Seit Samstag ist der „Oktav-Mäertchen“ auf dem Knuedler geöffnet. Vorbei an Essbuden mit süßen Leckereien und herzhaften Speisen führt der Weg zu einem kleinen Stand mit Rosenkränzen, kleinen Schutzengeln. Hier versteckt sich die ursprüngliche Idee hinter dem Volksfest.

Strahlender Sonnenschein und eine leichte Brise nach einer verregneten Woche: Das Wetter lockte gestern viele Luxemburger auf den „Oktav-Mäertchen“, der am Samstag bei weniger gutem Wetter eröffnet wurde. Familien, Paare und Freundesgruppen ließen sich „gebakene Fësch“, gebrannte Nüsse oder mit Schokolade überzogene Früchte schmecken. Wer in den Restaurant-Buden in der Mittagsstunde noch einen Tisch ergatterte, konnte sich glücklich schätzen.

Die eigentliche Idee hinter der Oktav führt allerdings vorbei an all den Leckereien zu einem kleinen, unscheinbaren Stand der Caritas. Rosenkränze hängen dekorativ in einer Reihe, sodass Passanten Marie und Fernande im Inneren des Häuschens fast nicht sehen können. Marie verkauft schon seit zehn Jahren religiöse Accessoires auf der Oktav. Gerade gibt sie einem jungen Paar den schwarzen Rosenkranz, den sie sich ausgesucht haben.

Die Ursprünge der Oktav gehen auf das 17. Jahrhundert zurück. Bis heute wird das religiöse Fest mit der Wallfahrt und der Marienverehrung in Verbindung gebracht. Der „Mäertchen“, wie die Luxemburger den kleinen Markt auf dem Knuedler nennen, ist das Ziel zahlreicher Pilger aus allen Teilen des Landes. Sie nehmen einen langen Marsch auf sich, um sich das Gnadenbild der Maria, die auch als „Trösterin der Betrübten“ bezeichnet wird, anzuschauen. Auf dem „Mäertchen“ können sich die Pilger dann mit religiösen Devotionalien wie Mutter-Gottes-Bildchen oder Rosenkränzen eindecken und an den Essensständen wieder stärken.

Bunt gemischte Kundschaft

„Früher gab es viel mehr Stände wie den unseren“, sagt Marie. In diesem Jahr gibt es nur das Büdchen der Caritas. Dieses ist aber nach wie vor gut besucht. Sogar zur Eröffnung am Samstag waren die Verkaufszahlen trotz Regenwetter nicht schlecht, berichtet Fernande. Sie ist seit fünf Jahren mit dabei. „Wir sind 18 Ehrenamtliche, die sich während der zwei Wochen des ‚Mäertchen‘ am Stand abwechseln“, sagt sie. Die Einnahmen gehen an die „Epiceries sociales“ der Caritas.

Ihre Kunden sind so unterschiedlich wie sie nur sein können – und sehr international, wie Marie betont. Erst gestern sei eine Spanierin dort gewesen, um einen Rosenkranz zu kaufen. „Ich habe sie zwar kaum verstanden, aber wir haben es hinbekommen“, sagt die Rentnerin schmunzelnd. Der ein oder andere Pilger sei auch noch unter den Kunden.

Während des Gesprächs mit dem Tageblatt kommen in der Tat sehr unterschiedliche Menschen am Stand vorbei. Eine junge Familie, deren kleiner Junge sich einen Schutzengel aussuchen darf, zwei ältere Damen und das junge Paar, das den Rosenkranz gekauft hat. Langeweile kam gestern bei Marie und Fernande jedenfalls nicht auf. Die Ware, die die Caritas verkauft, holt eine Beauftragte der Organisation an verschiedenen Orten in Europa ab, meist am belgischen Wallfahrtsort Banneux oder in der deutschen Benediktinerabtei Maria Laach.

Marie erinnert sich noch an die Zeit, als sie selbst als Kind den „Mäertchen“ mit ihrer Familie besucht hat. „Damals habe ich dann immer ein Schmuckstück mit einer Mutter-Gottes-Abbildung bekommen. Einen Ring, einen Anhänger oder ein Armband. Die verkaufen wir auch heute noch häufig an die Kleinen“, sagt sie und zeigt herzförmige blaue Anhänger und Ringe, auf denen ganz dezent eine Maria zu sehen ist.

Manchmal weinen sich die Passanten bei Marie und Fernande aus. Sie erzählen von ihren Sorgen und davon, dass sie daran glauben, dass die Mutter Gottes ihnen dabei helfen kann. „Wenn jemand kürzlich einen Sterbefall in der Familie oder im Freundeskreis hatte, schenken wir demjenigen auch schon Mal einen Rosenkranz“, sagt Marie und hofft, ihnen so ein wenig Trost spenden zu können.

Der „Mäertchen“ ist noch bis zum 26. März geöffnet.

2 Kommentare

  1. Die wenigsten wissen noch um Ursprung und Bedeutung der Oktave. Heute pilgert man auf den Mäertchen. Ein Wunder, dass es dort noch zwischen den Essbuden und sonstigen einen Stand mit entsprechenden Devotionalien gibt. Die Oktave, genau wie die Echternacher Springprozession , gehört nun mal zum nationalem Patrimonium, ob das einem gefällt oder nicht. Die Menschen, die zu Fuss zur ” Trösterin der Betrübten ” pilgern, tun das aus ihrem Glauben heraus, aus Überzeugung, und sind zu bewundern. Sie nehmen diese Strapazen auf sich, weil es ihnen ein Bedürfnis und ein Anliegen ist.

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