Oriol Junqueras sieht nicht wie ein Rebell aus. Dunkler Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte. So sitzt der frühere katalanische Vizeministerpräsident und Chef der Separatistenpartei ERC vor den sieben Richtern des Obersten Gerichtshofs in Madrid. Er ist der Hauptangeklagte im weltweit aufsehenerregenden Prozess gegen zwölf katalanische Separatistenführer.

Gleich zum Auftakt seiner Vernehmung sagt der verheiratete Vater zweier kleiner Kinder, der die vergangenen 15 Monate in Untersuchungshaft verbrachte: „Dies ist ein politischer Prozess.“ Ein Prozess, in dem er wegen seiner politischen Ideen angeklagt worden sei. Deswegen werde er die Fragen des Staatsanwalts nicht beantworten, sondern nur seinem Verteidiger Rede und Antwort stehen.

Nicht nur eine Sache des Kopfes

Die Staatsanwälte beschuldigen Junqueras, einer der Köpfe des mutmaßlich illegalen Unabhängigkeitsreferendums und der nachfolgenden Abspaltungserklärung im Herbst 2017 gewesen zu sein. Junqueras und die übrigen Angeklagten hätten versucht, einen „kriminellen Plan“ umzusetzen, um die Region unilateral von Spanien abzuspalten. Dies sei ein „schwerer Angriff“ auf die Verfassung gewesen, welche dies nicht erlaube. Die Staatsanwaltschaft sieht den Tatbestand der Rebellion als erfüllt an.

Als der Verteidiger Andreu van den Eynde seinen Mandanten Junqueras bittet, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, sprudelt es nur so aus diesem heraus. „Nichts von dem, was wir gemacht haben, ist ein Delikt“, sagt er mit bebender Stimme. „In einem Referendum abzustimmen und sich für die Unabhängigkeit Kataloniens einzusetzen, ist keine Straftat“, wiederholt er. Man spürt Leidenschaft.

Bei vielen Katalanen ist das Thema Unabhängigkeit nicht nur eine Sache des Kopfes, sondern auch des Bauches. Laut Umfragen sympathisiert etwa die Hälfte der katalanischen Bevölkerung mit einem eigenen Staat. Junqueras pocht auf das internationale „Recht auf Selbstbestimmung aller Völker“, das in diversen UN-Dokumenten verankert ist. Auch durch den Strafprozess werde er sich nicht von seinem Unabhängigkeitstraum abbringen lassen, sagt er vor den Richtern. „Wir haben es versucht, und wir werden es weiter versuchen.“ Und: „Es ist keine Lösung, die Leute ins Gefängnis zu stecken.“

Beliebter als Puigdemont

Schon aus dem Untersuchungsgefängnis heraus forderte der 49-jährige studierte Historiker und Ökonom seine Anhänger immer wieder zum Durchhalten auf. Auch wenn er inzwischen pragmatischer geworden ist. Die Unabhängigkeit könne nicht durch unilaterale Entscheidungen erreicht werden, sondern nur durch Dialog und Verhandlungen, erklärte er kurz vor Prozessbeginn. Sanfte Töne, die sich von der Position des geflüchteten Separatistenchefs und früheren katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont abheben. Puigdemont droht immer noch mit einseitigen Unabhängigkeitsschritten – auch wenn seine Stimme an Gewicht verliert.

Der neue Wortführer der Separatisten heißt Oriol Junqueras – er ist laut Umfragen zum beliebtesten Politiker des Unabhängigkeitslagers aufgestiegen. Die aufrechte Haltung Junqueras, der sich nicht vor dem Strafprozess drückte, scheint sich auszuzahlen. „Ich bin aus Verantwortungsgefühl für meine Bürger in Katalonien geblieben“, sagt er. Auch wenn er wisse, dass er dafür unter Umständen einen hohen Preis bezahlen müsse. Der Staatsanwalt fordert 25 Jahre Gefängnis für Junqueras.Oriol Junqueras sieht nicht wie ein Rebell aus. Dunkler Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte. So sitzt der frühere katalanische Vizeministerpräsident und Chef der Separatistenpartei ERC vor den sieben Richtern des Obersten Gerichtshofs in Madrid. Er ist der Hauptangeklagte im weltweit aufsehenerregenden Prozess gegen zwölf katalanische Separatistenführer.

