Sébastien Thill und der Progrès Niederkorn haben einen holprigen Saisonstart hingelegt und stehen am neunten Spieltag der BGL Ligue im Duell gegen Meister F91 Düdelingen bereits unter Druck (Samstag, 18.00 Uhr im Stade Jos. Nosbaum). Im Interview mit dem Tageblatt spricht der Älteste des Thill-Quartetts über den Trainerwechsel in Niederkorn, seine Chancen in der Nationalmannschaft und die Entwicklung seiner Brüder Olivier und Vincent.

Tageblatt: Das neue Niederkorner Trainerduo Cyril Serredszum/Serge Wolf hatte in der Länderspielpause die Gelegenheit, die Mannschaft auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. Auf was wurde der Fokus gesetzt?
Sébastien Thill: Im Training wurde viel Wert auf die Aggressivität und den Spaß gelegt. Wir haben in dieser Saison noch nicht viele Tore geschossen (14 in 8 Spielen, Anm. d. Red.) und deshalb war es wichtig, dass wir wieder befreiter auftreten in der Offensive. Es wurden viele Abschlüsse trainiert. Gestern (am Mittwoch) gab es nach dem Training sogar eine Extraschicht für die Stürmer.

Was hat sich seit dem Trainerwechsel verändert?
Die Karten wurden neu gemischt. Einigen hat es vielleicht etwas an Motivation gefehlt, weil sie nur wenig Chancen auf einen Einsatz hatten. Wenn man als Stammspieler mal schlecht war, hat man in den vergangenen Wochen trotzdem gespielt. Das hat sich jetzt wieder geändert und es wird mit einem ganz anderen Rhythmus trainiert.

War Paolo Amodios Zeit abgelaufen?
Ich kann eigentlich nichts Schlechtes über ihn sagen. Wir hatten zwei schöne Jahre mit Paolo, haben in der Meisterschaft überzeugt und sind in der Europa League zweimal nacheinander weit gekommen. In der diesjährigen Meisterschaft hatte er ein bisschen Pech in den Duellen gegen Rosport und Rümelingen, die wir verloren haben und in denen einige Spieler müde waren.

Steht der Progrès aufgrund der Tabellensituation unter Druck, gegen den F91 gewinnen zu müssen?
Es ist ein wichtiges Spiel für beide Teams. Die Mannschaft, die gewinnt, hält den Anschluss zur Spitze. Bei einer Niederlage wird der Abstand zur Jeunesse wahrscheinlich größer. Ja, es ist ein sehr wichtiges Spiel.

Hilft es euch, wenn man Woche für Woche den F91 im Fernsehen sieht und die einzelnen Spieler des Gegners analysieren kann?
Ich denke schon, dass man einige Schlüsse daraus ziehen kann. In der Meisterschaft habe ich noch keine einzige Partie des F91 gesehen, ihre Auftritte in Europa habe ich fast alle verfolgt. Und deshalb weiß ich auch, wie ihre Spieler sich offensiv und defensiv verhalten.

Es ist kein Geheimnis, dass Stelvio da Cruz im Mittelfeld eine Mauer ist und Marc-André Kruska und Clément Couturier sowohl läuferisch als auch physisch auf einem sehr hohen Niveau agieren. Trotzdem tritt der F91 in der Meisterschaft anders auf als gegen den AC Mailand oder Betis Sevilla.

Die Spitzenteams der vergangenen Jahre hatten alle Probleme, in die Meisterschaft zu starten. Ist die BGL Ligue ausgeglichener geworden?
Wenn man nicht bei 100 Prozent ist, kann man Teams wie Rosport oder Rümelingen nicht mehr so einfach bezwingen. Auch dort wird gute Arbeit geleistet und einiges für den Erfolg getan. Die BGL Ligue und der Fußball in Luxemburg werden immer besser.

Ein anderes Thema. Seit dem 9. Juni 2017 sind Sie nicht mehr in die Nationalmannschaft berufen worden. Glauben Sie noch an Ihre Chance?
Ja, ich glaube noch daran, irgendwann wieder berufen zu werden, denn ich war ja schon einige Male im Kader und habe gezeigt, dass ich der Mannschaft auch weiterhelfen kann. Ich weiß auch, dass ich auf physischer Ebene nicht der stärkste Spieler bin, aber dafür habe ich andere Qualitäten. Nationaltrainer Luc Holtz hat sich mit der Auswahl seines Aufgebots jedenfalls nicht geirrt – das zeigen die rezenten Resultate.

Ihre Brüder Vincent und Olivier standen gegen San Marino gemeinsam in der Startelf. Wie sehen Sie deren Entwicklung?
Vincent hat wieder Spaß am Fußball und schießt bei seinem neuen Verein Pau auch Tore und spielt oft durch. Er hat in der dritten französischen Liga gelernt, seinen Körper besser einzusetzen und den Ball abzuschirmen. Trotzdem glaube ich, dass er vielleicht in Deutschland oder Spanien besser aufgehoben wäre. Seine Fähigkeiten würden in diesen Ligen wahrscheinlich besser zum Vorschein kommen. Nichtsdestotrotz habe ich nie daran gezweifelt, dass er sich durchsetzen wird. Oli ist seit fünf, sechs Monaten auf einem anderen Planeten. In Russland hat er noch einen Schritt nach vorne gemacht. Er hat körperlich zugelegt, ist noch sicherer am Ball geworden.


Mario Mutsch fällt aus

Mario Mutsch wird dem Progrès im Duell gegen den F91 Düdelingen morgen nicht zur Verfügung stehen. Der 34-Jährige hatte sich im Trainingslager der Nationalmannschaft eine Wadenverletzung zugezogen und war gegen Weißrussland und San Marino nicht zum Einsatz gekommen. Der erfahrene Mittelfeldspieler wird das Training bei seinem Verein vermutlich kommende Woche wieder aufnehmen.

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