buedem vu lauter Begeeschterung.

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