Gleich zum Auftakt seiner Vernehmung sagt der verheiratete Vater zweier kleiner Kinder, der die vergangenen 15 Monate in Untersuchungshaft verbrachte: „Dies ist ein politischer Prozess.“ Ein Prozess, in dem er wegen seiner politischen Ideen angeklagt worden sei. Deswegen werde er die Fragen des Staatsanwalts nicht beantworten, sondern nur seinem Verteidiger Rede und Antwort stehen.

Straftat oder nicht?

Die Staatsanwälte beschuldigen Junqueras, einer der Köpfe des mutmaßlich illegalen Unabhängigkeitsreferendums und der nachfolgenden Abspaltungserklärung im Herbst 2017 gewesen zu sein. Junqueras und die übrigen Angeklagten hätten versucht, einen „kriminellen Plan“ umzusetzen, um die Region unilateral von Spanien abzuspalten. Dies sei ein „schwerer Angriff“ auf die Verfassung gewesen, welche dies nicht erlaube. Die Staatsanwaltschaft sieht den Tatbestand der Rebellion als erfüllt an.

Als der Verteidiger Andreu van den Eynde seinen Mandanten Junqueras bittet, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, sprudelt es nur so aus diesem heraus. „Nichts von dem, was wir gemacht haben, ist ein Delikt“, sagt er mit bebender Stimme. „In einem Referendum abzustimmen und sich für die Unabhängigkeit Kataloniens einzusetzen, ist keine Straftat“, wiederholt er. Man spürt Leidenschaft.

Bei vielen Katalanen ist das Thema Unabhängigkeit nicht nur eine Sache des Kopfes, sondern auch des Bauches. Laut Umfragen sympathisiert etwa die Hälfte der katalanischen Bevölkerung mit einem eigenen Staat. Junqueras pocht auf das internationale „Recht auf Selbstbestimmung aller Völker“, das in diversen UN-Dokumenten verankert ist. Auch durch den Strafprozess werde er sich nicht von seinem Unabhängigkeitstraum abbringen lassen, sagt er vor den Richtern. „Wir haben es versucht, und wir werden es weiter versuchen.“ Und: „Es ist keine Lösung, die Leute ins Gefängnis zu stecken.“

Beliebter als Puigdemont

Schon aus dem Untersuchungsgefängnis heraus forderte der 49-jährige studierte Historiker und Ökonom seine Anhänger immer wieder zum Durchhalten auf. Auch wenn er inzwischen pragmatischer geworden ist. Die Unabhängigkeit könne nicht durch unilaterale Entscheidungen erreicht werden, sondern nur durch Dialog und Verhandlungen, erklärte er kurz vor Prozessbeginn.

Sanfte Töne, die sich von der Position des geflüchteten Separatistenchefs und früheren katalanischen Ministerpräsidenten Carles Puigdemont abheben. Puigdemont droht immer noch mit einseitigen Unabhängigkeitsschritten – auch wenn seine Stimme an Gewicht verliert.

Der neue Wortführer der Separatisten heißt Oriol Junqueras – er ist laut Umfragen zum beliebtesten Politiker des Unabhängigkeitslagers aufgestiegen. Die aufrechte Haltung Junqueras, der sich nicht vor dem Strafprozess drückte, scheint sich auszuzahlen. „Ich bin aus Verantwortungsgefühl für meine Bürger in Katalonien geblieben“, sagt er. Auch wenn er wisse, dass er dafür unter Umständen einen hohen Preis bezahlen müsse. Der Staatsanwalt fordert 25 Jahre Gefängnis für Junqueras.

 

Von unserem Korrespondenten Ralph Schulze, Madrid

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